Kurz vor 12 Uhr am Corvey-Gymnasium am vergangenen Mittwoch: In gespannter Stille warteten 46 Schülerinnen und Schüler der 5. und 11. Klasse auf den Aufbau der Verbindung. Dann erschien Tobi Krell alias Checker Tobi zur Begrüßung und schaltete sich live zu Luisa Neubauer auf das Forschungsschiff Malizia Explorer. Der 26 Meter lange, umgebaute Aluminium-Segler des deutschen Hochseeseglers Boris Herrmann dient als Forschungs-, Kommunikations- und Bildungsplattform für Meeres- und Klimaforschung. Hinter Luisa Neubauer war eine gewaltige Kulisse im Bild: die Gletscher der Antarktis. Auch wenn die bekannte Klimaschutzaktivistin die Hamburger Schülerinnen und Schüler nicht sehen konnte, fingen diese unwillkürlich an zu winken.
Das „Globale Klassenzimmer“, so der Titel des Bildungsprojekts, ermöglicht Schülerinnen und Schülern in ganz Deutschland, den Klimawandel dort zu erleben, wo er besonders spürbar ist: am südlichsten Punkt unseres Planeten. Rund 1.200 Schulklassen bundesweit hatten sich für diese besondere Unterrichtsreihe angemeldet und verfolgten am 14., 15. und 16. Januar die Unterrichtsstunden aus dem Eis. Luisa Neubauer berichtete live von Bord über den Forschungsalltag, die Herausforderungen der Expedition und die Bedeutung der Antarktis für das globale Klima. Neben weiteren Aktivistinnen, Wissenschaftlern und Ozeanexpertinnen war auch Segelprofi Boris Herrmann zugeschaltet und bereicherte die Diskussionsrunde mit seinen Eindrücken und Erfahrungen.
Am Corvey-Gymnasium wurde diese besondere Unterrichtsstunde begeistert aufgenommen. Für Kristin Schilling, Koordinatorin für Klimaschutz und Nachhaltigkeit an der Lokstedter Schule, ist das Projekt eine einzigartige Gelegenheit, die Welt, auf die sie ihre Schülerinnen und Schüler vorbereiten soll, in den Klassenraum zu holen. „Wir erhielten faszinierende Einblicke in eine völlig fremdartige, unwirtliche Region, die für die allermeisten nicht erreichbar ist und dennoch so bedeutsam für den Erhalt eines lebenswerten Planeten“, so Schilling. „Vor allem aber bleiben Zusammenhänge besonders dann hängen, wenn sie mit außergewöhnlichen Situationen verknüpft werden. Das berichten auch die Schülerinnen und Schüler immer wieder. Emotionen sind also relevant fürs Lernen.“
Spannend fanden die Fünftklässlerinnen und Fünftklässler vor allem die Pinguin Post, ein kleines schwarz-rotes Häuschen in Port Lockroy, in dem viele Pinguine brüten und von dem aus tatsächlich noch Postkarten mit einem Pinguin-Stempel versendet werden. Außerdem waren das Setting einer Live-Schalte und das Bewusstsein, dieses Erlebnis im selben Moment mit 30.000 anderen Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland zu teilen, eine ganz besondere und sicherlich nachhaltig prägende Erfahrung auch für ihre Elftklässlerinnen und Elftklässler, so Schilling. Am Ende der Veranstaltung hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, im Chat selbst Fragen zu stellen. Diese Begegnung zwischen Wissenschaft, Aktivismus und Unterricht war nicht nur ein Moment des Staunens, sondern auch ein Zeichen der Hoffnung: Wandel ist möglich – wenn wir ihn gemeinsam gestalten.