Grenzen sind weit mehr als geografische Linien. Sie können gesellschaftlich-ethischer, politisch-rechtlicher oder materiell-räumlicher Natur sein und wirken nicht nur als Barrieren, sondern auch als Räume der Begegnung, des Schutzes oder der Überwindung. Die Teilnehmenden des 29. Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten haben eindrucksvoll gezeigt, wie vielschichtig das diesjährige Thema „Grenzen in der Geschichte“ ist – und wie sehr es sowohl die Geschichte geprägt hat als auch die Gegenwart beeinflusst. Über 6.720 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland sind auf historische Spurensuche gegangen und haben insgesamt 2.289 Beiträge eingereicht – knapp 190 davon stammen aus Hamburg. Am gestrigen Donnerstag zeichnete Bildungssenatorin Ksenija Bekeris im Körber-Forum in der HafenCity die Preisträgerinnen und Preisträger aus – darunter das Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer als Landessieger.
Der mit 2.500 Euro dotierte Preis „Landesbeste Schule“ wird über ein Punktesystem errechnet, welches die Zahl der Landessiege und Förderpreise berücksichtigt. Dabei hatte das Eimsbütteler Gymnasium klar die Nase vorn. So recherchierte Helen Gärtner, Neuntklässlerin des Kaifu-Gymnasiums, zum Einfluss der sozialen und politischen Grenzen in der DDR auf den Alltag der Bevölkerung, Neuntklässlerin Adele Dittrich forschte über Albert Ballin und die Auswanderung über den Hamburger Hafen, und zwei Schülerinnen aus dem Kaifu-Gymnasium und dem benachbarten Helene-Lange-Gymnasium, Nike Takeuchi und Sarah Bartels, befassten sich mit der Zweiten deutschen Frauenbewegung. „Zwischen Hamburg und Altona“ hieß der Beitrag von Emma Hommers, Karol Florczak, Katharina Hyngar und Linda Nolting aus Jahrgang 11, und aus dem gleichen Jahrgang forschte Ilber Bugrul zu den Grenzen der Frauenschulbildung im Kaiserreich sowie Paula Budwasch, Malin Gerken und Mia Mar Allica y Graf zum Thema Museum ohne Grenzen.
Auch alle weiteren prämierten Schulen überzeugten mit hochkarätigen Beiträgen und wurden mit Landessiegerpreisen (500 Euro Prämie) und Förderpreisen (200 Euro) belohnt. Zu den ausgezeichneten Schulen gehören die Brecht Schule Hamburg, das Gymnasium Lohbrügge, die Stadtteilschule Bergedorf, das Gymnasium Rahlstedt, das Johanneum, die Heinrich-Hertz-Schule, das Albert-Schweitzer-Gymnasium, das Gymnasium Buckhorn, die Stadtteilschule Stellingen, das Lise-Meitner-Gymnasium, das Gymnasium Altona, das Wilhelm-Gymnasium, das Gymnasium Lerchenfeld, die Ilse-Löwenstein-Schule, das Gymnasium Oldenfelde, das Gymnasium Oberalster und die Stadtteilschule Rissen. Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung für den besten Gruppenbeitrag erhielten in diesem Jahr Schülerinnen und Schüler einer 11. Klasse des Gymnasiums Klosterschule in St. Georg. Die Jugendlichen haben mit ihrem Beitrag „Wo ist die Grenze? Die Jugend 68 traut keinem über dreißig“ die Jury überzeugt.
Seit 1973 richten die Hamburger Körber-Stiftung und das Bundespräsidialamt den Geschichtswettbewerb aus, der auf eine gemeinsame Initiative des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann und des Stifters Kurt A. Körber zurückgeht. Ziel ist es, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte zu wecken, Selbstständigkeit zu fördern und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Ausgeschrieben wird der größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland in einem zweijährigen Turnus und zu wechselnden Themen. Die Gewinnerinnen und Gewinner der bundesweit 250 ausgezeichneten Landessiege haben jetzt die Chance auf einen der 50 Bundespreise. Die fünf Ersten Preise auf Bundesebene werden am 11. November von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue in Berlin vergeben.