Die Schule An der Burgweide in Wilhelmsburg hat beim Deutschen Schulpreis 2025 einen beeindruckenden Erfolg erzielt: Sie zählt zu den sechs besten Schulen bundesweit und wurde zudem mit dem neuen Themenpreis Demokratiebildung ausgezeichnet. Die inklusive Grundschule mit fast 400 Schülerinnen und Schülern in einem sozial herausfordernden Umfeld setzt auf individuelle Förderung, altersgemischtes Lernen und demokratische Mitbestimmung. Schulleiterin Regine Seemann spricht im Interview über die Gründe für die Bewerbung, die besonderen pädagogischen Konzepte und wie das Preisgeld die Schule weiter voranbringen soll.
Newsletter: Frau Seemann, was war der Auslöser für die Bewerbung beim Deutschen Schulpreis – und mit welcher Motivation sind Sie an den Wettbewerb herangegangen?
Regine Seemann: Wir hatten uns 2018 schon mal beworben und waren unter den Top 20. Nach dem Wettbewerb hatten wir eine sehr detaillierte Rückmeldung von der Jury bekommen und haben daraufhin einiges am Unterricht umgestellt. Und 2024 fanden wir, dass unsere Unterrichtsentwicklung so weit fortgeschritten ist, dass es ein guter Zeitpunkt ist, um sich erneut zu bewerben.
Newsletter: Ihre Schule ist bekannt für ihr inklusives und altersgemischtes Lernen. Welche pädagogischen Schwerpunkte und Werte stehen für Ihr Team im Mittelpunkt?
Regine Seemann: Wir fördern jedes Kind in der Zone der nächsten Entwicklung. Bei uns wird also kein Kind über- oder unterfordert. Es sind alle Kinder willkommen, von Kindern mit speziellen Förderschwerpunkten im Bereich der Kognition bis hin zum hochbegabten Kind. Sie sind alle wichtige Mitglieder unserer Schulgemeinschaft. Vielen Menschen, die unsere Schule besuchen, fällt auf, dass wir hier sehr freundlich und respektvoll miteinander umgehen. Das ist uns sehr wichtig.
Newsletter: Was macht Ihre Schule Ihrer Meinung nach besonders und hebt sie von anderen Grundschulen ab – gerade auch in einem sozial herausfordernden Umfeld wie Wilhelmsburg?
Regine Seemann: Tatsächlich glaube ich, dass es mehrere Faktoren sind. Auf jeden Fall gehört die Innovationsbereitschaft dazu. Unser Kollegium ist immer bereit, Neues auszuprobieren. Ein weiterer Punkt ist das klare Ja zum demokratischen Handeln, eng verknüpft mit inklusiven Lerngruppen, denn ohne Inklusion keine Demokratie und umgekehrt. Dazu gehört, dass alle Kinder von der Vorschule bis zur Klassenstufe 6 ernstgenommen und gehört werden. Und nicht zuletzt sind das jahrgangsgemischte Lernen und das längere gemeinsame Lernen zu nennen.
Newsletter: Wie hatte im Vorfeld die Schulfamilie, also Lehrkräfte und Schulbeschäftigte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern die Nominierung aufgenommen? Allein das ist ja schon eine hohe Auszeichnung.
Regine Seemann: Ja, alle waren aus dem Häuschen, als wir es verkündet haben. Vor allem, dass wir für beide Preise nominiert waren. Denn viele sehen den Themenpreis Demokratiebildung in der heutigen Zeit als mindestens genauso wichtig an, wie den Schulpreis an sich.
Newsletter: Das Preisgeld von insgesamt 60.000 Euro ist eine tolle Anerkennung. Haben Sie schon Pläne, wie Sie das Geld für die Weiterentwicklung der Schule einsetzen möchten?
Regine Seemann: Das bestimmen wir als demokratische Schule gemeinsam. Die Kinderkonferenz wird hier genauso gefragt wie die Lehrerkonferenz und der Elternrat. Zum Glück sind es nun ja sogar 60.000 Euro geworden. So gibt es schon reichlich Ideen, auch größere Projekte anzugehen. Aber es sind sich alle einig, dass er zunächst mal eine große Party geben muss.