Tägliches morgendliches Check-in zwischen Kaffeetassen, Skizzen und Stoffproben im Jungen Schauspielhaus am Wiesendamm. Hier präsentierten sich vor Kurzem rund 50 Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule Helmuth Hübener gegenseitig ihre neuesten Ideen und holten sich Feedback und neue Anregungen bei den Profis des Barmbeker Theaters. Die Jugendlichen haben mit Designerinnen, Make-up-, Wig- und Performance Artists sowie einem Modefotografen an einer multidiversen Modenschau gearbeitet, begleitet durch ein Team der Schule und einer Kulturagentin. Arbeitstitel des Projekts: „Bold Body“ – was übersetzt so viel wie „mutiger Körper“ oder auch „gewagter Körper“ heißen kann.
Im Zentrum des von den Schülerinnen und Schülern selbst entwickelten Projekts steht die künstlerische Auseinandersetzung mit Themen wie Körperakzeptanz, Vielfalt und Selbstbewusstsein. Ausgangspunkt war eine schulinterne Umfrage der Diversity-AG, in der viele Jugendliche von Diskriminierungserfahrungen berichteten – sei es aufgrund ihres Aussehens, ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrer sexuellen Identität. Mit „Bold Body“ wollten die Jugendlichen Body-Shaming und Diskriminierung mit Kreativität entgegentreten. So entwarfen sie eigene Looks, entwickelten Performances und inszenierten ihre Ideen auf der Bühne - ein Erfahrung mit nachhaltiger Wirkung.
„Die Jugendlichen erfahren Selbstermächtigung und Wirkungskraft, indem sie lernen, ihren Gedanken und Gefühlen einen künstlerischen Ausdruck zu geben und so eventuell auch neue oder andere Seiten an sich zuzulassen, die durch das Styling von Haaren, Outfit und Makeup sichtbar werden“, erklärt Alescha Abendroth, Kulturagentin des Projekts, das im Rahmen des stadtweiten Programms Kulturagent*innen für kreative Schulen in Hamburg durchgeführt wird. Seit 2011 haben über bereits über 35.000 Schülerinnen und Schüler mit rund 500 künstlerischen Projekten am Kulturagent*innen-Programm teilgenommen. Die 30 Programmschulen haben dabei mit rund 250 Einzelkünstlerinnen und -künstlern und über 80 Kulturinstitutionen kooperiert.
Für ihr „Bold Body“-Projekt wurden die Jugendlichen der Stadtteilschule Helmuth Hübener von Künstlerinnen und Experten des Jungen Schauspielhauses aus den Bereichen Kostümbild, Styling, Fotografie sowie Bühnen- und Veranstaltungstechnik begleitet. „Das Team von Künstlerinnen und Künstlern ist das diverseste, mit dem ich bisher gearbeitet habe“, so Abendroth. „Ich habe mir Mühe gegeben, dass sie alles abbilden, was die Jugendlichen in der Umfrage als Leerstelle markiert haben. Meine Hoffnung ist, dass das künstlerische Team den Jugendlichen damit als Role-Model dient und ihnen dadurch Stärke, Selbstbewusstsein und Mut vermittelt. Ich hoffe, sie erfahren so auch durch die eigene Toleranz die Möglichkeit, sich selbst zu zeigen und auszuprobieren.“
Die Schülerinnen und Schüler lernten sowohl Soft Skills wie Teamarbeit, Organisation, Präsentation und gegenseitige Wertschätzung als auch ganz neue Fachkenntnisse im Rahmen von Schulungen in Materialkunde, Nähen, Entwurf, Styling, Eventmanagement, Licht- und Tontechnik, Moderation sowie Bühnenperformance. Ein besonderer Fokus des Projekts liegt zudem auf Upcycling und Nachhaltigkeit. So entstanden die originellen Outfits alle aus Second-Hand-Kleidung und Stoffresten.
Die Premiere der Modenschau findet am 2. Juni um 18 Uhr im Jungen Schauspielhaus Hamburg, Wiesendamm 28 statt. Am 25. Juni wird die Modenschau im Rahmen eines Sommerfests dort erneut präsentiert, ergänzt durch großformatige Fotografien. Die Bilder, die im Vorfeld der Premiere bei einem Modeshooting entstanden sind, werden im Maßstab 1:1 auf LKW-Planen gedruckt und ausgestellt. Ermöglicht wird das Projekt durch die Unterstützung vom Fonds Kultur und Schule, Radio Hamburg - Hörer helfen Kindern sowie TUSCH – Theater und Schule Hamburg und dem Jungen Schauspielhaus Hamburg.