Auf den Spuren von Hamburgs kolonialer Vergangenheit

Projekt der Nelson-Mandela-Schule mit Deutschem Kinder- und Jugendpreis ausgezeichnet

  • Schule, Familie und Berufsbildung
Projekt der Nelson-Mandela-Schule
Selfie mit Schülerinnen und Schüler und Lehrkräften der Daressalam Secondary School, die gerade zu Besuch in Hamburg sind Nelson-Mandela-Schule

Denkmalgeschützt und abgeschlossen hinter einem Zaun im Jenfelder Park liegt der in Hamburg kaum bekannte sogenannte „Tansania Park“. Mittendrin stehen zwei in der NS-Zeit errichtete Reliefs: das „Deutsch-Ostafrika-Kriegerdenkmal“ und das „Schutztruppen-Ehrenmal“. Die steinernen Kolosse, die einst einen Kaserneneingang flankierten, verherrlichen Deutschlands koloniale Vergangenheit und propagieren die angebliche „Treue der Askari“. In ihrem Projekt „Alte Geschichte(n), neue Zugänge - Junge Stimmen im Dialog mit dem Tansania-Park“ haben sich Schülerinnen und Schüler der Nelson-Mandela-Schule in Kirchdorf mit diesem Relief und damit mit Hamburgs kolonialer Vergangenheit auseinandergesetzt. Die Jury des Deutschen Kinder- und Jugendpreises befand die Arbeit für so bemerkenswert, dass sie sie jetzt mit einer „Lobenden Erwähnung“ bedachte – was gleichbedeutend mit dem zweiten Preis ist.

Sieben Schülerinnen und Schüler zwischen 13 und 15 Jahren beschäftigten sich in ihrem Projekt forschend, kreativ und kritisch mit Kolonialismus, Rassismus und Erinnerungskultur, vor allem aber mit der historischen Bedeutung genau dieser Objekte. Dazu führten sie Interviews, produzierten Audiobeiträge und gestalteten Ausstellungselemente zu selbst entwickelten Fragen. Auch ging es darum, die eigenen Perspektiven sichtbar zu machen, insbesondere auch von Jugendlichen, die selbst Erfahrungen mit Migration, Ausgrenzung und Rassismus haben. „Das ist wirklich nicht nur ein Thema oder eine Geschichte von früher, sondern es wirkt noch auf unsere Zeit ein“, betont Anfy, einer der Projektbeteiligten. Am Aktionstag zur Präsentation der Ergebnisse führten die Jugendlichen Besucherinnen und Besucher durch den Park, erklärten historische Zusammenhänge, präsentierten ihre Recherchen und luden in Ausstellungen und Hörstationen zum Austausch ein.

Beim Deutschen Kinder- und Jugendpreis des Deutschen Kinderhilfswerks wurde das Projekt mit einer „Lobenden Erwähnung“, dem zweiten Preis in der Kategorie „Politisches Engagement“ ausgezeichnet. Die Schülerinnen und Schüler aus Kirchdorf können sich nun über ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro freuen. „Mit der Fortsetzung unseres Projekts schaffen wir auch den ersten Platz. Wir sind überglücklich!“, freut sich Schulleiter Oliver Lahtz. Mit der bundesweiten Auszeichnung werden Projekte gewürdigt, bei denen Kinder und Jugendliche beispielhaft an der Gestaltung ihrer Lebenswelt mitwirken. „Aus der Forschung wissen wir, dass junge Menschen, die selbst aktiv sind, sich auch als Erwachsene eher für die Gestaltung des Gemeinwesens einsetzen. Mit der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen wird somit ein wesentlicher Grundpfeiler unserer Demokratie gestärkt“, betont Erik Lierenfeld, Vorstandsmitglied des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Mit Tansania verbindet die Nelson-Mandela-Schule noch weit mehr als nur die Frage nach dem Umgang mit kolonialer Vergangenheit: So gibt es einen regen Austausch zwischen der Nelson-Mandela-Schule und zwei Schulen in Daressalam. Den Startschuss markierte vor drei Jahren eine Anbahnungsreise von zwei Lehrkräften und Schulleiter Lahtz in die ehemalige Hauptstadt von Tansania. Daraus sind diverse Projekte entstanden, zum Beispiel die gemeinsame Gestaltung der Jubiläumsfeier der Städtepartnerschaft sowie etliche Brieffreundschaften. Bereits im vergangenen Jahr kam Besuch von der Jerusalem School aus Daressalam. Gerade in dieser Woche sind zudem sechs Schülerinnen und Schüler der Daressalam Secondary School mit zwei Lehrkräften zu Besuch in Hamburg. Auf dem Programm steht natürlich auch ein Besuch des Tansania Parks! 
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