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Shingal ist die Hauptstadt eines gleichnamigen Distrikts im Irak und zugleich das Hauptsiedlungsgebiet der Eziden in der Provinz Ninive.
In der Nacht zum 3. August 2014 wurde der Ort von Terroristen des „Islamischen Staats“ überfallen, Tausende Ezidinnen und Eziden umgebracht und Hunderttausende in die Flucht getrieben.
Der Künstler Saleh Aldawood war unter ihnen und hat mit Buntstiften seine Erlebnisse dokumentiert. Er lebt in Hamburg und zeigt nun einer breiteren Öffentlichkeit seine Zeichnungen.
Landeszentrale für politische Bildung
Die Ausstellung wird von der Körber-Stiftung Hamburg und der Landeszentrale für politische Bildung zur Verfügung gestellt.
Saleh Aldawood wurde 1974 in der Region Şengal im Irak geboren. Er ist verheiratet und hat sieben Kinder. Nach seinem Abitur studierte er an der Universita t in Mossul Fahrzeug– und Motorentechnik. Bis zu seiner Flucht arbeitete er als Lehrer in Al-Haunania bei Şengal.
Die Zeichnungen sind aus einer Dokumentation ausgewählt worden, die Saleh Aldawood während und nach seiner Flucht angefertigt hat.
3. August 2014. Die Uhr schlug zwei am Morgen, die Dschihadisten des „Islamischen Staats“ (IS) hoben ihre schwarzen Fahnen über unser Dorf Al-Haunania. Mein Blick richtete sich nach Su den. Schwer bewaffnet standen sie vor uns, der Krieg begann. Bis zum Morgengrauen fielen unendlich viele Schüsse und Bomben. Was ich in diesem Moment gefühlt habe, ist unbeschreiblich. Unser Widerstand nahm ab, wir hatten keine Munition mehr. Der IS war einfach zu stark. Ohnmacht machte sich breit, meine größte Angst war: „Was passiert mit unseren Kindern und Frauen?“ Wir mussten eine Entscheidung treffen: entweder sterben oder fliehen. Als Erstes, haben wir Frauen und Kinder mit unseren Fahrzeugen in das Dorf Rambousi gebracht. Auf der Flucht attackierten sie uns mit Waffen, die ich in meinem Leben noch nie gesehen hatte. Ich fing an zu beten; Tausî Melek schützte uns! Wir sind vorerst lebend davon gekommen.
Saleh Aldawood
Wir waren in dem Dorf Werdie angekommen. Wir schauten uns um, die Straßen waren überfüllt und wir mussten unsere Fahrzeuge stehen lassen. Es gab keinen Ausweg mehr. Gemeinsam, sind wir in der unerträglichen Hitze ins Sindschar-Gebirge geflohen. Der Weg dorthin war sehr lang, er kam mir unendlich vor. Wir hielten uns fünf Stunden im Gebirge auf. Diese Stunden vergingen nicht, sie fühlten sich an wie Jahre. Die Kinder haben nur geweint, sie hatten Hunger und Durst, der Tod lächelte uns ins Gesicht. Plötzlich erreichten uns die Dschihadisten des IS. Sie hatten uns gefunden! Ein Ultimatum wurde uns gesetzt: entweder gehen wir alle zurück nach Werdie oder wir sterben sofort! Aus Verzweiflung sind wir wieder zurückgegangen. Deren Anführer befahl uns, uns um sieben Uhr abends beim Bürgermeister des Dorfes einzufinden. Der Anweisung folgten wir. Der IS rückte ab, weil er sich nach Şengal begab. Dort fing der Genozid an meinem Volk erst an.
Saleh Aldawood
Wir sind zwei Tage in Werdie geblieben. Die Angst war so groß, es kam mir vor, als würde ich ersticken. Die Hilferufe der Frauen und Kinder klingen immer noch in meinen Ohren. Als wir nun endlich die Gewissheit hatten, dass der IS nicht mehr zurückkehren wird, sind wir erneut Richtung Sindschar aufgebrochen, mit der Hoffnung zu überleben. Im Herzen von Sindschar angekommen, habe ich erst das Ausmaß der Katastrophe realisiert. Wohin ich auch schaute, blickte ich in schockierte Gesichter! Was wird nun passieren? Diese Frage konnte mir niemand beantworten. Die Hilflosigkeit war nicht zu ertragen. Tagelang müssten wir ohne Nahrung und Wasser ausharren, sehr viele Menschen starben, denn die Sonne nahm ihnen die letzte Kraft.
Saleh Aldawood
Der Irak bot uns ein schreckliches Schauspiel und die Welt schaute kaum hin. So konnte es nicht weitergehen, wir mussten handeln. Wir haben es durch das trockene Gebirge, erschöpft und ausgelaugt bis ins Dorf Kerse geschafft, in dem ein kleiner Bach floss. Wir Männer sind runter zum Bach, um etwas Wasser zu holen. Ungefähr acht Tage sind wir dort geblieben. Abends sind wir in die leerstehenden Häuser gegangen. Wenn wir Glück hatten, haben wir etwas Brot für die Frauen und Kinder gefunden. Die Erlebnisse an diesen Tagen werde ich niemals vergessen! Wenn ich ehrlich bin, hatte ich nicht mehr daran geglaubt, das Ganze zu überleben. Nun lebe ich, jedoch fühlt sich jeder Tag an wie ein schlimmer Albtraum. Das Leid meines Volkes hat immer noch kein Ende.
Saleh Aldawood
Unter diesen unmenschlichen Bedingungen wären alle unsere Kinder gestorben. Wir machten uns erneut auf den Weg, dieses Mal nach Syrien. Der Hunger wurde immer stärker und die Ohnmacht schlimmer. Nach zwölf Stunden Fußmarsch sind wir endlich in Syrien angekommen. Ich traute meinen Augen nicht: Von Weitem sah ich die Fahne der Volksverteidigungseinheit der Kurden in Syrien. Die Milizen riefen uns entgegen: „Habt keine Angst Freunde, wir wollen euch helfen.“ Einige unserer Kinder sind in Schockstarre verfällen, sie konnten nicht glauben, dass wir nun in Sicherheit sind. Zwei Stunden konnten wir uns bei ihnen ausruhen, sie gäben uns Nahrung und Wässer. Wir sägten unseren Helfern, dass wir nach Nord Kurdistan wollen. Sie begleiteten uns bis zum großen Fluss zwischen Irak und Syrien.
Saleh Aldawood
Als wir an dem großen Fluss angekommen sind, trafen wir auf Menschen, die unsere Kinder in die Arme nahmen. Sie wollten uns helfen. Vor Freude fing ich an zu weinen, die Hoffnung war doch nicht verloren. Nach einer kleinen Verschnaufpause sind wir über die Brücke weiter nach Dohuk in der autonomen Region Kurdistan im Irak gegangen, anschließend dann nach Xanke. Wenn ich den Weg bis hierhin reflektiere, kann ich es nicht begreifen, wie wir das geschafft haben. Mit eigenem Leibe musste ich zusehen, wie Menschen starben, trotz alledem bin ich stark geblieben.
Saleh Aldawood
Als wir an dem großen Fluss angekommen sind, trafen wir auf Menschen, die unsere Kinder in die Arme nahmen. Sie wollten uns helfen. Vor Freude fing ich an zu weinen, die Hoffnung war doch nicht verloren. Nach einer kleinen Verschnaufpause sind wir über die Brücke weiter nach Dohuk in der autonomen Region Kurdistan im Irak gegangen, anschließend dann nach Xanke. Wenn ich den Weg bis hierhin reflektiere, kann ich es nicht begreifen, wie wir das geschafft haben. Mit eigenem Leibe musste ich zusehen, wie Menschen staIn Xanke waren wir erneut drei Tage der prallen Sonne ausgesetzt. Unzählige Menschen haben darauf gewartet, ein Zelt zu bekommen. Am dritten Tag wurde uns dann ein Zelt zugeteilt. Da sich in diesem Camp tausende Menschen aufhielten, waren die hygienischen Bedingungen sehr schlecht, Krankheiten wie Diarrhoe machten sich breit. Die humanitäre Hilfe war sehr dürftig, viele haben gehungert und es gab pro Familie nur eine bestimmte Ration an Nahrung. Diese hat meistens nur für die Kinder gereicht. Hier blieben wir bis zum 1. November 2014.rben, trotz alledem bin ich stark geblieben.
Saleh Aldawood
Im November kämpfte auch das Wetter gegen uns. Der Regen überflutete das Camp und die Zelte wurden zerstört. Erneut mussten wir fliehen. Wir haben uns gefragt: „Das, was der IS nicht vollbringen konnte, wird dies nun der Winter übernehmen?“ Wir haben von Freunden gehört, dass es in Xanke ein großes Schulgebäude gibt, dorthin sind wir dann auch gegangen.
Saleh Aldawood
In der Kälte und durchnässt durch diesen monsunartigen Regen, ständen wir die ganze Nacht vor verschlossenen Türen. Die Menschen, die im Gebäude waren, haben uns die Türen nicht geöffnet, da sie dachten, wir gehören dem IS an. Irgendwie konnte ich ihre Angst nachvollziehen, obwohl ich zusehen musste, wie die Kinder zitterten und weinten. Erst beim Sonnenaufgang erkannten sie, dass auch wir Eziden auf der Flucht sind und haben uns Zutritt gewährt. Wir sind dort zwanzig Tage geblieben, danach mussten wir alle das Gebäude verlassen, da die Schule anfing. Wir wussten nicht mehr wohin, wir haben um Hilfe gebeten. Ich hätte auch gebettelt, wenn es hätte sein müssen, Hauptsache die Kinder und Frauen wären in Sicherheit gekommen. Die Einheimischen haben uns dann empfohlen, in ein nahegelegenes großes Camp zu gehen.
Saleh Aldawood
Der Leiter des Camps kam eines Tages auf mich zu und fragte, ob ich stellvertretend für ihn arbeiten möge. Dieses Angebot nahm ich dankend an. Ich wurde zum Sprachrohr der Flüchtlinge. Zu meinem Aufgabenbereich gehörte es, dafür zu sorgen, dass alle gleichermaßen viele Hilfsgüter erhalten. Eines war mir sehr wichtig, es sollten alle sich gleichberechtigt fühlen. Uns ist nämlich genug Unrecht widerfahren, hier sollten die Menschen zumindest nicht hungern. Nach einer Weile konnte ich nicht mehr. Die Last wurde mir zu viel. Das Leid meiner Mitmenschen war unendlich. Ich konnte meine Gedanken nicht in Worte fassen, denn die Vorstellung daran ließ meinen Körper auf der Stelle vereisen. Um irgendwann wieder ein normales Leben führen zu können, mussten wir uns auf die Reise nach Europa begeben. Europa symbolisierte für mich Gerechtigkeit, Freiheit und Menschlichkeit. Es war mir bewusst, dass die Reise dorthin sehr gefährlich werden wird. Dass habe ich dennoch in Kauf genommen, denn lieber sterbe ich als in diesem Land bleiben zu müssen.
Saleh Aldawood
Am 02.12.2014 haben wir das Camp verlassen. Unser nächstes Ziel war zuerst die Türkei. Nachdem wir dort ankamen, brachte man uns nach Istanbul. Uns wurde gesagt, dass wir eine Nacht hier verbringen würden. Die Erschöpfung steckt mir bis heute noch in den Knochen. Am nächsten Tag wurden wir nach Izmir überführt.
Saleh Aldawood
Kaum in Izmir angekommen, mussten wir stundenlang in der Dunkelheit laufen. Wir wussten nicht wohin und niemand gab uns eine Antwort darauf. Als wir dann am Meer ankamen, sahen wir zwei unserer Schleuser vor einem kleinen Boot stehen. Sie forderten uns auf, mit diesem Boot das Meer zu überqueren. Das war unmöglich, denn auf dieses Boot hatten höchstens zehn Personen Platz finden können, wir waren jedoch achtzig Menschen! Wir haben uns dagegen entschieden und gingen den gleichen Weg wieder zurück. Als wir an einer Straße ankamen, wartete auf uns eine Überraschung.
Saleh Aldawood
Uns kamen zwei Polizeiautos entgegen. Die Polizisten richteten ihre Waffen auf uns. Schlussendlich nahmen sie uns in Gewahrsam. Sie haben uns gedroht; entweder zahlen wir pro Person zweihundert Euro oder wir bleiben in Gewahrsam. Wir mussten leider dann doch alle unsere Ersparnisse dort lassen.
Saleh Aldawood
Wir haben einen zweiten Versuch gewagt und sind dann mit dem Boot über das Meer Richtung Griechenland gefahren. Das Boot war auch diesmal sehr klein und sah nicht sicher aus. Wir haben uns sehr langsam über das Wasser bewegt, ich konnte ahnen, dass da etwas nicht richtig läuft. Als ich den Schlepper anschaute, sagte er, dass der Motor den Geist aufgegeben hat. Weit und breit kein Land in Sicht. Panik machte sich breit und die Kinder fingen an zu schreien. Mein erster Gedanke war: „Kaum einer von uns kann schwimmen. Wenn wir kentern, nimmt unsere Reise hier ein Ende.“ Ich konnte nichts tun, meine Hände waren gebunden. Um den Menschen etwas Angst zu nehmen, habe ich ihnen gesagt: „Betet Freunde, betet zu Gott, wenn er uns erhört, dann schaffen wir auch diese Hürde.“ Nach einer Weile kam uns ein großes Boot entgegen, Hilfe war in Sicht, wir wurden gerettet.
Saleh Aldawood
In Griechenland angekommen, wurden wir von liebevollen Menschen empfangen. Diese Herzlichkeit tat uns sehr gut. Für einen kleinen Moment haben wir alles vergessen. Wir wurden mit dem Nötigsten versorgt. Eine große Last fiel uns von unseren Schultern und die Erleichterung war den Kindern ins Gesicht geschrieben. Ich nahm einmal ganz tief Luft und es kam mir so vor, als würde ich das erste Mal seit Langem wieder atmen können. Xwede (Gott) und der Engel Tausî Melek haben uns den Weg in ein neues Leben gewährt. Hier kann uns nichts mehr passieren. Nachdem wir uns hier ausruhen konnten, sind wir weiter nach Deutschland gezogen. Dies wurde unsere zweite Heimat, unser neues Zuhause.
Saleh Aldawood
Der IS war erbarmungslos. Die Eziden hatten eine Chance zu überleben wenn sie zum Islam konvertieren würden, ansonsten würden sie auf eine barbarische Art den Tod finden. Die Eziden sind in Massen hingerichtet worden, als wären sie keine Menschen, denn in den Augen des IS sind sie Ungläubige. Die Ideologie des IS erlaubt das Töten von Ezidinnen und Eziden. Wer dies tut, kommt nach ihrer Auffassung ins Paradies. Mein Volk wurde niedergemetzelt, unsere Frauen und Kinder wurden versklavt und wie ein Stück Vieh auf Märkten verkauft …
Und die Welt schaute regungslos zu!
Bis heute ist mir all dieses unbegreiflich …
Saleh Aldawood
Ich habe in meinem Leben viel erlebt: Armut, Krankheit, den Verlust von lieben Menschen. Ich dachte, Schlimmeres könnte mir nicht mehr widerfahren. Ich konnte nicht ahnen, dass die „schwarze Macht“ mein Leben zerstören wird, dass der IS mir alles nehmen wird, was mir lieb ist! Sogar die Armut war schön in Şengal, wir waren glücklich, lebten in den Tag hinein. Die Luft roch nach Freiheit und Liebe, das Sindschar-Gebirge war magisch, jeden Tag aufs Neue war ich dankbar, dass ich dort leben durfte.
Nun kam der besagte Tag auf uns zu, der schwarze Tag in der Geschichte meines Volkes. Auf offener Straße wurden Menschen enthauptet! Am liebsten hatte es der IS, wenn dabei Kinder und Frauen zuschauten. Eine Enthauptung wurde regelrecht gefeiert, die schwarzen Fahnen wurden aufgerichtet. In Şengal wurde der Durst der Blumen mit dem Blut der Eziden gestillt.
Meine wunderschöne Heimat war nun in den Fängen unserer Feinde.
Saleh Aldawood
3. August 2014. Die Uhr schlug zwei am Morgen, die Dschihadisten des „Islamischen Staats“ (IS) hoben ihre schwarzen Fahnen über unser Dorf Al-Haunania. Mein Blick richtete sich nach Su den. Schwer bewaffnet standen sie vor uns, der Krieg begann. Bis zum Morgengrauen fielen unendlich viele Schüsse und Bomben. Was ich in diesem Moment gefühlt habe, ist unbeschreiblich. Unser Widerstand nahm ab, wir hatten keine Munition mehr. Der IS war einfach zu stark. Ohnmacht machte sich breit, meine größte Angst war: „Was passiert mit unseren Kindern und Frauen?“ Wir mussten eine Entscheidung treffen: entweder sterben oder fliehen. Als Erstes, haben wir Frauen und Kinder mit unseren Fahrzeugen in das Dorf Rambousi gebracht. Auf der Flucht attackierten sie uns mit Waffen, die ich in meinem Leben noch nie gesehen hatte. Ich fing an zu beten; Tausî Melek schützte uns! Wir sind vorerst lebend davon gekommen.
3. August 2014. Die Uhr schlug zwei am Morgen, die Dschihadisten des „Islamischen Staats“ (IS) hoben ihre schwarzen Fahnen über unser Dorf Al-Haunania. Mein Blick richtete sich nach Su den. Schwer bewaffnet standen sie vor uns, der Krieg begann. Bis zum Morgengrauen fielen unendlich viele Schüsse und Bomben. Was ich in diesem Moment gefühlt habe, ist unbeschreiblich. Unser Widerstand nahm ab, wir hatten keine Munition mehr. Der IS war einfach zu stark. Ohnmacht machte sich breit, meine größte Angst war: „Was passiert mit unseren Kindern und Frauen?“ Wir mussten eine Entscheidung treffen: entweder sterben oder fliehen. Als Erstes, haben wir Frauen und Kinder mit unseren Fahrzeugen in das Dorf Rambousi gebracht. Auf der Flucht attackierten sie uns mit Waffen, die ich in meinem Leben noch nie gesehen hatte. Ich fing an zu beten; Tausî Melek schützte uns! Wir sind vorerst lebend davon gekommen.
Saleh Aldawood
Wir waren in dem Dorf Werdie angekommen. Wir schauten uns um, die Straßen waren überfüllt und wir mussten unsere Fahrzeuge stehen lassen. Es gab keinen Ausweg mehr. Gemeinsam, sind wir in der unerträglichen Hitze ins Sindschar-Gebirge geflohen. Der Weg dorthin war sehr lang, er kam mir unendlich vor. Wir hielten uns fünf Stunden im Gebirge auf. Diese Stunden vergingen nicht, sie fühlten sich an wie Jahre. Die Kinder haben nur geweint, sie hatten Hunger und Durst, der Tod lächelte uns ins Gesicht. Plötzlich erreichten uns die Dschihadisten des IS. Sie hatten uns gefunden! Ein Ultimatum wurde uns gesetzt: entweder gehen wir alle zurück nach Werdie oder wir sterben sofort! Aus Verzweiflung sind wir wieder zurückgegangen. Deren Anführer befahl uns, uns um sieben Uhr abends beim Bürgermeister des Dorfes einzufinden. Der Anweisung folgten wir. Der IS rückte ab, weil er sich nach Şengal begab. Dort fing der Genozid an meinem Volk erst an.
Wir waren in dem Dorf Werdie angekommen. Wir schauten uns um, die Straßen waren überfüllt und wir mussten unsere Fahrzeuge stehen lassen. Es gab keinen Ausweg mehr. Gemeinsam, sind wir in der unerträglichen Hitze ins Sindschar-Gebirge geflohen. Der Weg dorthin war sehr lang, er kam mir unendlich vor. Wir hielten uns fünf Stunden im Gebirge auf. Diese Stunden vergingen nicht, sie fühlten sich an wie Jahre. Die Kinder haben nur geweint, sie hatten Hunger und Durst, der Tod lächelte uns ins Gesicht. Plötzlich erreichten uns die Dschihadisten des IS. Sie hatten uns gefunden! Ein Ultimatum wurde uns gesetzt: entweder gehen wir alle zurück nach Werdie oder wir sterben sofort! Aus Verzweiflung sind wir wieder zurückgegangen. Deren Anführer befahl uns, uns um sieben Uhr abends beim Bürgermeister des Dorfes einzufinden. Der Anweisung folgten wir. Der IS rückte ab, weil er sich nach Şengal begab. Dort fing der Genozid an meinem Volk erst an.
Saleh Aldawood
Wir sind zwei Tage in Werdie geblieben. Die Angst war so groß, es kam mir vor, als würde ich ersticken. Die Hilferufe der Frauen und Kinder klingen immer noch in meinen Ohren. Als wir nun endlich die Gewissheit hatten, dass der IS nicht mehr zurückkehren wird, sind wir erneut Richtung Sindschar aufgebrochen, mit der Hoffnung zu überleben. Im Herzen von Sindschar angekommen, habe ich erst das Ausmaß der Katastrophe realisiert. Wohin ich auch schaute, blickte ich in schockierte Gesichter! Was wird nun passieren? Diese Frage konnte mir niemand beantworten. Die Hilflosigkeit war nicht zu ertragen. Tagelang müssten wir ohne Nahrung und Wasser ausharren, sehr viele Menschen starben, denn die Sonne nahm ihnen die letzte Kraft.
Wir sind zwei Tage in Werdie geblieben. Die Angst war so groß, es kam mir vor, als würde ich ersticken. Die Hilferufe der Frauen und Kinder klingen immer noch in meinen Ohren. Als wir nun endlich die Gewissheit hatten, dass der IS nicht mehr zurückkehren wird, sind wir erneut Richtung Sindschar aufgebrochen, mit der Hoffnung zu überleben. Im Herzen von Sindschar angekommen, habe ich erst das Ausmaß der Katastrophe realisiert. Wohin ich auch schaute, blickte ich in schockierte Gesichter! Was wird nun passieren? Diese Frage konnte mir niemand beantworten. Die Hilflosigkeit war nicht zu ertragen. Tagelang müssten wir ohne Nahrung und Wasser ausharren, sehr viele Menschen starben, denn die Sonne nahm ihnen die letzte Kraft.
Saleh Aldawood
Der Irak bot uns ein schreckliches Schauspiel und die Welt schaute kaum hin. So konnte es nicht weitergehen, wir mussten handeln. Wir haben es durch das trockene Gebirge, erschöpft und ausgelaugt bis ins Dorf Kerse geschafft, in dem ein kleiner Bach floss. Wir Männer sind runter zum Bach, um etwas Wasser zu holen. Ungefähr acht Tage sind wir dort geblieben. Abends sind wir in die leerstehenden Häuser gegangen. Wenn wir Glück hatten, haben wir etwas Brot für die Frauen und Kinder gefunden. Die Erlebnisse an diesen Tagen werde ich niemals vergessen! Wenn ich ehrlich bin, hatte ich nicht mehr daran geglaubt, das Ganze zu überleben. Nun lebe ich, jedoch fühlt sich jeder Tag an wie ein schlimmer Albtraum. Das Leid meines Volkes hat immer noch kein Ende.
Der Irak bot uns ein schreckliches Schauspiel und die Welt schaute kaum hin. So konnte es nicht weitergehen, wir mussten handeln. Wir haben es durch das trockene Gebirge, erschöpft und ausgelaugt bis ins Dorf Kerse geschafft, in dem ein kleiner Bach floss. Wir Männer sind runter zum Bach, um etwas Wasser zu holen. Ungefähr acht Tage sind wir dort geblieben. Abends sind wir in die leerstehenden Häuser gegangen. Wenn wir Glück hatten, haben wir etwas Brot für die Frauen und Kinder gefunden. Die Erlebnisse an diesen Tagen werde ich niemals vergessen! Wenn ich ehrlich bin, hatte ich nicht mehr daran geglaubt, das Ganze zu überleben. Nun lebe ich, jedoch fühlt sich jeder Tag an wie ein schlimmer Albtraum. Das Leid meines Volkes hat immer noch kein Ende.
Saleh Aldawood
Unter diesen unmenschlichen Bedingungen wären alle unsere Kinder gestorben. Wir machten uns erneut auf den Weg, dieses Mal nach Syrien. Der Hunger wurde immer stärker und die Ohnmacht schlimmer. Nach zwölf Stunden Fußmarsch sind wir endlich in Syrien angekommen. Ich traute meinen Augen nicht: Von Weitem sah ich die Fahne der Volksverteidigungseinheit der Kurden in Syrien. Die Milizen riefen uns entgegen: „Habt keine Angst Freunde, wir wollen euch helfen.“ Einige unserer Kinder sind in Schockstarre verfällen, sie konnten nicht glauben, dass wir nun in Sicherheit sind. Zwei Stunden konnten wir uns bei ihnen ausruhen, sie gäben uns Nahrung und Wässer. Wir sägten unseren Helfern, dass wir nach Nord Kurdistan wollen. Sie begleiteten uns bis zum großen Fluss zwischen Irak und Syrien.
Unter diesen unmenschlichen Bedingungen wären alle unsere Kinder gestorben. Wir machten uns erneut auf den Weg, dieses Mal nach Syrien. Der Hunger wurde immer stärker und die Ohnmacht schlimmer. Nach zwölf Stunden Fußmarsch sind wir endlich in Syrien angekommen. Ich traute meinen Augen nicht: Von Weitem sah ich die Fahne der Volksverteidigungseinheit der Kurden in Syrien. Die Milizen riefen uns entgegen: „Habt keine Angst Freunde, wir wollen euch helfen.“ Einige unserer Kinder sind in Schockstarre verfällen, sie konnten nicht glauben, dass wir nun in Sicherheit sind. Zwei Stunden konnten wir uns bei ihnen ausruhen, sie gäben uns Nahrung und Wässer. Wir sägten unseren Helfern, dass wir nach Nord Kurdistan wollen. Sie begleiteten uns bis zum großen Fluss zwischen Irak und Syrien.
Saleh Aldawood
Als wir an dem großen Fluss angekommen sind, trafen wir auf Menschen, die unsere Kinder in die Arme nahmen. Sie wollten uns helfen. Vor Freude fing ich an zu weinen, die Hoffnung war doch nicht verloren. Nach einer kleinen Verschnaufpause sind wir über die Brücke weiter nach Dohuk in der autonomen Region Kurdistan im Irak gegangen, anschließend dann nach Xanke. Wenn ich den Weg bis hierhin reflektiere, kann ich es nicht begreifen, wie wir das geschafft haben. Mit eigenem Leibe musste ich zusehen, wie Menschen starben, trotz alledem bin ich stark geblieben.
Als wir an dem großen Fluss angekommen sind, trafen wir auf Menschen, die unsere Kinder in die Arme nahmen. Sie wollten uns helfen. Vor Freude fing ich an zu weinen, die Hoffnung war doch nicht verloren. Nach einer kleinen Verschnaufpause sind wir über die Brücke weiter nach Dohuk in der autonomen Region Kurdistan im Irak gegangen, anschließend dann nach Xanke. Wenn ich den Weg bis hierhin reflektiere, kann ich es nicht begreifen, wie wir das geschafft haben. Mit eigenem Leibe musste ich zusehen, wie Menschen starben, trotz alledem bin ich stark geblieben.
Saleh Aldawood
Als wir an dem großen Fluss angekommen sind, trafen wir auf Menschen, die unsere Kinder in die Arme nahmen. Sie wollten uns helfen. Vor Freude fing ich an zu weinen, die Hoffnung war doch nicht verloren. Nach einer kleinen Verschnaufpause sind wir über die Brücke weiter nach Dohuk in der autonomen Region Kurdistan im Irak gegangen, anschließend dann nach Xanke. Wenn ich den Weg bis hierhin reflektiere, kann ich es nicht begreifen, wie wir das geschafft haben. Mit eigenem Leibe musste ich zusehen, wie Menschen staIn Xanke waren wir erneut drei Tage der prallen Sonne ausgesetzt. Unzählige Menschen haben darauf gewartet, ein Zelt zu bekommen. Am dritten Tag wurde uns dann ein Zelt zugeteilt. Da sich in diesem Camp tausende Menschen aufhielten, waren die hygienischen Bedingungen sehr schlecht, Krankheiten wie Diarrhoe machten sich breit. Die humanitäre Hilfe war sehr dürftig, viele haben gehungert und es gab pro Familie nur eine bestimmte Ration an Nahrung. Diese hat meistens nur für die Kinder gereicht. Hier blieben wir bis zum 1. November 2014.rben, trotz alledem bin ich stark geblieben.
Als wir an dem großen Fluss angekommen sind, trafen wir auf Menschen, die unsere Kinder in die Arme nahmen. Sie wollten uns helfen. Vor Freude fing ich an zu weinen, die Hoffnung war doch nicht verloren. Nach einer kleinen Verschnaufpause sind wir über die Brücke weiter nach Dohuk in der autonomen Region Kurdistan im Irak gegangen, anschließend dann nach Xanke. Wenn ich den Weg bis hierhin reflektiere, kann ich es nicht begreifen, wie wir das geschafft haben. Mit eigenem Leibe musste ich zusehen, wie Menschen staIn Xanke waren wir erneut drei Tage der prallen Sonne ausgesetzt. Unzählige Menschen haben darauf gewartet, ein Zelt zu bekommen. Am dritten Tag wurde uns dann ein Zelt zugeteilt. Da sich in diesem Camp tausende Menschen aufhielten, waren die hygienischen Bedingungen sehr schlecht, Krankheiten wie Diarrhoe machten sich breit. Die humanitäre Hilfe war sehr dürftig, viele haben gehungert und es gab pro Familie nur eine bestimmte Ration an Nahrung. Diese hat meistens nur für die Kinder gereicht. Hier blieben wir bis zum 1. November 2014.rben, trotz alledem bin ich stark geblieben.
Saleh Aldawood
Im November kämpfte auch das Wetter gegen uns. Der Regen überflutete das Camp und die Zelte wurden zerstört. Erneut mussten wir fliehen. Wir haben uns gefragt: „Das, was der IS nicht vollbringen konnte, wird dies nun der Winter übernehmen?“ Wir haben von Freunden gehört, dass es in Xanke ein großes Schulgebäude gibt, dorthin sind wir dann auch gegangen.
Im November kämpfte auch das Wetter gegen uns. Der Regen überflutete das Camp und die Zelte wurden zerstört. Erneut mussten wir fliehen. Wir haben uns gefragt: „Das, was der IS nicht vollbringen konnte, wird dies nun der Winter übernehmen?“ Wir haben von Freunden gehört, dass es in Xanke ein großes Schulgebäude gibt, dorthin sind wir dann auch gegangen.
Saleh Aldawood
In der Kälte und durchnässt durch diesen monsunartigen Regen, ständen wir die ganze Nacht vor verschlossenen Türen. Die Menschen, die im Gebäude waren, haben uns die Türen nicht geöffnet, da sie dachten, wir gehören dem IS an. Irgendwie konnte ich ihre Angst nachvollziehen, obwohl ich zusehen musste, wie die Kinder zitterten und weinten. Erst beim Sonnenaufgang erkannten sie, dass auch wir Eziden auf der Flucht sind und haben uns Zutritt gewährt. Wir sind dort zwanzig Tage geblieben, danach mussten wir alle das Gebäude verlassen, da die Schule anfing. Wir wussten nicht mehr wohin, wir haben um Hilfe gebeten. Ich hätte auch gebettelt, wenn es hätte sein müssen, Hauptsache die Kinder und Frauen wären in Sicherheit gekommen. Die Einheimischen haben uns dann empfohlen, in ein nahegelegenes großes Camp zu gehen.
In der Kälte und durchnässt durch diesen monsunartigen Regen, ständen wir die ganze Nacht vor verschlossenen Türen. Die Menschen, die im Gebäude waren, haben uns die Türen nicht geöffnet, da sie dachten, wir gehören dem IS an. Irgendwie konnte ich ihre Angst nachvollziehen, obwohl ich zusehen musste, wie die Kinder zitterten und weinten. Erst beim Sonnenaufgang erkannten sie, dass auch wir Eziden auf der Flucht sind und haben uns Zutritt gewährt. Wir sind dort zwanzig Tage geblieben, danach mussten wir alle das Gebäude verlassen, da die Schule anfing. Wir wussten nicht mehr wohin, wir haben um Hilfe gebeten. Ich hätte auch gebettelt, wenn es hätte sein müssen, Hauptsache die Kinder und Frauen wären in Sicherheit gekommen. Die Einheimischen haben uns dann empfohlen, in ein nahegelegenes großes Camp zu gehen.
Saleh Aldawood
Der Leiter des Camps kam eines Tages auf mich zu und fragte, ob ich stellvertretend für ihn arbeiten möge. Dieses Angebot nahm ich dankend an. Ich wurde zum Sprachrohr der Flüchtlinge. Zu meinem Aufgabenbereich gehörte es, dafür zu sorgen, dass alle gleichermaßen viele Hilfsgüter erhalten. Eines war mir sehr wichtig, es sollten alle sich gleichberechtigt fühlen. Uns ist nämlich genug Unrecht widerfahren, hier sollten die Menschen zumindest nicht hungern. Nach einer Weile konnte ich nicht mehr. Die Last wurde mir zu viel. Das Leid meiner Mitmenschen war unendlich. Ich konnte meine Gedanken nicht in Worte fassen, denn die Vorstellung daran ließ meinen Körper auf der Stelle vereisen. Um irgendwann wieder ein normales Leben führen zu können, mussten wir uns auf die Reise nach Europa begeben. Europa symbolisierte für mich Gerechtigkeit, Freiheit und Menschlichkeit. Es war mir bewusst, dass die Reise dorthin sehr gefährlich werden wird. Dass habe ich dennoch in Kauf genommen, denn lieber sterbe ich als in diesem Land bleiben zu müssen.
Der Leiter des Camps kam eines Tages auf mich zu und fragte, ob ich stellvertretend für ihn arbeiten möge. Dieses Angebot nahm ich dankend an. Ich wurde zum Sprachrohr der Flüchtlinge. Zu meinem Aufgabenbereich gehörte es, dafür zu sorgen, dass alle gleichermaßen viele Hilfsgüter erhalten. Eines war mir sehr wichtig, es sollten alle sich gleichberechtigt fühlen. Uns ist nämlich genug Unrecht widerfahren, hier sollten die Menschen zumindest nicht hungern. Nach einer Weile konnte ich nicht mehr. Die Last wurde mir zu viel. Das Leid meiner Mitmenschen war unendlich. Ich konnte meine Gedanken nicht in Worte fassen, denn die Vorstellung daran ließ meinen Körper auf der Stelle vereisen. Um irgendwann wieder ein normales Leben führen zu können, mussten wir uns auf die Reise nach Europa begeben. Europa symbolisierte für mich Gerechtigkeit, Freiheit und Menschlichkeit. Es war mir bewusst, dass die Reise dorthin sehr gefährlich werden wird. Dass habe ich dennoch in Kauf genommen, denn lieber sterbe ich als in diesem Land bleiben zu müssen.
Saleh Aldawood
Am 02.12.2014 haben wir das Camp verlassen. Unser nächstes Ziel war zuerst die Türkei. Nachdem wir dort ankamen, brachte man uns nach Istanbul. Uns wurde gesagt, dass wir eine Nacht hier verbringen würden. Die Erschöpfung steckt mir bis heute noch in den Knochen. Am nächsten Tag wurden wir nach Izmir überführt.
Am 02.12.2014 haben wir das Camp verlassen. Unser nächstes Ziel war zuerst die Türkei. Nachdem wir dort ankamen, brachte man uns nach Istanbul. Uns wurde gesagt, dass wir eine Nacht hier verbringen würden. Die Erschöpfung steckt mir bis heute noch in den Knochen. Am nächsten Tag wurden wir nach Izmir überführt.
Saleh Aldawood
Kaum in Izmir angekommen, mussten wir stundenlang in der Dunkelheit laufen. Wir wussten nicht wohin und niemand gab uns eine Antwort darauf. Als wir dann am Meer ankamen, sahen wir zwei unserer Schleuser vor einem kleinen Boot stehen. Sie forderten uns auf, mit diesem Boot das Meer zu überqueren. Das war unmöglich, denn auf dieses Boot hatten höchstens zehn Personen Platz finden können, wir waren jedoch achtzig Menschen! Wir haben uns dagegen entschieden und gingen den gleichen Weg wieder zurück. Als wir an einer Straße ankamen, wartete auf uns eine Überraschung.
Kaum in Izmir angekommen, mussten wir stundenlang in der Dunkelheit laufen. Wir wussten nicht wohin und niemand gab uns eine Antwort darauf. Als wir dann am Meer ankamen, sahen wir zwei unserer Schleuser vor einem kleinen Boot stehen. Sie forderten uns auf, mit diesem Boot das Meer zu überqueren. Das war unmöglich, denn auf dieses Boot hatten höchstens zehn Personen Platz finden können, wir waren jedoch achtzig Menschen! Wir haben uns dagegen entschieden und gingen den gleichen Weg wieder zurück. Als wir an einer Straße ankamen, wartete auf uns eine Überraschung.
Saleh Aldawood
Uns kamen zwei Polizeiautos entgegen. Die Polizisten richteten ihre Waffen auf uns. Schlussendlich nahmen sie uns in Gewahrsam. Sie haben uns gedroht; entweder zahlen wir pro Person zweihundert Euro oder wir bleiben in Gewahrsam. Wir mussten leider dann doch alle unsere Ersparnisse dort lassen.
Uns kamen zwei Polizeiautos entgegen. Die Polizisten richteten ihre Waffen auf uns. Schlussendlich nahmen sie uns in Gewahrsam. Sie haben uns gedroht; entweder zahlen wir pro Person zweihundert Euro oder wir bleiben in Gewahrsam. Wir mussten leider dann doch alle unsere Ersparnisse dort lassen.
Saleh Aldawood
Wir haben einen zweiten Versuch gewagt und sind dann mit dem Boot über das Meer Richtung Griechenland gefahren. Das Boot war auch diesmal sehr klein und sah nicht sicher aus. Wir haben uns sehr langsam über das Wasser bewegt, ich konnte ahnen, dass da etwas nicht richtig läuft. Als ich den Schlepper anschaute, sagte er, dass der Motor den Geist aufgegeben hat. Weit und breit kein Land in Sicht. Panik machte sich breit und die Kinder fingen an zu schreien. Mein erster Gedanke war: „Kaum einer von uns kann schwimmen. Wenn wir kentern, nimmt unsere Reise hier ein Ende.“ Ich konnte nichts tun, meine Hände waren gebunden. Um den Menschen etwas Angst zu nehmen, habe ich ihnen gesagt: „Betet Freunde, betet zu Gott, wenn er uns erhört, dann schaffen wir auch diese Hürde.“ Nach einer Weile kam uns ein großes Boot entgegen, Hilfe war in Sicht, wir wurden gerettet.
Wir haben einen zweiten Versuch gewagt und sind dann mit dem Boot über das Meer Richtung Griechenland gefahren. Das Boot war auch diesmal sehr klein und sah nicht sicher aus. Wir haben uns sehr langsam über das Wasser bewegt, ich konnte ahnen, dass da etwas nicht richtig läuft. Als ich den Schlepper anschaute, sagte er, dass der Motor den Geist aufgegeben hat. Weit und breit kein Land in Sicht. Panik machte sich breit und die Kinder fingen an zu schreien. Mein erster Gedanke war: „Kaum einer von uns kann schwimmen. Wenn wir kentern, nimmt unsere Reise hier ein Ende.“ Ich konnte nichts tun, meine Hände waren gebunden. Um den Menschen etwas Angst zu nehmen, habe ich ihnen gesagt: „Betet Freunde, betet zu Gott, wenn er uns erhört, dann schaffen wir auch diese Hürde.“ Nach einer Weile kam uns ein großes Boot entgegen, Hilfe war in Sicht, wir wurden gerettet.
Saleh Aldawood
In Griechenland angekommen, wurden wir von liebevollen Menschen empfangen. Diese Herzlichkeit tat uns sehr gut. Für einen kleinen Moment haben wir alles vergessen. Wir wurden mit dem Nötigsten versorgt. Eine große Last fiel uns von unseren Schultern und die Erleichterung war den Kindern ins Gesicht geschrieben. Ich nahm einmal ganz tief Luft und es kam mir so vor, als würde ich das erste Mal seit Langem wieder atmen können. Xwede (Gott) und der Engel Tausî Melek haben uns den Weg in ein neues Leben gewährt. Hier kann uns nichts mehr passieren. Nachdem wir uns hier ausruhen konnten, sind wir weiter nach Deutschland gezogen. Dies wurde unsere zweite Heimat, unser neues Zuhause.
In Griechenland angekommen, wurden wir von liebevollen Menschen empfangen. Diese Herzlichkeit tat uns sehr gut. Für einen kleinen Moment haben wir alles vergessen. Wir wurden mit dem Nötigsten versorgt. Eine große Last fiel uns von unseren Schultern und die Erleichterung war den Kindern ins Gesicht geschrieben. Ich nahm einmal ganz tief Luft und es kam mir so vor, als würde ich das erste Mal seit Langem wieder atmen können. Xwede (Gott) und der Engel Tausî Melek haben uns den Weg in ein neues Leben gewährt. Hier kann uns nichts mehr passieren. Nachdem wir uns hier ausruhen konnten, sind wir weiter nach Deutschland gezogen. Dies wurde unsere zweite Heimat, unser neues Zuhause.
Saleh Aldawood
Der IS war erbarmungslos. Die Eziden hatten eine Chance zu überleben wenn sie zum Islam konvertieren würden, ansonsten würden sie auf eine barbarische Art den Tod finden. Die Eziden sind in Massen hingerichtet worden, als wären sie keine Menschen, denn in den Augen des IS sind sie Ungläubige. Die Ideologie des IS erlaubt das Töten von Ezidinnen und Eziden. Wer dies tut, kommt nach ihrer Auffassung ins Paradies. Mein Volk wurde niedergemetzelt, unsere Frauen und Kinder wurden versklavt und wie ein Stück Vieh auf Märkten verkauft …
Und die Welt schaute regungslos zu!
Bis heute ist mir all dieses unbegreiflich …
Der IS war erbarmungslos. Die Eziden hatten eine Chance zu überleben wenn sie zum Islam konvertieren würden, ansonsten würden sie auf eine barbarische Art den Tod finden. Die Eziden sind in Massen hingerichtet worden, als wären sie keine Menschen, denn in den Augen des IS sind sie Ungläubige. Die Ideologie des IS erlaubt das Töten von Ezidinnen und Eziden. Wer dies tut, kommt nach ihrer Auffassung ins Paradies. Mein Volk wurde niedergemetzelt, unsere Frauen und Kinder wurden versklavt und wie ein Stück Vieh auf Märkten verkauft …
Und die Welt schaute regungslos zu!
Bis heute ist mir all dieses unbegreiflich …
Saleh Aldawood
Ich habe in meinem Leben viel erlebt: Armut, Krankheit, den Verlust von lieben Menschen. Ich dachte, Schlimmeres könnte mir nicht mehr widerfahren. Ich konnte nicht ahnen, dass die „schwarze Macht“ mein Leben zerstören wird, dass der IS mir alles nehmen wird, was mir lieb ist! Sogar die Armut war schön in Şengal, wir waren glücklich, lebten in den Tag hinein. Die Luft roch nach Freiheit und Liebe, das Sindschar-Gebirge war magisch, jeden Tag aufs Neue war ich dankbar, dass ich dort leben durfte.
Nun kam der besagte Tag auf uns zu, der schwarze Tag in der Geschichte meines Volkes. Auf offener Straße wurden Menschen enthauptet! Am liebsten hatte es der IS, wenn dabei Kinder und Frauen zuschauten. Eine Enthauptung wurde regelrecht gefeiert, die schwarzen Fahnen wurden aufgerichtet. In Şengal wurde der Durst der Blumen mit dem Blut der Eziden gestillt.
Meine wunderschöne Heimat war nun in den Fängen unserer Feinde.
Ich habe in meinem Leben viel erlebt: Armut, Krankheit, den Verlust von lieben Menschen. Ich dachte, Schlimmeres könnte mir nicht mehr widerfahren. Ich konnte nicht ahnen, dass die „schwarze Macht“ mein Leben zerstören wird, dass der IS mir alles nehmen wird, was mir lieb ist! Sogar die Armut war schön in Şengal, wir waren glücklich, lebten in den Tag hinein. Die Luft roch nach Freiheit und Liebe, das Sindschar-Gebirge war magisch, jeden Tag aufs Neue war ich dankbar, dass ich dort leben durfte.
Nun kam der besagte Tag auf uns zu, der schwarze Tag in der Geschichte meines Volkes. Auf offener Straße wurden Menschen enthauptet! Am liebsten hatte es der IS, wenn dabei Kinder und Frauen zuschauten. Eine Enthauptung wurde regelrecht gefeiert, die schwarzen Fahnen wurden aufgerichtet. In Şengal wurde der Durst der Blumen mit dem Blut der Eziden gestillt.
Meine wunderschöne Heimat war nun in den Fängen unserer Feinde.
Saleh Aldawood
Im Wintersemester 2025/2026 startete der neue Masterstudiengang Public History an der Universität Hamburg in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg.
Die BRICS-Staatengruppe hat sich zu einem der prägendsten Akteure der globalen Neuordnung entwickelt. Diese Veranstaltungsreihe beleuchtet die Vielschichtigkeit dieses Bündnisses, das durch die jüngste Erweiterung zu BRICS+ mehr denn je als vereinte Stimme des Globalen Südens auftritt.