Fünfte Veranstaltung der fünfteiligen Veranstaltungsreihe zur globalen Neuvermessung
BRICS: ARCHITEKTEN EINER NEUEN WELTORDNUNG?
Vom belächelten Verbund zum geopolitischen Machtzentrum
Rasantes Wirtschaftswachstum, steigende Emissionen und der weltweite Wettlauf um Ressourcen – die BRICS-Staaten stehen wie kaum eine andere Ländergruppe im Spannungsfeld zwischen ökologischer Verantwortung und ökonomischer Dynamik. Das rasche Wirtschaftswachstum hat einen erheblichen Anstieg der Energie- und Rohstoffnutzung und damit der Emissionen zur Folge. Die Aufnahme von neuen Mitgliedern, insbesondere von großen Produzenten fossiler Brennstoffe wie Iran und den VAE, verstärkt die Rolle der Gruppe als „Rohstoff-Supermacht“. Mit einem Anteil von über 40 Prozent an den globalen CO₂-Emissionen und einer wachsenden Rolle als „Rohstoff-Supermacht“ prägen sie zunehmend die internationale Nachhaltigkeitsagenda.
Die Nachhaltigkeitsagenda der BRICS-Mitgliedsstaaten ist von einem grundlegenden Zielkonflikt geprägt. Die Gruppe kann nicht gleichzeitig eine "Rohstoff-Supermacht" bleiben und ihren globalen Emissionsanteil signifikant senken, ohne ihr Wachstumsmodell grundlegend zu ändern. Ihre Klimadiplomatie ist daher ein strategischer Versuch, diesen Konflikt zu externalisieren, indem sie von den Industrieländern Klimafinanzierung, Technologie-Transfer und Kapazitätsaufbau fordert. Die BRICS-Länder haben sich auf Umweltziele wie städtisches Umweltmanagement und Biodiversität geeinigt und unterstreichen die Notwendigkeit von grünen Innovationen.
Die Umwelt- und Klimapolitik der BRICS ist daher mehr als nur Umweltschutz – sie ist ein zentraler Bestandteil ihrer geopolitischen Strategie. Brasilien nutzt beispielsweise seinen BRICS-Vorsitz und die bevorstehende COP30, um sich als globaler Führer im Klimaschutz zu positionieren. Durch die Fokussierung auf Klimagerechtigkeit verlagern die BRICS die globale Diskussion weg von der historischen "Schuldfrage" der Emissionen hin zur Frage der "Gerechtigkeit" und der "Finanzierung". Dies ermöglicht es ihnen, ihre Rolle in der internationalen Diplomatie zu stärken und die traditionelle G7-Agenda zu diversifizieren.
Welche politischen Strategien verfolgen die BRICS, um Wachstum und Klimaschutz in Einklang zu bringen? Wie verändert die Aufnahme neuer ressourcenstarker Mitglieder wie Iran und der VAE die globale Machtbalance? Und welche Chancen ergeben sich aus ihrem wachsenden Fokus auf Klimagerechtigkeit, Biodiversität und grüne Innovationen – auch im Hinblick auf die Entwicklung einer globalen Bioökonomie?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Nachhaltigkeit – Globale Verantwortung und der Weg zur Bioökonomie“. Gemeinsam beleuchten wir die geopolitischen Dimensionen der BRICS-Nachhaltigkeitspolitik, die Rolle großer Schwellenländer auf dem Weg zu klimafreundlichen Wirtschaftsmodellen sowie Perspektiven für eine gerechtere internationale Zusammenarbeit.
Eine Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem GIGA-Institut Hamburg.
Teilnehmer:innen
- Dr. Melanie Müller - Stiftung Wissenschaft und Politik
- Dr. Jan Wilkens - GIGA Hamburg
Moderation: André Schünke (NDR)
Verantwortlich: Dr. Matthias Greite