Am 27. Januar, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust, wird in Hamburg traditionell der BERTINI-Preis für Zivilcourage verliehen. Der mit jährlich insgesamt 10.000 Euro dotierte Preis würdigt Jugendliche, die in besonderer Art und Weise Erinnerungsarbeit im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus leisten. Am vergangenen Montag wurden im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Ernst-Deutsch-Theater 66 junge Menschen ausgezeichnet, die sich 2024 in sechs Projekten gegen Unrecht, Ausgrenzung oder Gewalt engagiert haben. Das Motto des Preises ist seit mittlerweile 27 Jahren gleichgeblieben: Sich einmischen, wenn andere schweigen – das haben alle Ausgezeichneten beherzigt.
Um den Preis beworben hatten sich sieben Gymnasien, zwölf Stadtteilschulen, eine Campusschule und eine berufliche Schule sowie zwei Jugendorganisationen, zwei Sportvereine sowie zwei junge Erwachsene. Das sind die Preisträger-Projekte: Für ihr Projekt „5. Stolperstein in Eidelstedt“ arbeiteten Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schule Eidelstedt über ein Jahr lang daran, das Schicksal eines Mädchens aus Eidelstedt zu erforschen, das wegen seiner Behinderung im Rahmen des Euthanasie-Programms der Nazis ermordet wurde. Durch ihren Einsatz wurde die Schule Patin für einen Stolperstein.
Die Theaterperformance „Romplay“ der Stadtteilschule am Hafen setzt sich mit den Erfahrungen der Roma-Community sowie der strukturellen Diskriminierung von Roma in Deutschland auseinander. Die Mitglieder des Ensembles sind junge Roma im Alter von 14 bis 21 Jahren aus Hamburg, die mit ihren Performances Forderungen an Gesellschaft und Politik formulieren. Das „Building Bridges Tournament“ der U18-Basketballmannschaft „Wildcats“ des Niendorfer Turn- und Sportvereins (NTSV) ist ein Event, das jedes Jahr ein starkes Zeichen gegen Rassismus, Unrecht und Ausgrenzung setzt.
Eine weitere Auszeichnung ging an das neu erstellte Mahnmal „Die Kinder vom Bullenhuser Damm“, das im Januar von der Vielfalt-AG auf dem Schulgelände der Brecht-Schule Hamburg eingeweiht wurde. Es erinnert an die 20 Kinder, die während der Shoah im nahegelegenen Bullenhuser Damm ermordet wurden. Die „Stolpersteine in Blankenese“ sind ein Projekt von zwei Geschwistern aus Blankenese, die eine Bewegung ins Leben gerufen haben, die den 9. November als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus im Stadtteil etabliert hat. Seit 2021 werden an diesem Tag alle 32 Stolpersteine im Stadtteil gepflegt und geschmückt, was nicht nur die Erinnerung wachhält, sondern auch zu einem aktiven Widerstand gegen Antisemitismus und Ausgrenzung aufruft.
„Zusammenhalt zählt - Gemeinsam Obdachlosigkeit sichtbar machen“ ist ein Projekt von Schülerinnen und Schülern der Julius-Leber-Schule. Der gesamte 10. Jahrgang setzte sich intensiv mit dem Buch „Unter Palmen aus Stahl“ von Dominik Bloh auseinander, das die Erfahrungen eines jugendlichen Obdachlosen in Hamburg schildert. Mit unterschiedlichen Aktionen, darunter eine Spendenaktion, bei der 3.000 Euro für Thermosocken zusammenkamen, machten die Jugendlichen auf Obdachlosigkeit aufmerksam mit dem Ziel, die Hilfsbereitschaft aufrechtzuerhalten. Herzlichen Glückwunsch allen Ausgezeichneten!
Seit der ersten Preisverleihung im Jahr 1998 wurden in Hamburg rund 2.300 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 24 Jahren ausgezeichnet. Benannt wurde der Preis nach dem Roman „Die Bertinis“, in dem der Hamburger Schriftsteller und Publizist Ralph Giordano das Schicksal seiner Familie während der NS-Zeit schildert. Daran anknüpfend will der BERTINI-Preis Projekte fördern, die sich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen einsetzen und Spuren vergangener Unmenschlichkeit sichtbar machen.