Am 27. Januar, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust, wird in Hamburg traditionell der BERTINI-Preis für Zivilcourage verliehen. Der mit jährlich insgesamt 10.000 Euro dotierte Preis würdigt Jugendliche, die in besonderer Art und Weise Erinnerungsarbeit im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus leisten. Am vergangenen Montag wurden im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Ernst Deutsch Theater 126 junge Menschen ausgezeichnet, die sich 2025 in sechs Projekten gegen Unrecht, Ausgrenzung oder Gewalt engagiert haben. Das Motto des Preises ist seit mittlerweile 28 Jahren gleichgeblieben: Sich einmischen, wenn andere schweigen – das haben alle Ausgezeichneten beherzigt.
Um den Preis beworben hatten sich insgesamt 19 Projekte, darunter Schülerinnen und Schüler aus neun Stadtteilschulen, sieben Gymnasien, einer beruflichen Schule sowie junge Menschen aus einem Theaterprojekt und zwei Studierende. Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer, die im jährlichen Wechsel mit Bildungssenatorin Ksenija Bekeris die Eröffnungsrede hält, verglich Zivilcourage mit einem Muskel, der stetig trainiert werden müsse. „Denn Demokratie schützt sich nicht von selbst, sie muss immer wieder verteidigt werden“, so die Senatorin, „in der Schule, in der Freizeit, überall.“ Und appellierte insbesondere an die zahlreichen jungen Gäste im Saal: „Bleibt unbequem!“ Eine Eigenschaft, die bei den 126 Ausgezeichneten und sicher auch bei den Mitbewerberinnen und Mitbewerbern vorausgesetzt werden dürfte.
Der BERTINI-Preis 2025 ging an diese sechs Projekte: Die Klasse 8d der Otto-Hahn-Schule entwickelte das eindrucksvolle Theaterprojekt „Nie wieder!“, das dazu aufruft, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv gegen Rechtsextremismus und Intoleranz zu stellen. Die Theaterkurse des 12. und 13. Jahrgangs der Stadtteilschule Bramfeld setzen sich in ihrem Stück „…weil ich NEIN sagte“ mit dem Thema Gewalt gegen Frauen auseinander. Die Schulgemeinschaft des Friedrich-Ebert-Gymnasiums feierte die „Feste der Demokratie“ und positionierte sich anlässlich einer AfD-Wahlkampfveranstaltung in der Friedrich-Ebert-Halle gegen Extremismus und für eine offene, vielfältige Gesellschaft.
Die AG „Jüdische Biografien“ des Helene-Lange-Gymnasiums hat die Lebenswege der rund 300 jüdischen Schülerinnen, die zwischen 1910 und 1934 das Helene-Lange-Gymnasium besuchten, erforscht. Aus der Projektarbeit entstand die Verlegung von 27 Stolpersteinen vor dem Gymnasium. Die berufliche Schule BS02 führte einen Aktionsmonat zur temporären Schulumbenennung zu „Julius Hirsch Schule“ durch. Im Rahmen des Projekts setzten sich 21 Klassen mit Themen wie Demokratie, Menschenrechte, Antifaschismus und Erinnerungskultur auseinander. Basierend auf dem Spiel „Secret Hitler“ hat das Theaterprofil Jahrgang 12 der Stadtteilschule Blankenese die Gameshow „Wer die Wahl hat“ zur Demokratieförderung entwickelt, die interaktiv mit ihrem Publikum ist und deren Ausgang jedes Mal anders sein kann.
Seit der ersten Preisverleihung im Jahr 1998 wurden in Hamburg rund 2.400 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 24 Jahren ausgezeichnet. Benannt wurde der Preis nach dem Roman „Die Bertinis“, in dem der Hamburger Schriftsteller und Publizist Ralph Giordano das Schicksal seiner Familie während der NS-Zeit schildert. Daran anknüpfend will der BERTINI-Preis Projekte fördern, die sich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen einsetzen und Spuren vergangener Unmenschlichkeit sichtbar machen.