Autor der „Täterprofile“

Dr. Hans-Peter de Lorent erhält Bundesverdienstorden

17. November 2025 Pressemitteilung

Senatorin Ksenija Bekeris überreichte dem Historiker, Pädagogen und Publizisten die Ehrung im Rathaus.

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Dr. Hans-Peter de Lorent und Bildungssenatorin Ksenija Bekeris bei der Verleihung des Bundesverdienstordens im Hamburger Rathaus
Dr. Hans-Peter de Lorent und Bildungssenatorin Ksenija Bekeris bei der Verleihung des Bundesverdienstordens im Hamburger Rathaus BSFB / Philine Hamann

Der Historiker, Pädagoge und Publizist Dr. Hans-Peter de Lorent ist für sein langjähriges, außergewöhnliches Engagement vom Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet worden. Er erhielt die Ehrung für seine Forschung zu Geschichte und Rolle von Hamburger Pädagog:innen in der Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit, insbesondere im Rahmen seiner Veröffentlichungen der Biografiebände „Täterprofile“.

Für seine herausragenden Verdienste in der geschichtswissenschaftlichen Forschung und Aufarbeitung der NS-Zeit überreichte Bildungssenatorin Ksenija Bekeris heute im Hamburger Rathaus Dr. Hans-Peter de Lorent das Verdienstkreuz am Bande.

Bildungssenatorin Bekeris: „Wir ehren ein Lebenswerk gegen das Vergessen. Ich gratuliere Herrn Dr. de Lorent von Herzen zu dieser hochverdienten Auszeichnung. Mit seiner historischen Pionierarbeit hat er die Geschichte des Hamburgischen Schulwesens und der Schulen in der NS-Zeit sowie die personelle Kontinuität weit darüber hinaus aufgearbeitet. Dafür sind wir ihm als Stadtgesellschaft zu großem Dank verpflichtet. Wir ehren heute ein Lebenswerk, das sich über vier Jahrzehnte erstreckt. Jahrzehnte, in denen Herr de Lorent sich unbeirrt, konsequent und mit beeindruckender wissenschaftlicher Tiefe der Aufarbeitung der Hamburger Schul- und Bildungsgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus gewidmet hat. Er hat dies mit großer persönlicher Integrität, mit Leidenschaft und mit einer Klarheit getan. Dabei war diese Klarheit nicht immer bequem – und wollte es gar nicht sein.“

Bekeris weiter: „Herr de Lorent hat mit seiner geschichtswissenschaftlichen Forschung und der daraus resultierenden publizistischen Tätigkeit einen wertvollen und umfangreichen Beitrag zur regionalen Aufarbeitung der NS-Zeit und der Hamburgischen Geschichte geleistet. Wegen des herausragenden und bedeutenden Engagements von Herrn Dr. de Lorent erhält er daher am heutigen Tage, das Verdienstkreuz am Bande. Seine Jahrzehntelange Arbeit als Autor der drei Bände „Täterprofile“ ist außergewöhnlich und bemerkenswert. Sie geben zu insgesamt 180 NS-Täterbiografien vom Hausmeister bis zum Schulsenator Aufschluss über NS-Täter im Hamburger Bildungswesen. Diese Arbeit war und ist bundesweit einzigartig. Es werden über 1945 hinaus auch die personelle Kontinuität der handelnden Akteure im Hamburgischen Schulwesen sowie die gesellschaftlichen Verdrängungs- und Vertuschungsmechanismen herausgearbeitet.“

Dr. Hans-Peter de Lorent: „Ich bedanke mich herzlich für die mir verliehene Auszeichnung. Dieser Tag ist für mich vor einigen Jahren nicht unbedingt zu erwarten gewesen, er zeigt mir und anderen, dass sich doch im Laufe der Zeit einiges entwickelt und verändert hat. Der Nationalsozialismus und die begrenzte Aufarbeitung nicht nur in der Schule war für meine Generation ein bedeutsames Sozialisations-Thema. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, die in der Schule in der Nachkriegszeit und bis in die 1970er Jahre nur begrenzt stattfand, war bei mir früh angelegt und hat mich bis heute nicht verlassen.“

Die Verleihung des Bundesverdienstordens stellt die höchste Anerkennung dar, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl vergibt. Sie würdigt das außergewöhnliche Engagement von Dr. de Lorent und bringt die Wertschätzung der Gesellschaft für seine herausragenden Leistungen zum Ausdruck.

Zur Person

Hans-Peter de Lorent, Jg. 1949, Dr. phil., Lehrer, Hauptseminarleiter und Leitender Oberschulrat im Hamburger Bildungswesen bis 2014, von 1990 bis 1996 GEW-Vorsitzender in Hamburg, danach Bürgerschaftsabgeordneter; Bildungsforscher und Autor wissenschaftlicher sowie belletristischer Literatur, Trainer und Coach für Führungskräfte und Führungskräfte-Nachwuchs.

Nach dem Referendariat 1973/74 arbeitete de Lorent als Volks- und Realschullehrer, davon 10 Jahre an der ersten Ganztagsschule in einem sozialen Brennpunkt in Hamburg. Er schrieb 1990 eine Dissertation zum Thema Geschichte der Selbstverwaltung der Schulen. Seit 1996 war er Hauptseminarleiter am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) in Hamburg. Neben der Lehrerausbildung befasste er sich mit Fortbildungen für Leitungskräfte in Schule und Schulverwaltung zu den Themen Teammanagement, Projektmanagement und Führung sowie der Ausbildung von Schulinspektoren für Hamburger Schulen. Von 2008 bis zu seiner Pensionierung 2014 war er Leitender Oberschulrat und Abteilungsleiter der Hamburger Schulbehörde.

Er ist Autor und Herausgeber von mehreren Publikationen und verfasste zahlreiche Aufsätze in pädagogischen Zeitschriften und Büchern zu pädagogischen und schulreformerischen Themen. 1980 erschien sein Roman „Die Hexenjagd“. Wegen dieses Romans, in dem die Berufsverbotepraxis aus der Sicht eines betroffenen Lehrers sehr hautnah beschrieben wurde, erfolgte ein Prozess, den de Lorent in zwei Instanzen gewann.

In seinem Buch „Täterprofile“ hatte de Lorent den ehemaligen Hamburger NS-Senator Oscar Toepffer vorgestellt. Eine Enkelin von Toepffer klagte gegen das Erscheinen der Biografie und berief sich auf einen „postmortalen Urheberrechtsschutz“. Im September 2024 entschied das Hanseatische Oberlandesgericht nach sechs Jahren juristischer Auseinandersetzung in letzter Instanz: Sämtliche Originalquellen und Zitate Toepffers dürfen weiterverwendet und damit der Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Zum Beschluss des OLG zu „Täterprofile“: Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts - hamburg.de

Sechs Jahre hatten die Schulbehörde, die Landeszentrale für politischen Bildung und Autor Dr. Hans-Peter de Lorent vor Gericht darum gekämpft, das „Täterprofil“ des früheren Hamburger Justizsenators und NSDAP-Mitglieds Oscar Toepffer weiterhin im vollen Umfang veröffentlichen zu dürfen. Das Portrait Toepffers, der zwischen 1940 und Mai 1941 vertretungsweise für NS-Schulsenator Karl Witt die Hamburger Schulbehörde leitete und damit wesentlichen Einfluss auf das Schulwesen hatte, erscheint im zweiten von drei Bänden der „Täterprofile – die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz“, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung (als Teil der Behörde für Schule und Berufsbildung). Geklagt hatte 2018 eine Enkelin Toepffers, die in der Veröffentlichung das Urheberrecht ihres Großvaters verletzt sah und zudem das „Recht auf Vergessen“ einforderte.

Der Nachfahrin Toepffers ging es nach Einschätzung beobachtender Medien in erster Linie darum zu verhindern, dass der Name ihres Großvaters im Zusammenhang mit dem wohl dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte gebracht werde. Der Autor der drei Bände, Dr. Hans-Peter de Lorent, hatte für sein Portrait des Nationalsozialisten auch Quellen wie Tagebücher und private Korrespondenzen Toepffers verwendet, insbesondere auch um ein differenziertes Bild Toepffers zu zeichnen und den Leserinnen und Lesern einen direkten Einblick darin zu ermöglichen, wie der Top-Jurist die NS-Zeit über mehrere Jahre beschrieb und bewertete. 

Einsicht und Erlaubnis zur Veröffentlichung von Tagebucheinträgen und Ausschnitten aus Briefen zwischen Toepffer und seiner Frau hatte de Lorent von einer inzwischen verstorbenen Tochter Toepffers erhalten. In erster Instanz erhielten die Herausgeberinnen vom Landgericht Hamburg die Auflage, große Teile der verwendeten Originalquellen zu löschen. Gegen das Urteil hatten Schulbehörde (mit Rückendeckung des Senats), Landeszentrale für politische Bildung und de Lorent Berufung beim Oberlandesgericht eingelegt und hatten 2024 letztinstanzlich Recht bekommen. Einzige Auflage bleibt die Löschung eines Familienfotos Toepffers in diesem Band.

Veröffentlichungen (Auswahl): 

  • Die Hexenjagd. Roman. 1980
  • Schulalltag unterm Hakenkreuz. als Hrsg. mit Reiner Lehberger, mit einem Geleitwort von Klaus von Dohnanyi. 1986.
  • Täterprofile: Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz (3 Bände), 2016, 2017 und 20219.
  • Max Traeger. Biografie des ersten Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (1887–1960), 2017
  • Erich Frister. Biografie des Vorsitzenden der GEW, 2021
  • Goebbels' Schatten. Die Naumann-Verschwörung. Ein Tatsachenroman. 2025.

 

Rückfragen der Medien

Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung
Peter Albrecht | Pressesprecher
Telefon: 040 42863 2003
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