Zum Weltalphabetisierungstag am 8. September

Grundbildung schafft Perspektiven – Fachtag bringt Expertinnen und Experten zusammen

07. September 2026 Pressemitteilung

Alphabetisierung und Grundbildung stehen im Fokus für mehr Teilhabe. In Deutschland leben rund 6,2 Millionen Erwachsene mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen. Die zu fördernden Kompetenzen eröffnen für viele Lebensbereiche neue Chancen – von der Arbeit über Behördengänge bis hin zur politischen Beteiligung.

  • Schule, Familie und Berufsbildung

Vor diesem Hintergrund laden die Hamburger Volkshochschule (VHS) und der Arbeitsbereich Erwachsenenbildung und Lebenslanges Lernen der Universität Hamburg am 8. September 2026 zu einem gemeinsamen Fachtag ein, der Wissenschaft und die Grundbildungspraxis miteinander ins Gespräch bringt. „Grundbildung gelingt nur gemeinsam“, sind sich Prof. Dr. Anke Grotlüschen (Uni Hamburg) und Uwe Grieger (Direktor Hamburger VHS) einig und somit soll der Fachtag Expertinnen und Experten vernetzen, Wissen bündeln und neue Impulse für eine bedarfsgerechte Unterstützung geben. Prof. Dr. Claus Krieger, Dekan der Fakultät Erziehungswissenschaften der Uni Hamburg, eröffnet die Tagung mit einem Grußwort. Mit den Gästen Gudrun Steeger (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Lisa Kern (MdHB, DIE GRÜNEN Hamburg) und Christine Biskamp (KOM gGmbH) wird Uwe Grieger auf einem abschließenden Podium die Perspektiven für die Grundbildung diskutieren. Der Fachtag wird in dieser Form in Hamburg zum dritten Mal durchgeführt und die Veranstalter:innen setzen sich für die Fortsetzung der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (Alphadekade, 2016-2026) von Bund, Ländern und Kommunen ein. Diese wird auch Thema der Podiumsdiskussion sein.

Uwe Grieger, Direktor Hamburger Volkshochschule: „Grundbildung – wie die Erwachsenenbildung insgesamt – ist in unserer sich schnell verändernden Welt von besonderer Bedeutung. Der Veränderungsdruck ist für die Menschen groß. Bildung hilft, um mit diesen Veränderungen klarzukommen und Teilhabe zu ermöglichen. Zugang und Angebote zum lebensbegleitenden Lernen eröffnen den Menschen neue Perspektiven, schaffen Verständnis und erhöhen die Resilienz der Gesellschaft. So geht die Grundbildung über die – angesichts sinkender Lesekompetenz – dringend notwendige klassische Alphabetisierung hinaus. Wir müssen digitale Kompetenzen, politische Grundbildung und einen verlässlichen Zugang zu Informationen vermitteln für mehr Chancengleichheit, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe.“

Prof. Dr. Anke Grotlüschen (Universität Hamburg): „Die internationalen Studien zeigen überraschenderweise einen Rückgang der Kompetenzen in vielen Ländern. Die Zeit der Bildungsexpansion scheint vorbei zu sein. Das können sich wissensbasierte Ökonomien aber nicht leisten und in Zeiten von Fake News ist eine nachlassende Lesekompetenz hochproblematisch. Für Deutschland hat die OECD langfristige und differenzierte Programme empfohlen, weil geringe Literalität hierzulande besonders tief in den Knochen steckt – wer nicht gut lesen kann, hat einen weiten Weg bis zur vollen Teilhabe. Hier braucht es wirklich strategisches und abgestimmtes Engagement der Politik“.

Im Mittelpunkt des Fachtags stehen drei Themenfelder:

  • Finanzielle Praktiken bei Migrant:innen – wie gestalten Menschen mit unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Hintergründen ihren finanziellen Alltag? Welche Unterstützungsangebote fördern finanzielle Handlungsfähigkeit und Teilhabe?
  • Digitale Praktiken bei geringer Literalität – welche digitalen Strategien entwickeln Menschen mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen? Welche Chancen und Barrieren entstehen durch die zunehmende Digitalisierung des Alltags?
  • Perspektiven für die Grundbildung – Welche Erkenntnisse ergeben sich für Bildungsangebote, Beratung und politische Rahmenbedingungen? Wie kann Grundbildung zukunftsfähig gestaltet werden?

Thema: „Perspektiven durch Literalität“
Termin: 8.9.2026, 9:30 bis 16:00 Uhr
Ort: Universität Hamburg, Von-Melle-Park 8, 21046 Hamburg, Raum 05

Veranstalter:innen: Prof. Dr. Anke Grotlüschen vom Arbeitsbereich Lebenslanges Lernen der Universität Hamburg, Uwe Grieger, Direktor der Hamburger Volkshochschule, Mirella Nolte, Koordinierungsstelle Grundbildung & Alphabetisierung Hamburg.

Jüngste Studie

Die OECD hat am 1. Juli 2026 eine vertiefende Analyse* ihrer Erwachsenen-Kompetenzstudie veröffentlicht. Deutschland wird darin als Land mit „tiefsitzendem Defizit“ bezeichnet, weil es hier viele Menschen gibt, die nicht einmal die Kompetenzstufe Eins erreichen, sondern darunter feststecken. Außerdem zeigt die OECD, dass sich manche große Mühe beim Lesen geben, so dass sie leider sehr langsam sind. Andere lesen schnell und flüchtig, machen dabei aber Fehler. Diese und andere neuen Forschungsergebnisse der OECD werden auf der Tagung erklärt. Gemeinsam wird diskutiert, welche didaktischen und bildungspolitischen Schlüsse daraus zu ziehen sind.

Aktionen rund um den Weltalphabetisierungstag

Rund um den Weltalphabetisierungstag finden im Quarree Wandsbek-Markt, in der Zentralbibliothek am Hühnerposten und im Tibarg-Center in Niendorf Aktionen rund um die Themen Lesen, Schreiben und Grundbildung statt. Die Veranstaltungen bieten Informationen und Beratung zu Unterstützungs- und Lernangeboten sowie Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit Menschen, die selbst Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. Alle Angebote sind kostenlos.

Termine und Orte: www.grundbildung-hh.de

Hamburger Koordinierungsstelle Grundbildung & Alphabetisierung

2024 hat Bildungssenatorin Ksenija Bekeris die Koordinierungsstelle Grundbildung & Alphabetisierung Hamburg gegründet und Mirella Nolte als Leitung eingesetzt, die sich für eine umfassende und adressatengerechte Angebotsstruktur einsetzt sowie den Austausch und die Vernetzung zwischen den Grundbildungsakteuren fördert.

Die Hamburger Volkshochschule ist der größte Anbieter von Grundbildungskursen in der Hansestadt und bietet seit mehr als 30 Jahren rund 80 Kurse jährlich im Grundbildungsbereich an. Dazu gehören rund 65 Kurse in Lesen und Schreiben, Lerncafés sowie ergänzende Angebote in Rechnen, Grammatik und Rechtschreibung für jährlich rund 500 Teilnehmende. Einen besonderen Schwerpunkt bildet der Teilbereich „Lernen mit Behinderungen“, in dem rund 15 Kurse pro Jahr durchgeführt werden. Die Lese- und Schreibkurse der Hamburger Volkshochschule sind dauerhaft angelegt und für Teilnehmende kostenfrei.

*Quelle: https://www.oecd.org/en/publications/navigating-life-with-low-literacy-and-numeracy_c198a20f-en.html

Rückfragen der Medien
Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung
Pressestelle
Telefon: 040 42863 2003
E-Mail: pressestelle@bsfb.hamburg.de
Internet: www.hamburg.de/bsfb
Instagram: @schulbehoerde

Hamburger Volkshochschule
Dorothea Olbertz | Pressestelle
Telefon: 040 60929 5111
E-Mail: d.olbertz@vhs-hamburg.de 
Instagram: @vhshamburg
Internet: www.vhs-hamburg.de

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