Die Hamburger Bürgerschaft hatte Ende Mai 2024 die Ausarbeitung einer Hamburger Ernährungsstrategie beschlossen. Bis zum Jahresende ist der Senat nun aufgefordert, der Bürgerschaft Eckpunkte für eine Strategie vorzulegen. Auf dieser Grundlage soll perspektivisch mit Beteiligung der Zivilgesellschaft sowie Unternehmen und Verbänden eine umfassende behördenübergreifende Ernährungsstrategie für Hamburg entwickelt werden – gestützt auf die Ernährungsstrategie des Bundes und unter Berücksichtigung der Empfehlungen des „Bürgerrats Ernährung“.
Die Federführung für die Erstellung der Strategie liegt beim Amt für Agrarwirtschaft in der BUKEA, das jetzt mit dem „Ersten Hamburger Ernährungstag“ den Startschuss für den Prozess gegeben hat. Über 80 Teilnehmende aus den Bereichen Agrarwirtschaft, Verarbeitung, Catering, Ernährungsbildung, Politik, Behörden und sonstigen Institutionen waren der Einladung der BUKEA gefolgt, auf Gut Karlshöhe gemeinsam erste Grundlagen zu erarbeiten.
Jens Kerstan, Senator für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, sagte in seiner Begrüßung: „Wie können wir die Hamburgerinnen und Hamburger überzeugen, nachhaltiger und damit gesünder zu essen? Wie bleiben Lebensmittel auch für Menschen mit knappem Budget bezahlbar, bieten aber der Landwirtschaft vernünftige Zukunftsperspektiven? Kurz: Wie verbinden wir die Ernährungs- mit der Agrarwende? Das sind wichtige Fragen, die uns beim Thema Ernährungsstrategie bewegen und für die wir gemeinsam mit Ihnen in einem länger angelegten Prozess Antworten finden wollen. Jeder und jede soll frei entscheiden, wie er oder sie sich ernährt. Aber alle sollten die Chance haben, sich gut zu ernähren und hier können wir auch politisch viel bewegen – allein schon, wenn wir gemeinsam gute Angebote schaffen und für mehr Ernährungsbildung sorgen.“
Mit der Ernährungsstrategie soll in der öffentlichen Außer-Haus-Verpflegung (AHV) wie in Kitas, Schulen, städtischen Kantinen oder Krankenhäusern der Anteil regional-biologisch erzeugter Lebensmittel deutlich ansteigen. Ziel ist, den Anteil bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen. Dafür muss zunächst eine auf Hamburg zugeschnittene Strategie unter Beteiligung der Erzeuger, Verarbeiter und der Zivilgesellschaft entwickelt werden. Gleichzeitig soll bereits im kommenden Jahr mit Schulungen bei öffentlichen Außer-Haus-Verpflegern, auf die die Stadt Einfluss nehmen kann (zum Beispiel Betriebskantinen, Mensen, Schulen, Kitas oder Pflegeheime) begonnen werden.
Da passte es ganz gut, dass beim Ersten Ernährungstag nicht nur zahlreiche Best-Practice-Beispiele zur Sprache kamen, sondern ein besonders gelungenes Projekt auch ausgezeichnet wurde: Senator Kerstan verlieh Kinderwelt Hamburg das neue staatliche Bio-Zertifikat in Gold für Außer-Haus-Verpflegung, die höchste Kategorie dieses neuen Labels. Als erstes Unternehmen in der Freien und Hansestadt hat Kinderwelt Hamburg diese Auszeichnung für einen Bio-Anteil von 100 Prozent für seine Speisen erhalten. „Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung“, erklärte Jörg Brettschneider, Geschäftsführer von Kinderwelt Hamburg. „Für uns ist das goldene Bio-Label auch eine Bestätigung unserer Arbeit. Und es hilft sichtbar zu machen, wofür wir seit Jahrzehnten stehen.“ Kinderwelt Hamburg betreibt bereits seit 2003 eigene Bio-Küchen und versorgt heute rund 8.500 Kita- und Schulkinder in der Stadt mit frisch zubereiteten – und bezahlbaren Bio-Mahlzeiten. „Die höheren Kosten beim Wareneinsatz nehmen wir dafür gern in Kauf“, sagt Küchendirektor Volker Jahr, der seit über 20 Jahren für die Mahlzeiten bei Kinderwelt Hamburg verantwortlich zeichnet. Sein Team kaufe möglichst regional und saisonal ein und achte penibel darauf, so wenig Lebensmittel wie möglich wegzuschmeißen.
Das neue staatliche Bio-Zertifikat wird Betrieben der AHV verliehen, wie Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung, Gastronomie und Hotellerie, die zertifizierte Bio-Produkte aus den Kategorien Zutaten (gemäß § 2 Nr.4 Bio-AHVV) und Erzeugnisse (gemäß § 2 Nr. 5 Bio-AHVV) weiterverarbeiten und anbieten und deren Verwendung kennzeichnen.
Hintergrund
In vielen Kommunen wurden in den letzten Jahren Ernährungsstrategien entwickelt, Städte wie Berlin, München oder Bremen haben mittlerweile ein eigenes Ernährungshaus errichtet. Im Januar 2024 hat die Bundesregierung ihre Ernährungsstrategie für Deutschland veröffentlicht. Jetzt wird auch Hamburg eine eigene Ernährungsstrategie bekommen. In nahezu allen Ernährungsstrategien liegen die wichtigsten Handlungsfelder in Bereichen wie „Aufbau von Wertschöpfungsketten“, Ernährungsbildung, Umstellungsberatung der Küchen sowie die Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Als großer Hebel wurde dabei die öffentliche Außer-Haus-Verpflegung (AHV) identifiziert. Hier können die öffentlichen Einrichtungen direkt auf das Ernährungsangebot in Kitas, Schulen und weiteren Orten der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung (GV) Einfluss nehmen. Dabei sollen bei der Zubereitung der Speisen mehr frische Erzeugnisse, weniger Fleisch und mehr Obst und Gemüse vor allem aus ökologischen Anbauverfahren verarbeitet werden.
Rückfragen der Medien
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Kinderwelt Hamburg gGmbH
Silvana Gardenal
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 040 20 000 357
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