Abwassermonitoring zeigt Infektionsgeschehen auf

Forschungsprojekt AMELAG geht in die nächste Runde

20. April 2026

Seit 2023 beteiligt sich das Institut für Hygiene und Umwelt (HU) aktiv an der Überwachung von Krankheitserregern im Abwasser. Seine Analysen von Proben aus der Hamburger Kläranlage Köhlbrandhöft für das Projekt „Abwassermonitoring für die epidemiologische Lagebewertung“ (AMELAG) liefern wichtige Daten, die helfen, Infektionsdynamiken wie SARS-CoV-2, Influenza und RSV frühzeitig zu erkennen. Das Projekt wurde 2025 modernisiert und strategisch erweitert. Anders als ursprünglich geplant, wird AMELAG auch 2026 weitergeführt, unter anderem um die Umsetzung der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie vorzubereiten.

  • Institut für Hygiene und Umwelt
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Abwasser als Spiegel der Infektionslage
Das Abwassermonitoring hat sich in den letzten Jahren als wertvolles Instrument zur Überwachung von Infektionsgeschehen herausgestellt. Bereits bevor Menschen sich behandeln lassen, lassen sich Krankheitserreger wie SARS-CoV-2, Influenza Viren oder RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) im Abwasser nachweisen. Die aus dem Abwasser gewonnen und aufgearbeiteten Daten zu den einzelnen Infektionserregern können anschließend einen Trend der Infektionslage wiedergeben.

AMELAG: Ausbau, neue Schwerpunkte und verlängerte Laufzeit
Im Jahr 2025 wurde das bundesweite AMELAG-Projekt deutlich ausgebaut. Unter der Leitung des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Umweltbundesamtes (UBA) werden nun bis zu 70 Kläranlagen pro Woche beprobt. Die aktuelle Projektphase legt besonderen Wert auf die Harmonisierung der Laborprozesse, eine verbesserte Dateninfrastruktur und die Ausweitung auf zusätzliche Erreger. Ursprünglich war die Projektlaufzeit bis zum 31. Dezember 2025 angesetzt. Aufgrund der großen Bedeutung für den Gesundheitsschutz wird AMELAG jedoch auch 2026 mit Finanzierung durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) fortgeführt. Das RKI veröffentlich die gesammelten Projektdaten der teilnehmenden Kläranlagen in einem Wochenbericht: 
RKI - Abwassersurveillance AMELAG - Wochenbericht

Vorbereitung auf die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie
Ein zentrales Ziel von AMELAG ist die nationale Vorbereitung auf die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL). Die überarbeitete Richtlinie wurde am 12. Dezember 2024 veröffentlicht und ist am 1. Januar 2025 in Kraft getreten. Sie verpflichtet alle EU-Länder, bis spätestens 31. Juli 2027 ein dauerhaftes Überwachungssystem für Krankheitserreger und antimikrobielle Resistenzen im Abwasser einzuführen.

Beitrag zur Weiterentwicklung der Surveillance
Die im Rahmen von AMELAG gewonnenen Daten leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der infektionsepidemiologischen Surveillance. Im Fokus des Projekts steht derzeit die Etablierung und Optimierung der Methodik, insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL). Die Integration der Abwasserdaten in bestehende Überwachungssysteme wird aktuell diskutiert. Das HU sorgt mit modernen Analyseverfahren und strengen Qualitätsstandards dafür, dass die Daten aus Hamburg zuverlässig und vergleichbar sind.

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