Auf jeden Fall. Viele kleinere Betriebe arbeiten zum Beispiel mit dem kostenfreien E-Tool der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz. Damit werden Strom-, Heiz-, Kraftstoff- und Wasserverbräuche inklusive Kosten erfasst. So lassen sich Energiefresser identifizieren und Effizienzmaßnahmen priorisieren. Viele mittlere Unternehmen haben zertifizierte Umweltmanagementsysteme wie zum Beispiel ISO 14001 oder EMAS. Auch mit diesen Werkzeugen werden Umweltaspekte systematisch zusammengetragen. Die Daten, die all diese Tools liefern, sind ein guter Anfang für das Thema Sustainable Finance.
Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Berichtsstandards. Ein Standard, der sich nach Ansicht von Expert:innen besonders für den Einstieg eignet, ist der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK). Der DNK wird konzipiert vom Rat für Nachhaltige Entwicklung, die Finanzierung sichert das Bundeskanzleramt. Um eine Erklärung über den DNK zu erstellen, müssen Unternehmen zu 20 Kriterien und nichtfinanziellen Indikatoren berichten.
Unter Realwirtschaft versteht man Unternehmen, die konkrete Güter und Dienstleistungen anbieten – also das Handwerk, Industriebetriebe oder die Landwirtschaft. Davon abgegrenzt wird der Finanzsektor: Hier dreht sich alles um die Beschaffung und Verwendung von Geld. Zum Finanzsektor gehören zum Beispiel Banken, Börsen oder Versicherungen.
Die UmweltPartnerschaft Hamburg setzt einen eigenen Fachkreis zum Thema Sustainable Finance auf. Im Fachkreis werden Strategien, Erfahrungen oder auch Best-Practise-Beispiele besprochen. Die Ergebnisse werden aufbereitet und den Unternehmen der UmweltPartnerschaft Hamburg zur Verfügung gestellt. Daneben soll es weitere Formate zur Information und Vernetzung bei diesem Thema geben.
Die Abkürzung steht für Kriterien aus den Bereichen Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance). Beim Thema Umwelt geht es zum Beispiel um CO2-Emissionen eines Unternehmens oder die Wirkung des Wirtschaftens auf die Biodiversität. Soziales umfasst unter anderem Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz oder Produktverantwortung. Mit Governance sind ethische Aspekte gemeint wie Praktiken zur Korruptionsvermeidung oder das Sicherstellen der Menschenrechte entlang der Wertschöpfungskette.
Der Begriff „Nachhaltigkeitsstandard“ ist nicht klar definiert. Unterschiedliche nationale und internationale Organisationen und Stellen haben eine Vielzahl solcher Standards mit unterschiedlichen Schwerpunkten entwickelt. Das Befolgen der verschiedenen Standards liegt in der Regel in der freien Entscheidung der Unternehmen. Unternehmen, die nach den Spielregeln der EU dazu verpflichtet sind, einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen, müssen sich jedoch an den Europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS) orientieren. Hintergründe zum EU-Standard finden Sie auf der Webseite des Umweltbundesamtes.
Ja, in Verbindung mit einer Beratung zur UmweltPartnerschaft bietet die Handwerkskammer den kostenfreien Nachhaltigkeitscheck 360° an. Der Check ist ein pragmatischer Einstieg in das Thema. Dabei klopfen Umweltberater:innen und Betriebe alle 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen gemeinsam ab. Besonders geeignet ist der Check für kleine und mittlere Unternehmen. Sie erfahren, wie nachhaltig ihr Betrieb ist und bekommen Empfehlungen, wo sie besser werden können. Alle Infos und Ansprechpersonen gibt’s auf der Website der Handwerkskammer Hamburg.
Wie müssen Unternehmen arbeiten, um als nachhaltig zu gelten? Diese Frage beantwortet die Taxonomie. Es handelt sich um ein wissenschaftliches Klassifikationssystem, das definiert, welche Aktivitäten mit Blick auf den Klimaschutz als nachhaltig gelten können. So sollen private Investitionen in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten gelenkt werden. Für Investor:innen ist die Taxonomie also als Entscheidungsgrundlage gedacht. Für Unternehmen ist die EU-Taxonomie wichtig, weil sie Auswirkungen auf Kreditzinsen haben kann. Als klimafreundlich – also taxonomiekonform – gelten zum Beispiel die Herstellung von Windrädern oder die ökologische Landwirtschaft. Solche Grenzwerte und Parameter werden immer wieder nach wissenschaftlichen Erkenntnissen überprüft und gegebenenfalls neu festgelegt. Im Moment konzentriert sich die Taxonomie auf die zwei Umweltziele Klimaschutz und Klimaanpassung. Weitere Umweltziele wie Kreislaufwirtschaft oder Biodiversität sollen künftig hinzukommen. Außerdem sollen perspektivisch auch soziale Themen und Aspekte guter Unternehmensführung berücksichtigt werden. Weitere Infos zur Taxonomie bündelt auch das Umweltbundesamt auf seiner Website.
Bei Fragen wenden Sie sich gerne an:
Dr. Jennifer Kowallik, Referentin Green Economy & Sustainable Finance
jennifer.kowallik@bukea.hamburg.de