Wie Banken die Nachhaltigkeit von Unternehmen bewerten

Was wollen Banken wissen, wenn Unternehmen nach einem Kredit für eine Investition fragen? Dieses Thema brennt vielen Unternehmen unter den Nägeln. Wir haben bei teilnehmenden Banken des Fachkreises Sustainable Finance der UmweltPartnerschaft nachgefragt, welche Daten offengelegt werden müssen.

  • Umwelt, Klima, Energie, Agrarwirtschaft
Eine Geschäftsmann verwendet Laptop zur Analyse des Nachhaltigkeitswachstums von Unternehmen mit digitalen virtuellen Grafiken und Finanzdaten für langfristige Investitionen.
Nachhaltigkeit zahlt sich aus. AdobeStock / TStudious

Das Kapital soll in möglichst nachhaltige und zukunftsfähige Geschäftsmodelle fließen – das ist die Idee hinter Sustainable Finance. Aber wie entscheiden Banken, ob ein Unternehmen nachhaltig arbeitet? Das ist die große Frage – auch für Kreditinstitute. Drei Banken, die im Fachkreis Sustainable Finance der UmweltPartnerschaft Hamburg mitarbeiten, haben uns ihre Fragebögen zur Verfügung gestellt, sodass sich Unternehmen informieren können, welche Fragen sie beantworten müssen. Mit dabei sind die GLS Gemeinschaftsbank, die Hamburger Sparkasse und die Hamburger Volksbank. Die Fragebögen können Sie am Ende des Texts herunterladen.

Herausforderung: Standards für nachhaltiges Wirtschaften in Rastern abbilden

Einig sind sich alle drei Banken bei einem Punkt: Es ist eine große Herausforderung, ökologische und soziale Standards sowie Kriterien für eine ethische Unternehmensführung handhabbar zu machen. Manche Daten lassen sich vergleichsweise leicht ermitteln – etwa ob der Strom aus erneuerbaren Quellen kommt oder wie viel Wasser ein Betrieb verbraucht. Aber für einen wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitenden gibt es keine Parameter. Auch der gesellschaftliche Wert eines Weiterbildungsanbieters lässt sich kaum in Rastern abbilden.

Dirk Grah, Regionalleiter und Firmenkundenberater der GLS Bank Hamburg, sagt: „Für uns geht es nicht nur darum, Unternehmen zu finanzieren, die bereits eine umweltfreundliche Heizung haben. Wir wollen Finanzierungen anbieten für Betriebe, die auf einem hohen Qualitätsniveau arbeiten. Bei einer Senioreneinrichtung geht es also darum, dass sie eine gute Pflege anbietet und weniger darum, ob das Gebäude vernünftig gedämmt ist. In diesem Widerspruch stehen wir immer wieder.“

Noch hat die Nachhaltigkeit eines Unternehmens keinen Einfluss auf Kreditzinsen

Die Idee hinter Sustainable Finance ist, dass nachhaltige Geschäftsmodelle mit günstigeren Kreditzinsen „belohnt“ werden. Wie ist hier der Stand bei den Hamburger Banken? Marika Ott, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der Hamburger Volksbank, erklärt: „Das ESG-Scoring und das etablierte Rating erfolgen unabhängig voneinander, mithin hat das Scoring zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Auswirkungen auf die Konditionsgestaltung.“ Auch die GLS Gemeinschaftsbank und die Hamburger Sparkasse bestätigen, dass die Konditionen bisher nicht an Nachhaltigkeitskriterien geknüpft seien. Eine Besonderheit gibt es jedoch bei der Hamburger Sparkasse: Wenn ein Kredit zur Transformationsfinanzierung genutzt wird, seien besondere Konditionen möglich, sagt Mieke Lindner. Sie leitet die Abteilung Nachhaltigkeit, Öffentliche Fördermittel und Leasing: „Wir können günstigere Kreditzinsen anbieten, wenn ein Unternehmen zum Beispiel seinen Fuhrpark mit einem E-Auto statt einem Diesel-Fahrzeug erweitert.“ Auch die GLS Gemeinschaftsbank geht in diese Richtung: Bei der privaten Baufinanzierung bietet sie nach eigener Auskunft einen Zinsanreiz für sehr nachhaltige Vorhaben.

Welche Betriebe nach den Auswirkungen ihrer Geschäftsmodelle gefragt werden ist unterschiedlich. Bei der Hamburger Sparkasse werden Firmenkunden mit einem Jahresumsatz von mindestens zweieinhalb Millionen Euro nach ihrer Nachhaltigkeit befragt. Bei der Hamburger Volksbank findet das Scoring grundsätzlich statt und wird ab einer Kreditanfrage von anderthalb Millionen Euro um einen Fragebogen ergänzt.

Fragebogen als Denkanstoß in Richtung Nachhaltigkeit

Insgesamt sehen die Banken die Gespräche rund um ökologische, soziale und ethische Standards als wichtigen Denkanstoß. Dirk Grah von der GLS Gemeinschaftsbank erklärt: „Jedes Unternehmen, das investiert, sollte sich um Nachhaltigkeit kümmern. Entscheidend ist, dass wir die Transformation hinkriegen. Der Fragebogen ist für uns ein Mittel, um mit den Unternehmen dazu ins Gespräch zu kommen.“
 

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an:
Dr. Jennifer Kowallik, Referentin Green Economy & Sustainable Finance
jennifer.kowallik@bukea.hamburg.de

Download

ESG Fragebogen Hamburger Volksbank

PDF herunterladen [PDF, 758,1 KB]

Gemeinsamer ESG-Datenkatalog für Großunternehmen von BdB, GDV und VÖB

PDF herunterladen [PDF, 435,2 KB]

ESG Fragebogen Hamburger Sparkasse

PDF herunterladen [PDF, 210,9 KB]

ESG Fragebogen Nachhaltige Wirtschaft GLS Bank

PDF herunterladen [PDF, 178,3 KB]

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