Fachkreis Sustainable Finance beleuchtet die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit

Wie lassen sich der Finanzsektor und die Realwirtschaft besser verzahnen? Das war die zentrale Frage bei der jüngsten Ausgabe des Fachkreises Sustainable Finance im September 2024. Ein Rückblick.

  • Umwelt, Klima, Energie, Agrarwirtschaft
Vortrag Fachkreis Sustainable Finance 30.09.24
Silke Stremlau, Vorsitzende des Sustainable Finance-Beirates der Bundesregierung, Fachkreis Sustainable Finance 30.09.24 BUKEA

Am Thema Sustainable Finance kommt niemand vorbei. Da waren sich die rund 50 Finanz-, Unternehmens- und Nachhaltigkeitsfachleute beim dritten Fachkreis Sustainable Finance der UmweltPartnerschaft Hamburg Ende September einig. Mit dabei waren Expert:innen aus Politik, Banken, Versicherungen und vor allem den Unternehmen. Gemeinsam diskutierten sie in der Commerzbank am Jungfernstieg darüber, wie die Transformation in Richtung Nachhaltigkeit über den Kapitalmarkt finanziert werden kann.

Umweltsenator Jens Kerstan: „Mit dem Klimawandel kann man nicht verhandeln“

Senator Jens Kerstan sagte zur Begrüßung: „Mit dem Klimawandel kann man nicht verhandeln.“ Auch wenn die politischen Rahmenbedingungen gerade schwierig sind, sei es für Unternehmen zentral, ihr Geschäft nachhaltig auszurichten: „Wer sich nicht auf neue Entwicklungen einstellt, wird an die Grenzen seines Geschäftsmodells stoßen.“ Hamburg hat sich auf den Weg gemacht, die Unternehmen auf diesem Weg zu unterstützen mit Fördergeldern, Beratung, Vernetzung und dem Fachkreis Sustainable Finance.

Hamburg gründet FinanzServiceAgentur

„Ohne eine starke Finanzwirtschaft geht es nicht“, erklärte Finanzsenator Andreas Dressel dem Publikum. Die öffentlichen Haushalte können die Finanzierung der Transformation nicht allein stemmen. In der Finanzierung geht Hamburg jetzt neue Wege – und gründet 2025 eine FinanzServiceAgentur (FSA). Ziel ist es, das Thema Finanzierung für die rund 370 öffentlichen Unternehmen und Beteiligungen der Stadt zu bündeln. Die Agentur soll Unternehmen wie dem Flughafen, Hamburg Wasser, der SAGA oder den Hamburger Energiewerken Kredite für große Investitionen vermitteln. Beispielhaft seien die Green Bonds, mit denen sich die Hamburger Hochbahn Geld für nachhaltige Verkehrsprojekte am Kapitalmarkt beschafft hat.

Finanzexpertin Silke Stremlau: „Wir wollen Nachhaltigkeit zu einem zentralen Element aller Finanzentscheidungen machen“

Beim dritten Fachkreis war auch Silke Stremlau zu Gast, die Vorsitzende des Sustainable Finance-Beirates der Bundesregierung. Ihr Ziel: „Wir wollen Nachhaltigkeit zu einem zentralen Element aller Finanzentscheidungen machen.“ Sie betonte, dass alle kleinen und mittleren Unternehmen vom Thema Sustainable Finance betroffen seien. Zum einen über die Nachhaltigkeitsberichterstattung, zum anderen, weil die meisten ihre Geschäftsmodelle transformieren müssen. In der Verantwortung sieht sie auch die Politik: Ihre Aufgabe sei es, Förderinstrumente weiterzuentwickeln, um Investitionen in Nachhaltigkeit zu unterstützen. Ganz wichtig sei dabei das Thema nachhaltige Beschaffung: „Wenn der Staat bereit ist, für grünen Stahl und grünen Zement zu bezahlen, haben wir einen enormen Hebel.“

Perspektive der Commerzbank: Nachhaltigkeit als Chance

Lennert van Mens, Nachhaltigkeits-Experte der Commerzbank, erklärte in seinem Vortrag, dass sich nachhaltige Geschäftsmodelle auszahlen. Erfolgreich am Markt sei Ifco, ein Anbieter von ressourcensparenden Mehrweg-Boxen für Obst, Gemüse oder auch Fisch aus Pullach bei München. Lennart von Mens berichtete außerdem von Herstellern von grünem Zement, die eine extrem hohe Auslastung hätten, während konventionelle Mitbewerber:innen derzeit Probleme hätten. Außerdem sinken durch eine nachhaltige Herstellung oft auch die Kosten für Energie und Rohstoffe.

Versicherungsbranche: Regulatorik als große Herausforderung

Dr. Jannis Andrae von der Signal Iduna wies in seinem Beitrag darauf hin, dass die EU-Berichtspflicht eine große Herausforderung für Versicherungen ist. Dennoch sei Nachhaltigkeit eine Chance für die Branche. Höhere Selbstbehalte seien ein gutes Mittel, um Risiken zu vermeiden. Auch die sogenannte fiktive Regulierung sei ein gutes Instrument. Wenn etwa eine Stoßstange beim Einparkmanöver zerkratzt wird, würde der Schaden zwar bezahlt, aber nicht repariert. Das schont Ressourcen. In der Praxis schwerer umsetzbar sei es, kaputte Teile durch gebrauchte zu ersetzen. Dafür sei jedoch ein Umdenken bei Werkstätten und Herstellern notwendig. Andrae sagt: „Wenn wir eine bessere Zusammenarbeit hinbekommen, können wir gute Ergebnisse für Unternehmen und Umwelt erzielen.“

Und die gute Nachricht: Der Fachkreis Sustainable Finance der UmweltPartnerschaft setzt seine Arbeit fort – lesen Sie dazu weiter unter: UmweltPartnerschaft verlängert Netzwerkformat für Unternehmen der Real- und Finanzwirtschaft

Bei Fragen oder Interesse an der Teilnahme des Fachkreises wenden Sie sich gerne an:
Dr. Jennifer Kowallik, Referentin Green Economy & Sustainable Finance
jennifer.kowallik@bukea.hamburg.de

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