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Ressourcenschutz im Fokus

Eine Aufgabe unter dem öffentlichen Radar

Den Leitfaden für umweltverträgliche Beschaffung weiterentwickeln, die Kolleginnen und Kollegen bei den Beschaffungsstellen schulen, bei den Behörden für den Ressourcenschutz werben: All das gehörte zu den Aufgaben von Gabriele Meusel. Bis sie kürzlich in den Ruhestand ging, war sie bei der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft verantwortlich für den grünen Einkauf. Ihr Motto: „Das Thema Beschaffung fliegt unter dem Radar – es ist weniger greifbar als ein neues Naturschutz- oder Wohngebiet. Aber für den Ressourcenschutz ist es ganz entscheidend.“

Frau Meusel, nachhaltige Produkte wie Ökostrom kosten häufig mehr. Die öffentliche Hand muss jedoch sparsam mit Steuergeldern umgehen. Wie geht das zusammen?

Wichtig ist, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Die Stadt Hamburg hat zuletzt allein 470 Millionen Blatt Papier eingekauft – Standard dabei ist jetzt Recyclingpapier mit dem Umweltzeichen Blauer Engel. Das ist ein ganz konkreter Erfolg für die Umwelt. Wir können dabei die Preise von Recyclingpapier nicht vergleichen mit denen von herkömmlichem Papier, aber natürlich wählen wir unter den Recyclingpapier-Herstellern den günstigsten Anbieter aus. Hamburg beschafft nach wie vor nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot. Wir sollten aber alle wissen, dass Schnäppchenpreise die Wirkung auf die Umwelt oft einfach ausklammern. Die Stadt Hamburg geht hier voran und sagt: wir wollen umweltverträglich einkaufen. Wir können mit der Beschaffung einen enormen Beitrag für den Klima- und Ressourcenschutz erreichen. Zunächst als Stadt, aber jedes Unternehmen kann das mit seinem Einkauf auch. Je mehr mitmachen, desto größer die Wirkung für den Klima- und  Umweltschutz! Das Thema kann den Markt bewegen. Und das ist es, was wir wollen.

Wo steht Hamburg beim grünen Einkauf im Vergleich zu anderen Bundesländern?

Wir waren 2016 die Ersten, die mit einem so umfangreichen Leitfaden an den Start gegangen sind. Es war etwas komplett Neues, als Stadt bestimmte Produkte wie Kaffeekapseln oder Plastikbesteck auf eine Negativliste zu setzen. Mineralwasser aus Einwegflaschen, Heizpilze oder chlorhaltige Putzmittel – das beschafft Hamburg nicht mehr und das war und ist für den Markt eine wichtige Botschaft. Heute sind wir immer noch ziemlich weit vorne dabei, gemeinsam mit den Stadtstaaten Berlin und Bremen, das hat das Umweltbundesamt 2020 bestätigt. Die anderen Bundesländer ziehen nach, und das ist super, weil wir zusammen noch viel mehr bewegen können.   

Bei welchen Produkten bzw. Dienstleistungen läuft es gut?

Die Stadt kauft inzwischen zu 98 Prozent Recyclingpapier ein. Unsere Briefe und Pakete werden mit E-Fahrzeugen transportiert, in all unseren Liegenschaften haben wir Ökostrom und auch die öffentlichen Unternehmen z. B. für U- und S-Bahn in Hamburg rollen mit Ökostrom. Hier geht es um große Aufträge und Mengen, das sind wichtige Signale. Auch bei Hygieneartikeln und Bürobedarf haben wir gute Erfolge. Insgesamt ist das Bewusstsein für gute, umweltfreundliche Produkte deutlich gewachsen. Die Mitarbeitenden in den Beschaffungsstellen haben richtig Ehrgeiz entwickelt. Und gleichzeitig ist da noch einige Luft nach oben – zum Beispiel beim Thema Baustoffe.

An welchen Stellen ist es schwierig?

Wir mussten lernen, dass wir manche Produkte nicht umweltverträglich einkaufen können. In einzelnen Branchen gibt es einfach keine ökologischen Produkte. Das gilt zum Beispiel für Drohnen für die Vermessung oder – auch wenn das seltsam klingt – für die Schusswaffen der Polizei. Hier verhandeln die Beschaffenden gegebenenfalls über eine recyclebare Verpackung, Mehrweglösungen oder E-Mobilität beim Transport der Waren. Bei den Produkten selbst hat sich oft noch nicht wirklich viel geändert. Damit sind wir noch nicht zufrieden. Produkte verändern sich nicht auf einen Schlag, aber wenn große Abnehmer ihre Anforderungen ändern, dann ändert sich auch der Markt. Schritt für Schritt werden Produkte umweltverträglicher produziert. Der Dialog mit den Herstellenden ist ganz entscheidend, damit wir Verbesserungen hinkriegen.

Wie sieht es aus bei den Hamburger Betrieben – kaufen die auch umweltfreundlich ein?

Die Stadt hat eine Vorreiterrolle, aber unser Engagement soll natürlich auf Hamburger Unternehmen ausstrahlen. Seit 2018 erkennt die UmweltPartnerschaft den nachhaltigen Einkauf als Umweltleistung an. Wer also ressourcenschonende Arbeitskleidung kauft oder in der Kantine regionales Gemüse aus Bio-Anbau auf den Tisch bringt, kann sich damit das Ticket für das Netzwerk sichern. Inzwischen haben wir schon knapp 100 Betriebe über die neue Kategorie dazugewonnen – ein echter Erfolg.  

Was wird sich in den kommenden zehn Jahren bei der Beschaffung tun?

Wir haben noch eine Wegstrecke vor uns, aber ich bin überzeugt: nachhaltig wird das neue Normal. In Hamburg haben wir im Moment die ökologischen Aspekte berücksichtigt, das ergänzen wir nun im nächsten Schritt um soziale Standards hin zu einer echten Nachhaltigkeit. Ich glaube fest daran, dass ein nachhaltiger Einkauf Standard wird – in der Verwaltung und in der Wirtschaft.