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Klima- und Umweltschutz

Grün gewinnt

Umweltfreundliche Antriebe für die Hamburger Busflotte, Fair-Trade-Kaffee auch im Rathaus, nachfüllbare Stifte in den Büros: Mit einer klugen Einkaufspolitik bringt die Stadt den Klima- und Umweltschutz voran. Und will damit auch die Unternehmen und Betriebe motivieren und inspirieren.

Hamburg kauft im großen Stil ein – von der Büroklammer bis zum Computer. All diese Anschaffungen sollen möglichst umweltfreundlich sein und CO2 sparen, dazu hat sich die Stadt 2016 verpflichtet. Wenn die Stadt shoppt, sollen – wo immer möglich – Kriterien wie Rohstoffverbrauch, CO2-Fußabdruck, Langlebigkeit, Reparaturmöglichkeit, Recyclingfähigkeit oder auch Transport und Verpackung berücksichtigt werden. Rund 220 Millionen Euro geben allein die Behörden der Stadt Hamburg pro Jahr für Waren und Dienstleistungen aus, der Baubereich ist dabei noch nicht einmal mitgerechnet. Fünf zentrale Beschaffungsstellen gibt es in den Behörden, und jede hat sich auf bestimmte Produkte spezialisiert. So wird an einer Stelle das Toilettenpapier eingekauft, woanders geht die Bestellung für Bürostühle oder für Lebensmittel raus. Denn je mehr gekauft wird, desto mehr kann die Stadt mitreden. Je größer der Auftrag, desto stärker ist die Verhandlungsposition, auch für den  Umwelt- und Klimaschutz. Die Stadt spricht zu vielen Produkten auch mit der Wirtschaft und den Anbietenden – damit diese sich einstellen können und damit am Ende auch vernünftige Angebote abgegeben werden. Die Einkaufspolitik von Behörden, Ministerien und öffentlichen Institutionen hat bundesweit ein Milliardenvolumen und ist daher ein starker Hebel für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Sie setzt Anreize für mehr grüne Produkte, sie schafft sichere Absatzmärkte und fördert grüne Technologien und Innovationen.

Der Leitfaden für die umweltverträgliche Beschaffung gilt verpflichtend für die Hamburger Behörden und ihren Einkauf; empfohlen wird er auch den über 100 städtischen Betrieben. Viele sind bereits an Bord und wenden die Kriterien an, darunter die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein, das Thalia Theater, die Stadtreinigung, Hamburg Wasser, Bäderland, die Deichtorhallen oder das Wohnungsunternehmen Saga. Ein möglicher Weg ist, dass sich die Behörden künftig mit den öffentlichen Unternehmen mehr zusammentun, um als Einkaufsgemeinschaften ihre Marktmacht weiter zu steigern.  Immerhin: Das Bundesumweltministerium rechnet vor, dass die gesamte öffentliche Beschaffung deutschlandweit ein Volumen von rund 500 Milliarden Euro hat – eine echte Hausnummer also. Wie groß die Wirkung für den Klimaschutz sein kann, zeigt eine Studie des Weltwirtschaftsforums: Würden alle Länder der Erde grün einkaufen, ließen sich rund 15 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen einsparen.

Wenn nicht nur der Staat, sondern auch Unternehmen bei Büromaterialien, Zulieferprodukten oder Rohstoffen auf Umweltfreundlichkeit achten, wird der Hebel noch größer. Joachim Hartz von der Handelskammer Hamburg sieht die Unternehmen im Norden gut unterwegs. Der Energie- und Umweltberater macht bei ihnen den Leitfaden der Stadt bekannt: „Viele Betriebe sind auf einem guten Weg. Etwa 80 Prozent der Unternehmen, die ich berate, kaufen Produkte wie Werbemittel oder Papier umweltfreundlich ein. Der öffentliche Druck ist enorm. Auch wenn wir schwierige Zeiten haben, werden die Betriebe den eingeschlagenen Weg nicht mehr verlassen.“ An manchen Stellen sei es allerdings schwierig – umweltverträgliche Alternativen zu Stahl oder Zement sind zum Beispiel rar und teuer. „In diesen Fällen müssen die Betriebe konventionell einkaufen, um Geschäftsmodelle nicht zu gefährden.“ Wünschenswert und wichtig ist es, dass sich Geschäftsmodelle der Bietenden mehr und mehr in eine Richtung entwickeln, die von sich aus schon eine gute Reihe von Nachhaltigkeitskriterien beachten – erste Unternehmen sind hier schon längst auf den Weg.

Wie geht’s weiter bei dem Thema? Hamburg entwickelt derzeit Regeln zu sozialen Standards, die die Kriterien zur ökologischen Beschaffung ergänzen sollen in Richtung Nachhaltigkeit. An dem Thema arbeitet die Stadt gemeinsam mit den anderen Bundesländern und dem Bund. Von der Ampelkoalition werden ebenfalls Initiativen erwartet, im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht: „Wir schaffen sichere Absatzmärkte für klimafreundliche Produkte durch Mindestquoten in der öffentlichen Beschaffung.“ Das Thema Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung mag unsexy und dröge klingen, als Hebel für mehr Klima- und Umweltschutz in Wirtschaft und Gesellschaft hat es aber jede Menge Potenzial.


Beraten lassen

Viele Hintergründe und Kniffe rund um das Thema Nachhaltigkeit kennen die Beratenden der Handels- und Handwerkskammer sowie das Netzwerk der UmweltPartnerschaft Hamburg.

Zum Weiterlesen

Jede Menge praktische Tipps für die nachhaltige öffentliche Beschaffung liefert der Kompass Nachhaltigkeit.

Wofür die vielen Nachhaltigkeitssiegel stehen, lässt sich auf dem Portal Siegelklarheit prüfen.

Die Kompetenzstelle für die nachhaltige Beschaffung hat sich den Wissenstransfer und -austausch für die rund 30.000 Vergabestellen in Deutschland auf die Fahnen geschrieben.