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Nachhaltige IT-Kreisläufe

„Über positive Beispiele kommen wir Schritt für Schritt voran.“

Recyclingpapier, ökologische Putzmittel, energiesparende Lampen: Es gibt Produkte, bei denen die öffentliche Hand umweltfreundliche Produkte einkaufen kann. Anders beim Thema IT, Mobilgeräte und Hardware: „Es gibt keine faire IT entlang der gesamten Lieferkette“, sagt der Dataport-Umweltmanager Henning Elbe. Von einem langen Weg mit vielen Etappenzielen.

„Wenn Dataport in einer Ausschreibung fair produzierte IT fordert, bekommen wir kein einziges Angebot“, sagt Umweltmanager Elbe. Der Grund: Hunderte Zulieferbetriebe in aller Welt sind an der Produktion von Laptops, Smartphones oder Druckern beteiligt. Die Lieferketten sind komplex und kaum zu durchschauen. Immer wieder gibt es Berichte über mangelhafte Sozial- und Umweltschutzstandards in Minen, Fabrikhallen und Schmelzhütten. Wer ein Smartphone oder einen Computer kauft, kann nicht umfassend prüfen, ob beteiligte Firmen Menschenrechte einhalten oder Umweltsünder sind. Henning Elbe sagt: „Wir setzen auf den Dialog mit den Herstellenden.“ Dataport kauft, wartet und supportet IT für die öffentliche Hand in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein,  Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Zusammengezählt sind das etwa 100.000 Arbeitsplätze: „Diese Einkaufkooperation verleiht uns Relevanz und Gehör am Markt, geht aber auch mit einer großen Verantwortung einher.“

Gütezeichen, Auditberichten und Werksbesichtigungen

Um nachhaltiger zu werden, setzt Dataport an verschiedenen Stellen an. Die Hardware in den Behörden, bei der Polizei und in den Schulen ist zertifiziert nach dem Standard „TCO Certified“ – einem der strengsten Label für faire Produktion. In den Produktionsstätten gilt eine Höchstarbeitszeit, Kinderarbeit ist verboten und die Geräte müssen ohne Schwermetalle wie Blei oder Quecksilber auskommen. Bei Ausschreibungen fordert Dataport außerdem, dass Unternehmen erklären, wie sie sogenannte Kernarbeitsnormen, also Mindeststandards, der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) bei ihren Zulieferbetrieben prüfen und gewährleisten. Henning Elbe betont: „Wir sind eines der wenigen Unternehmen, die Einblicke in Auditberichte von Produktionsstätten einfordern. Wir haben auch schon Werke besichtigt. Einer kleinen Kommune gelingt das eher nicht.“ Dataport ist außerdem Mitglied bei „Electronics Watch“. Die unabhängige Organisation engagiert sich für bessere Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Lieferkette, indem sie Beschäftigte der Fabriken in China, Vietnam oder Indien zu Missständen befragt und diese anprangert.

Dataport durchleuchtet sämtliche Prozesse auf Umweltverträglichkeit, wie Henning Elbe betont: „Wir kaufen nicht nur Blech, sondern denken den gesamten Lebensweg der Geräte mit – von Verpackung und Transport über Nutzung und Reparatur bis zur Nachnutzung oder Entsorgung der Geräte.“ Bei Dataport laufen die Rechner vergleichsweise lange – möglichst fünf bis sechs Jahre. Monitore und Drucker werden erst ersetzt, wenn sie kaputt sind oder sich die Anforderungen ändern. Bricht eine Taste am Laptop heraus oder geht ein Display zu Bruch, wird das Gerät repariert. Ausgemusterte IT kommt in die Wiedervermarktung oder wird an gemeinnützige Organisationen gespendet. In Hamburg und Bremen wird manche Hardware mit E-Lastenrädern geliefert.

Eigene Tests

Ein großes Thema für Dataport ist auch der Energieverbrauch. „Wir gucken nicht nur auf die Datenblätter, sondern prüfen in einem eigenen Testlabor wie viel Strom die Geräte verbrauchen.“ Kommt es zu Abweichungen von den offiziellen Angaben, werden die Ergebnisse mit den Herstellenden besprochen. An anderen Stellen kommt Dataport jedoch nicht weiter. Standardmäßig mitgelieferte CDs, Handbücher, Adapter oder Kabel werden beim IT-Dienstleister oft nicht gebraucht: „Das Zubehör wird von den Herstellenden konfektioniert, der Endkunde hat darauf kaum Einfluss. Der Markt wird sich hier aber in den nächsten Jahren umstellen. Ein gutes Beispiel ist das Weglassen der Netzteile bei Smartphones.“

Neben der Beschaffung nimmt Dataport auch die eigenen Prozesse unter die Lupe, etwa den effizienten internen Betrieb. Das zentrale Rechenzentrum wird zum Beispiel mit regenerativer Energie betrieben. Die innovative Kühltechnik verbraucht vergleichsweise wenig Energie, mit der Abwärme werden Büros und eine Turnhalle beheizt. Für seine Bemühungen in Sachen Energieeffizienz wurde der Hamburger Rechenzentrumsstandort mit dem Umweltzeichen Blauen Engel ausgezeichnet. Henning Elbe sagt: „Bis zu einer wirklich nachhaltig Kreislaufwirtschaft hat die IT-Branche noch einen langen Weg zu gehen. Aber über positive Beispiele kommen wir Schritt für Schritt voran.“