Die Einladungen sind verschickt, die Vorbereitung bei der UmweltPartnerschaft Hamburg laufen. Am 29. November kommen vor allem mittelständische und öffentliche Unternehmen sowie einige Banken, die UmweltPartner sind, zum ersten Fachkreis Sustainable Finance zusammen. Dr. Jennifer Kowallik, Referentin der Umweltbehörde, zum neuen Fachkreis: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt ein Austauschformat für Sustainable Finance aufzusetzen. Bei dem Auftakt-Termin werden wir Fragestellungen der Unternehmen abklopfen, die dann bei den folgenden Treffen auf der Agenda stehen.“
Unterstützend mit an Bord ist das bundesweite Unternehmensnetzwerk für nachhaltiges Wirtschaften B.A.U.M. e.V. Im Interview erzählt die Vorsitzende Yvonne Zwick, welche Chancen in dem Thema stecken und warum die UmweltPartnerschaft und B.A.U.M. e.V. so gut zusammenpassen.
Frau Zwick, was macht Ihr Netzwerk B.A.U.M. e.V.?
Unser Netzwerk für Nachhaltiges Wirtschaften wurde 1984 in Hamburg gegründet. Damals wollten viele Unternehmen von dem Maschinenbauer Ernst Winter & Sohn lernen. Als eines der ersten Unternehmen weltweit hatte man dort ein Umweltmanagementsystem aufgesetzt. Der Unternehmer Georg Winter gab Beschäftigten für ihre Ideen für Optimierungen zwei Jahre lang 20 Prozent der Einsparsumme zusätzlich zu ihrem Lohn. Wir haben also echtes Pionierwissen bei Anreizsystemen für nachhaltiges Wirtschaften. In den ersten Jahren der Verbandsarbeit wurde sehr viel mit Checklisten gearbeitet. Solche einfachen Orientierungshilfen sind gerade heute wieder gefragt in der oft verwirrenden politischen Diskussion. Heute ist B.A.U.M. e.V. vor allem ein Kompetenz- und Kontaktnetzwerk. Wir teilen Wissen, Erfolge, aber auch Erfahrungen des Scheiterns – das macht uns besonders.
Welche Erfahrungen haben Sie mit Sustainable Finance?
Vor meiner Arbeit bei B.A.U.M. e.V. habe ich das Thema beim Rat für Nachhaltige Entwicklung bewegt. Richtig spannend finde ich die betriebswirtschaftliche Attraktivität von Sustainable Finance. Nachhaltige Geschäftsmodelle lohnen sich – das ist die Botschaft. Es geht um einen leichteren Zugang zu Kapital, geringere Kosten für Investitionen oder Versicherungspolicen. All das kommt jetzt in Gang und umso wichtiger ist der Dialog mit der Finanzwirtschaft, um die Dinge richtig aufzusetzen.
Gerade kleine Unternehmen haben großen Respekt vor dem Thema. Wo sollten sie am besten anfangen?
Zuerst sollten Unternehmen ihren Status Quo beim Kerngeschäft überprüfen. Gibt es schon eine Nachhaltigkeitsmanagementpraxis oder ein Umweltmanagementsystem? Lassen sich Mitgliedschaften wie die UmweltPartnerschaft Hamburg nutzen? Ich bin überzeugt davon, dass sich unsere Geschäftsmodelle eher evolutiv statt über große Brüche weiterentwickeln sollten. Ganz wichtig ist es, Greenwashing zu vermeiden, denn das birgt die Gefahr, dass unsere Unternehmen vor die Hunde gehen. Es gibt Unternehmen, die einen kleinen ökologischen Fußabdruck haben. Aber wir haben eben auch energieintensive Unternehmen, die oft für die industrielle Produktion in Deutschland entscheidend sind. Wir müssen darauf achten, die Transformation mit realistischen Zielen anzugehen, damit der Markt bei den technisch möglichen Innovationen mitgenommen wird. Denn Ziel ist es, mit der Mehrheit der Unternehmen zu einer regenerativen Wirtschaftsweise zu kommen, die sich innerhalb der Grenzen bewegt, die uns der Planet setzt.
Die UmweltPartnerschaft Hamburg und B.A.U.M. e.V. sind beides Unternehmensnetzwerke. Wo sehen Sie Synergien?
Wir sind ein bundesweites Netzwerk und haben in Hamburg rund 100 Mitglieder. Meine Vision ist es, zusammen mit der UmweltPartnerschaft Hamburg an Clusterthemen zu arbeiten, konkrete Lösungsansätze und vielleicht sogar völlig neuartige Finanzierungskonzepte zu entwickeln. Wir können doch nur gewinnen, wenn wir gemeinsam für eine vernünftige Wirtschaftsweise streiten. Ich bin überzeugt: das kann richtig gut werden.
Dr. Jennifer Kowallik (BUKEA)
Yvonne Zwick (B.A.U.M. e.V.)