Europa hat sich auf den Weg gemacht klimaneutral zu werden. Bis 2050 sollen die Emissionen runter auf null. Deshalb muss sich auch die Wirtschaft neu ausrichten. Das Ziel: Umweltbelastungen, aber auch soziale Risiken wie Verstöße gegen Arbeitnehmer:innenrechte oder mangelnder Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz sollen auf die Agenda rücken. Und nicht nur in Brüssel tut sich etwas: Der Hamburger Senat hat in seinem jüngsten Klimaplan festgeschrieben, dass die CO2-Emissionen bis 2030 um 70 Prozent sinken sollen und 2045 will Hamburg weitgehend klimaneutral sein. Diese Ziele sind gesetzlich verankert.
Banken und Versicherungen sollen Neuausrichtung der Unternehmen begleiten
Für Unternehmen bedeutet das: Umwelt- und Sozialaspekte sowie eine verantwortungsvolle Unternehmensführung rücken in den Blickpunkt. Dafür sorgt der Green Deal, mit dem Europa die Pariser Klimaziele schaffen will. Eine ganz zentrale Rolle hat dabei das Finanzsystem. Denn die Finanzwirtschaft entscheidet über Kreditkonditionen, Bonität, Investitionen oder Versicherungen und konzipiert entsprechende Finanz- und Versicherungsprodukte. Banken und Versicherungen sind entscheidende Schaltstellen, wenn es darum geht, das Wirtschaften CO2-ärmer, ressourceneffizienter und sozialer zu machen. Der Aktionsplan Nachhaltiges Wirtschaften der Europäischen Kommission nimmt die Finanzwirtschaft in die Pflicht auch steuernd zu wirken – und das hat natürlich Auswirkungen auf Betriebe und Unternehmen jeder Größe und Branche.
Die Finanzwelt muss bei ihrer Kundschaft – also den Unternehmen der sogenannten Realwirtschaft – immer stärker Umwelt- und Sozialaspekte sowie die Unternehmensführung berücksichtigen, damit das Kapital in Unternehmen fließt, die nachhaltig wirtschaften. Das Thema Sustainable Finance hat so jede Menge Auftrieb bekommen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat Nachhaltigkeit zu einem ihrer zehn Mittelfristziele erklärt. Die Bundesregierung hat einen Sustainable-Finance-Beirat ins Leben gerufen, eine Deutsche Sustainable Finance-Strategie aufgesetzt und bewegt das Thema als Querschnittsaufgabe in allen Ministerien. Und laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung soll Deutschland zum führenden Standort nachhaltiger Finanzierung werden.
Herausforderung: Vielzahl an Berichtsstandards zur Nachhaltigkeit
Das Ziel ist klar: Perspektivisch sollen Unternehmen in ihrer gesamten Wertschöpfungskette mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen.
Die größte Herausforderung sind dabei die Daten: Wie lassen sich Aspekte rund um Umwelt, Soziales und Unternehmensführung abbilden? Hebel gibt es für Unternehmen jede Menge – von den Anforderungen an Lieferbetriebe, der Kreislauffähigkeit der Produkte bis hin zur Herkunft der Energie. Aber diese Daten müssen zunächst erhoben und aufbereitet werden. Die EU hat Regularien zur Unternehmenstransparenz beschlossen. Die beiden wichtigsten sind die EU-Taxonomie und die Corporate Sustainability Reporting Directive. Dazu gibt es eine Vielzahl an Berichterstattungs-Standards, mit denen Unternehmen arbeiten können. Als „Goldstandard“ durchgesetzt, hat sich bisher keiner.
Fazit: Sustainable-Finance-Regeln sind ein ganz entscheidender Ansatz zur Neuausrichtung der Kapitalflüsse in Unternehmen und Betrieben hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft. Durch Offenlegungspflichten können Risiken erfasst und bewertet werden. Künftig werden Unternehmen immer häufiger Antworten geben müssen, wie nachhaltig sie sind. Die UmweltPartnerschaft wird Sie mit Infos und Veranstaltungen auf diesem Weg begleiten.
Weiterlesen: Einen Überblick zur Regulatorik gibt’s in der Broschüre zu den Berichtspflichten.