Im November 2019 wurde auf Veranlassung der Umweltbehörde und auf Kosten des Verursachers, einer Hamburger Maschinenfabrik, eine Befischung durchgeführt und das rohe Fischfilet analysiert.
Die Untersuchung hat ergeben, dass in den Fischen Vinylchlorid nachweisbar ist.
Im November 2020 gab es eine erneute Beprobung der Fische, um die Entwicklung der Belastung der Fische zu beobachten. Die gefundenen Werte sind deutlich niedriger als bei der Beprobung im Jahr zuvor.
Für Anwohnerinnen und Anwohner oder Nutzer der Fleete besteht keine Gefahr.
Ursache für die Belastung der Fische ist ein bereits 1996 festgestellter Grundwasserschaden, der nun das Oberflächengewässer in einigen Fleeten in Neuallermöhe erreicht hat.
Die Sanierung des Grundwasserschadens wurde von der Umweltbehörde 1998 eingeleitet und wird seitdem von der Maschinenfabrik in enger Abstimmung mit der Behörde durchgeführt. Die Schadstofffahne steht unter ständiger Überwachung.
Folgen für den Fisch-Verzehr
Die Fleete sind an den Angelverein Bergedorf-West/Allermöhe e. V. verpachtet. Vinylchlorid ist als krebserregend eingestuft. Das Risiko für die Krebsentwicklung hängt von der Dosis ab. Bei der erneuten Untersuchung der Fische im November 2020 wurden diesmal auch zubereitete Fische analysiert und hier eine deutlich geringere Belastung der Fische festgestellt. Die Umweltbehörde konnte daher auf Basis der Bewertung des Amtes für Verbraucherschutz die Verzehrempfehlung an den Angelverein anpassen, wonach ein Konsum von erhitztem Fisch aus den Neuallermöher Fleeten ein bis zweimal in der Woche unbedenklich ist.
Wie geht es mit den Fleeten weiter?
Es gibt keine schnelle Methode, die Gewässerverunreinigung zu reduzieren. Damit der Schadstoffeintrag aus dem Grundwasser in die Fleete unterbunden wird, hat die Umweltbehörde mit dem Verursacher bereits im vergangenen Jahr Maßnahmen vereinbart:
Im Bereich des Nettelnburger Landweges ist seit Juni 2020 eine Anlage zur biologischen Sanierung in Betrieb, mit der die Konzentration der Schadstoffe im Grundwasser und damit auch der Eintrag in die Fleete reduziert wird.
Die Sanierungsdauer wird auf 20 Jahre geschätzt.
Neben den Sanierungsmaßnahmen für das Grundwasser wurden Versuche zur Sanierung des Oberflächengewässers durchgeführt. In einem einjährigen Pilotversuch von September 2020 bis September 2021 wurde geprüft, ob durch die Belüftung des Fleetwassers die Vinylchlorid-Verunreinigung reduziert werden kann.
Der Pilotversuch hat bestätigt, dass durch die Sauerstoffanreicherung der natürliche mikrobielle Abbau von Vinylchlorid im Fleetwasser gefördert wird. Daher wird die Belüftung des Oberflächengewässers in den nächsten Jahren weitergeführt.
Um alle Bereiche im Oberflächengewässer zu belüften, in die belastetes Grundwasser eintritt, wurde die Belüftungsstrecke aus dem Pilotversuch 2022 nach Norden und Süden erweitert.
Erläuterungen
Anlage zur biologischen Sanierung: Hierbei handelt es sich um eine Reihe Grundwassermessstellen. Durch das Einbringen von organischem Substrat in die Messstellen entsteht im Grundwasser eine Reaktionszone, in der der mikrobiologische Schadstoff-Abbau unterstützt wird. Die Reaktionszone hat die Aufgabe, die auf das Annenfleet zuströmende Schadstofffahne abzuschneiden und weitere Schadstoffeinträge zu verhindern.
Abbauvorgänge im Oberflächengewässer: Im Zusammenspiel mit Sauerstoff baut sich Vinylchlorid besonders gut ab. In den Fleeten ist Sauerstoff begrenzt vorhanden, anders als im Grundwasser, wo es in Bergedorf nicht auftaucht. Durch das Einblasen von zusätzlichem Sauerstoff in das Fleetwasser wird die Sauerstoffsituation verbessert und die Reinigung ist schneller möglich.
Hintergrund
Perchlorethylen besitzt hervorragende Entfettungseigenschaften und wurde deshalb besonders in den 1960er bis 1980er Jahren in fast jeder chemischen Reinigung sowie in der Metallbearbeitung verwendet. So auch auf dem Betriebsgelände der Maschinenfabrik. In den 1960er bis 1980er Jahren sind auf dem Betriebsgelände Reste des Perchlorethylen in den Boden gelangt und durch den Beton bis in die grundwasserführenden Sande durchgesickert. Mit dem natürlichen Grundwasserstrom hat es sich dann langsam, das heißt circa 30 bis 40 Meter pro Jahr, Richtung Südwesten ausgebreitet. So ist im Grundwasser eine Schadstofffahne entstanden.
Perchlorethylen baut sich im Laufe der Zeit ab. Wenn Sauerstoffmangel herrscht, wie im Grundwasserleiter in Bergedorf, entsteht dabei Vinylchlorid.