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Das ist keine Aufforderung zum Füße waschen, sondern beschreibt einen Landwirt aus den Vier- und Marschlanden, der im fruchtbaren Boden [Bodenfruchtbarkeit] aus Klei wirtschaftet. Feuchter Klei bleibt tatsächlich ausdauernd am Stiefel kleben. Klei ist das tonige Sediment, das die Elbe ablagerte, seit sie vor 4.500 Jahren im Hamburger Bereich unter den Einfluss von Ebbe und Flut geriet. Noch im 11. Jahrhundert war das Elbtal ein unwegsames Sumpfgebiet mit großen Schilfflächen und Wäldern. Zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert deichten Siedler die Gebiete zwischen den Elbarmen ein und schufen so die Vier- und Marschlande.
Unser Boden liegt am Nordrand der Marschlande (roter Punkt). Weil das Gelände an die hochwassersichere Düne anschließt, finden sich im Naturschutzgebiet nur Reste sogenannter Sommerdeiche (SD), die vor den niedrigen sommerlichen Hochwässern der Bille (B) schützten. Im Winterhalbjahr stand das Gebiet bei Sturmfluten regelmäßig unter Wasser. Heute verhindern Schleusen und ein Sperrwerk das Eindringen der Flut in die Bille, jedenfalls solange kein Deich bricht.
Deiche allein reichen nicht, um aus den Marschen fruchtbares Land zu machen. Sie müssen auch entwässert werden. Die meisten Nutzpflanzen nehmen Sauerstoff über die Wurzeln auf. Das ist nur möglich, wenn der Boden nicht wassergesättigt ist. Ohne Entwässerung würde der Wasserstand der Marschen nahe an, teilweise über der Geländeoberfläche liegen. Durch offene Gräben wird der Grundwasserstand in den Beeten dazwischen genau soweit abgesenkt, dass einerseits im Oberboden stets Luft vorhanden ist und andererseits die Pflanzen in Trockenzeiten vom Grundwasser profitieren. Deswegen ist auch bei größter Trockenheit die Marsch immer grün.
Um die Gräben funktionstüchtig zu erhalten, müssen sie regelmäßig geräumt werden. Dabei wird der Grabenaushub auf die Flächen zwischen den Gräben geworfen. Dadurch vergrößert sich der Abstand zum Grundwasser. Früher war das harte Winterarbeit von „Kleigräbern“, heute geschieht dies meist maschinell.
Das Luftbild ist ein Ausschnitt des mehrere hundert Kilometer langen Grabensystems der Vier- und Marschlande. Das Bild zeigt einen Teil von Reitbrook. Das Wasser fließt aus den Gräben (GR) über größere Sammelgräben (SG) zum Schöpfwerk am Reitbrooker Hinterdeich (SW) über das überschüssiges Wasser in die Goose Elbe (GO) abgegeben wird.
Ein Problem der Vier- und Marschlande ist, dass große Flächen tiefer liegen als der Wasserspiegel der Elbarme, in die das Wasser fließen soll. Um das Gebiet zu entwässern hat man früher Feldmühlen eingesetzt, von denen eine im Hamburger Rieckmuseum zu besichtigen ist.
Der Wind trieb eine Schraube an, über die das Wasser in einen höher liegenden Graben geschöpft wurde. Um 1700 waren fast 200 Feldmühlen in den Vier- und Marschlanden in Betrieb. Auch in der historischen Karte auf Bild 2 sind Feldmühlen in der Billwerder Marsch eingezeichnet (Pfeile). Heute übernehmen elektrische Pumpen die Arbeit. Bei langen Trockenphasen wird das Pumpen- und Grabensystem auch zur Bewässerung eingesetzt. So viel Aufwand ist notwendig, um die fruchtbaren Marschenböden der Vier- und Marschlande nutzen zu können. Einer davon wird hier näher vorgestellt [Flusskleimarsch].