Hamburg.de Startseite Politik & Verwaltung Behörden Behörde für Umwelt... Themen Energie
Strategien gegen Verbuschung

Potenziale von Biomasse

In Namibia wachsen jedes Jahr 3% Buschbiomasse auf Kosten von Savannenbiomen bzw. Weideland hinzu, insgesamt ca. 1,3 Mio. Hektar. Geht man von 10 t Biomasse aus, die absolut umweltverträglich und nachhaltig pro ha entnommen werden können, stehen jährlich alleine aus dem Zuwachs 13 Mio. t Biomasse zur Verfügung. Nur ein kleiner Teil hiervon würde für die Partnerschaft mit Hamburg benötigt. Bei einer Entnahme bis 13 Mio. t ist das Gesamtsystem nachhaltig. Der voraussichtliche Bedarf für Hamburg liegt deutlich darunter.

Eine Änderung der Landnutzung durch die Entnahme von Biomasse aus den verbuschten Gebieten kann sowohl zu einer erhöhten Freisetzung als auch zu einer vermehrten Bindung (Senke) von Treibhausgasemissionen (THG) in der Gesamtbilanz führen. Dies ist abhängig von Antworten auf die Fragen:  Was folgt auf die Ausdünnung der Buschbiomasse? Was passiert mit den Bodenlebewesen und mit dem Boden selbst? Wie sieht die Folgenutzung aus?

Namibia ist vom Klimawandel extrem stark betroffen und ist ein Klimaanpassungsland. Die Verbuschung zusammen mit den immer weniger vorhersagbaren Niederschlägen führt heute schon zu einer massiven Änderung der Landnutzung, die unterschiedliche Personengruppen, vor allem aber die vielen Kleinbauern, massiv und existenzgefährdend trifft. Es beeinträchtigt zudem die Biodiversität und den Wasserhaushalt des Landes (u.a. Goengroeft, A. et al (2018))3.

Gleichzeitig bedeutet die fortschreitende Verbuschung aber auch eine große Senke für in Holzbiomasse gebundenes Kohlendioxid. Die Entnahme von Buschholz, also die Restoration von Savannenlandschaften, sollte diese Wirkung nicht wieder zunichtemachen, sondern zusammen mit dem Erhalt der Senkenfunktion für THG vollzogen werden. Da für die unterschiedlichen Landnutzungsmöglichkeiten zurzeit zum Teil stark abweichende Treibhausgasszenarien existieren, die von Entwicklung einer zusätzlichen Senke für THG bis zur massiven Freisetzung von THG variieren. In der Partnerschaft mit Hamburg werden eindeutig solche Landnutzungsszenarien bevorzugt, die die Senkenwirkung erhalten oder verstärken. Dafür müssen angepasste Mischformen der Landnutzung  entwickelt werden. Dies soll in Kooperation mit den geplanten Biomasse-Industrie Parks in Namibia erreicht werden, da dort das entsprechende Fachwissen und die entsprechenden Logistikoptionen vorhanden sein werden.

Dabei soll vorhandenes Fachwissen mit Erfahrungen von Feldpraktikern kombiniert werden. Ziel ist der Einstieg in eine Bioökonomie mit möglichst viel kaskadischem Nutzen der vorhandenen Biomassen. Eine erarbeitete Landnutzungsoption erntet die Busch-Biomasse und hält die Flächen anschließend für 4 bis 6 Jahre frei, um Savannenlandschaft neu zu entwickeln. Dafür werden die Stockausschläge (Triebe, die aus dem abgesägten Stumpf wachsen) aktiv bewirtschaftet. Das daraus entstehende Produkt kann als Tierfutterzusatz genutzt werden und Futterimporte nach Namibia teilweise ersetzen bzw. auch einen Export ermöglichen. Für das aufkommende Gras gibt es zurzeit drei Nutzungsoptionen: Rinderweide, Weide für Wildtiere (Game farming) und stoffliche Nutzung (z.B. Graspapier). Nach den 4 - 6 Jahren wird auf diesen Flächen die Ernte eingestellt und der Busch kann nachwachsen. Diese additionalen Nutzungsoptionen werden parallel in einem Verbundforschungsprojekt näher untersucht.

Wenn für Namibia der Spagat zwischen Anpassung an den anthropogen verursachten Klimawandel und dem aus globaler Sicht wichtigen Erhalt bzw. der Wiederherstellung der THG Senke (Klimaschutz/Dekarbonisierung) gelingen soll, muss konsequent an neuen Landnutzungsformen gearbeitet werden. Die ‚Biomasse-Partnerschaft Hamburg-Namibia‘ will dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.

Verarbeitung des Buschholzes in Namibia

Bisher wird Buschholz per Hand und in kleinem Umfang geerntet. Dies gilt vor allem für die Nutzung als Feuerholz und für Export-Holzkohle. Geht es um große Mengen, erfolgt die Entnahme mit speziellen Erntemaschinen, was bisher der Nachfrage entsprechend nur von wenigen spezialisierten Ernteunternehmen betrieben wird.

Geplant ist nun der Aufbau von Biomasseindustrieparks (link zu Details „Biomasseindustrieparks“). Für die Belieferung dieser Parks soll die Ernte über manuelle, semi-maschinelle und maschinelle Verfahren erfolgen.

Bei der maschinellen Ernte in der verbuschten Fläche werden sofort Holzhäcksel hergestellt. Nach dem Transport in die maximal zwischen 50 u. 100 km entfernt liegenden Biomasseindustrieparks werden die Häcksel zu Holzpellets verarbeitet werden. Die Energie für diesen Verarbeitungsschritt soll direkt im Park über Photovoltaik erzeugt werden.

Holzpellets haben gegenüber den Holzhackschnitzeln den Vorteil des größeren Heizwerts pro kg Masse, benötigen also beim Transport deutlich weniger Ladefläche. Somit sind die CO2 Transportemissionen und auch die Kosten pro Heizwert geringer. Zudem würde die Produktion (also die Veredelung von Rohholz zum Produkt Pellets) vor Ort die größtmögliche Wertschöpfung generieren.



------------------------------------

3 Goengroeft, A.; de Blßecourt, M.; Classen, N.; Landschreiber, L. & Eschenbach, A. (2018). Acacia tress modify soil water dynamics and the potential groundwater recharge in savanna ecosystems. Climate change and adaptive land management in southern Africa – assessments, changes, challenges and solutions (ed. By R. Revermann, K.M. Krewenka, U. Schmidel, J.M. Olwoch, J. Heimschrot and N. Jürgens), pp. 177 – 186. Klaus Hess Publishers, Göttingen & Windhoek.