Essen und Ernährung – diese Themen begegnen uns allen tagtäglich. Unsere Nahrung soll lecker, abwechslungsreich und möglichst gesund sein, um uns mit Energie und Wohlbefinden zu versorgen. Aber wo und wie werden unsere Lebensmittel erzeugt und verarbeitet? Wo kaufen wir ein und welche Produkte landen im Einkaufskorb? Kochen wir selbst oder nutzen wir Kantinen oder andere gastronomische Angebote?
Die Hamburger Ernährungsstrategie - gutes Essen für alle
1. Zielsetzung Ernährungsstrategie
Die Stadt Hamburg arbeitet an einer Ernährungsstrategie mit dem Ziel, alle bestehenden Maßnahmen für eine gesunde, nachhaltige und regionale Ernährung besser zu verbinden, weiterzuentwickeln und neue Ideen einzubringen. Dabei arbeiten Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Bürger:innen gemeinsam in einem langfristigen Prozess daran, eine Umgebung zu schaffen, in der gesunde und nachhaltige Lebensmittel die einfachste und beste Wahl sind – und das in allen Lebensphasen.
Die Strategie basiert auf einem Beschluss der Hamburger Bürgerschaft aus Mai 2024 und den Senatseckpunkten vom Dezember 2024. Diese fassen bereits vorhandene Bausteine für nachhaltige Ernährung zusammen und definieren Ziele und Handlungsfelder als weitere Arbeitsgrundlage. Im weiteren Prozess sollen vorhandene Strukturen genutzt und wissenschaftlich fundiert neue Maßnahmen entwickelt werden.
Außerdem möchte die Strategie die Menschen für bewusste Ernährung sensibilisieren und die regionale Produktion stärken. So leistet sie auch einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Durch die Zusammenarbeit aller wichtigen Akteur:innen kann die Strategie flexibel auf neue Herausforderungen reagieren und sich immer weiter verbessern.
2. Zeitstrahl und Phasen
Der Prozess der Hamburger Ernährungsstrategie gliedert sich in acht Phasen:
1. Vorprojekt und Grundlagen (09/2025)
- Erste fachliche Einordnung und Sammlung vorhandener Grundlagen.
- Vorbereitung des weiteren Strategieprozesses.
2. Projektplanung und Arbeitsgrundlage (01/2026)
- Festlegung des Projektablaufs und der zentralen Arbeitsschritte.
- Entwicklung einer ersten Arbeitsgrundlage für die Hamburger Ernährungsstrategie.
3. FHH-interne Einzelgespräche (04/2026)
- Austausch mit verwaltungsinternen Akteur:innen zu Erwartungen, Interessen und Schnittstellen.
- Erste Klärung von Zuständigkeiten und Anknüpfungspunkten zu bestehenden Strategien.
4. FHH-interne Workshops (06/2026)
- Vorstellung und gemeinsame Weiterentwicklung der sechs Handlungsfelder.
- Sammlung bestehender und neuer Maßnahmen sowie Klärung behördlicher Verantwortlichkeiten.
5. Auswertung und Bündelung (10/2026)
- Auswertung der internen Gespräche und Workshops.
- Bündelung der Ergebnisse zu einem abgestimmten Strategieentwurf.
6. Beteiligung der Fachöffentlichkeit (03/2027)
- Einbindung fachlicher Perspektiven aus Wissenschaft, Praxis, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
- Fachliche Rückmeldung zu Zielbildern, Handlungsfeldern und Maßnahmenansätzen.
7. Beteiligung der Öffentlichkeit (09/2027)
- Einbeziehung der Hamburger Bürger:innen in den weiteren Strategieprozess.
- Aufnahme und Prüfung von Rückmeldungen aus der Öffentlichkeit.
8. Finalisierung und Veröffentlichung (01/2028)
- Überarbeitung und Finalisierung der Hamburger Ernährungsstrategie.
- Veröffentlichung der Strategie und begleitende Kommunikation über die Website.
3. Handlungsfelder
Die vielfältigen Aspekte von Ernährung werden in folgenden sechs Handlungsfeldern gebündelt:
Gesunde Ernährung
Gesunde Ernährung soll für alle Menschen in Hamburg zugänglich, bezahlbar und genussvoll sein. Im Mittelpunkt stehen ausgewogene, pflanzenbetonte, regionale und saisonale Lebensmittel. Dabei berücksichtigt das Handlungsfeld unterschiedliche Lebenslagen, kulturelle Hintergründe und soziale Voraussetzungen.
Lebensmittelwertschätzung statt -verschwendung
Lebensmittel sind wertvolle Ressourcen und sollen bewusster genutzt werden. Dieses Handlungsfeld setzt darauf, Lebensmittelverluste zu vermeiden und die Wertschätzung für Lebensmittel in Alltag, Bildung, Handel, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung zu stärken. Zugleich geht es darum, Kreisläufe besser zu nutzen und vermeidbare Abfälle zu reduzieren.
Bildung – Lernorte für gesunde Ernährung
Ernährungsbildung soll Menschen befähigen, informierte und selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Ernährung zu treffen. Dafür sollen Wissen, praktische Erfahrungen und Freude am Umgang mit Lebensmitteln miteinander verbunden werden. Lernorte wie Kitas, Schulen, Hochschulen, Gärten und außerschulische Projekte können zeigen, wie gesunde und nachhaltige Ernährung im Alltag gelingt.
Nachhaltige Erzeugung
Dieses Handlungsfeld nimmt die Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln in Hamburg und der Region in den Blick. Ziel ist eine Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft, die ökologisch, ressourcenschonend, regional und wirtschaftlich tragfähig ausgerichtet ist. Dazu gehört auch, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken und Herkunft sowie Produktionsbedingungen transparenter zu machen.
Stadt als Vorbild
Hamburg möchte bei gesunder und nachhaltiger Ernährung selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Besonders dort, wo die Stadt Verantwortung trägt, sollen Verpflegung, Beschaffung und Organisation stärker an Gesundheit, Nachhaltigkeit und sozialer Teilhabe ausgerichtet werden. So kann die Stadt zeigen, wie gutes Essen in öffentlichen Einrichtungen alltagsnah umgesetzt werden kann.
Essbare Stadt
Die essbare Stadt macht Ernährung im öffentlichen Raum sichtbar und erlebbar. Hamburg soll mehr Orte bieten, an denen Obst, Gemüse und Kräuter wachsen, gepflegt und gemeinsam genutzt werden können. Dadurch entstehen Räume für Begegnung, Mitgestaltung, Naturerfahrung und ein stärkeres Bewusstsein für regionale Lebensmittel.
4. Beteiligte Akteur:innen
Das Thema Ernährung umfasst viele Aspekte: Landwirtschaft, Gesundheit, Bildung, Wirtschaft und Stadtentwicklung.
Entsprechend sind auch die Zuständigkeiten in Hamburger Behörden verteilt:
- Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) ist zuständig für nachhaltige Landwirtschaft, den Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten, den ökologischen Landbau sowie Themen wie Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschutz.
- Die Behörde für Gesundheit, Soziales und Integration (Sozialbehörde) setzt Schwerpunkte bei Prävention, gesunder Ernährung und Teilhabe – etwa mit Blick auf soziale Gerechtigkeit oder die Verpflegung in Pflegeeinrichtungen.
- Die Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB) verantwortet die Kita- und Schulverpflegung und Ernährungsbildung, von Qualitätsstandards beim Mittagessen bis hin zu Unterrichtsinhalten.
- Die Behörde für Justiz und Verbraucherschutz (BJV) kümmert sich um die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung und Verbraucheraufklärung.
- Die Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation (BWAI) stärkt mit dem Food Cluster die Ernährungswirtschaft, Innovationen und nachhaltige Produktion.
5. Laufende Projekte
- Bio-Stadt Hamburg
- Bereits seit 2016 ist Hamburg Mitglied im deutschen Bio-Städte-Netzwerk und setzt sich in diesem Zuge für die Förderung des ökologischen Landbaus und für eine nachhaltige öffentliche Beschaffung ein, die Absatzmöglichkeiten für Hamburger Agrarprodukte aufzeigt.
- Küchen und Kantinenschulung „Neue Kantine Hamburg“
- Vernetzungsstelle Schulverpflegung Hamburg
- Bildung für nachhaltige Entwicklung in Hamburg
- Aktivitäten der HAW Hamburg
6. Historie
Erster Hamburger Ernährungstag am 14. Oktober 2024
Um einen Ausblick auf die kommende Strategieentwicklung zu geben und der Community eine Möglichkeit zur Vernetzung zu geben, fand am Montag, 14. Oktober 2024, von 10 bis 16 Uhr, auf Gut Karlshöhe der „Erste Hamburger Ernährungstag“ statt, zu dem Stakeholder aus den Bereichen Agrarwirtschaft, Verarbeitung, Catering, Ernährungsbildung, Politik, Behörden und sonstigen Institutionen eingeladen waren.
Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem Grußwort von Senator Jens Kerstan. Referent:innen aus den Bereichen Agrarwirtschaft, Ernährungsbildung, Gesundheit, Umstellungsberatung in der Gemeinschaftsverpflegung und Ernährungsstrategie teilten ihre Erfahrungen und luden zum Austausch ein. Im Anschluss hat Senator Kerstan das staatliche Bio-Label in Gold für Außer-Haus-Verpflegung an den Geschäftsführer, Jörg Brettschneider, und den Küchendirektor von Kinderwelt Hamburg, Volker Jahr, verliehen.
7. Kontaktformular
Anfragen bitte an Funktionspostfach: ernaehrungsstrategie@bukea.hamburg.de