Der Aufbau und Standort der Wand, der Gestaltungszweck und die Wuchseigenschaften der Pflanzen bestimmen die Wahl des Begrünungstyps. Fassadenbegrünung gibt es als bodengebundene Begrünung und wandgebundene Begrünung sowie in Mischformen aus beiden. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie mehr über die verschiedenen Varianten der Begrünung, die unterschiedlichen Vorteile und was bei der Planung zu beachten ist. Die Begriffe Wandbegrünung, Grüne Fassaden und Fassadenbegrünung werden in dieser Broschüre gleichbedeutend genutzt.
Begrünung vom Erdboden aus
Die weitverbreiteste Form der Fassadenbegrünung ist die bodengebundene Begrünung. In der Regel bedeutet dies, dass Kletterpflanzen im Erdboden vor die Wand gepflanzt sind. Die Pflanzen nehmen das Wasser und die Nährstoffe direkt aus dem Erdreich auf. Oft ist die bodengebundene Begrünung eine kostengünstige und pflegeleichte Lösung. Der gestalterische Spielraum ist im Vergleich zu den unten beschriebenen wandgebundenen Begrünungsvarianten begrenzt.
Freikletterer an der Wand
Die einfachste Form der bodengebundenen Fassadenbegrünung ist der Direktbewuchs. Selbstklimmende Pflanzen, wie zum Beispiel Efeu, Wilder Wein und Kletterhortensie bilden Haftwurzeln, Haftfüße oder Haftscheiben aus und klettern so an der Wand in die Höhe. In fünf bis zehn Jahren können die Pflanzen eine Wuchshöhe von bis zu 25 Metern erreichen. Für einen Direktbewuchs eignen sich rissfreie Oberflächen aus Beton oder vollverfugtem Mauerwerk und andere standfeste Wandaufbauten ohne offene Fugen.
Bewuchs mit Kletterhilfe
Ist die Wand für den Direktbewuchs ungeeignet, lässt sich eine Begrünung mit sogenannten Gerüstkletterpflanzen an einem Ranksystem entwickeln. Es gibt vielfältige Kletterpflanzen, die mit der Unterstützung von Kletterhilfen die Wand hochwachsen. Schlinger winden sich wie Lianen mit ihrem Hauptspross um Seile, Stäbe o. Ä.; bekannte Beispiele sind Blauregen und Geißblatt. Spreizklimmer, wie Kletterrosen und Brombeeren, verhaken sich an einer Kletterhilfe. Blattstielranker, z. B. die vielen Waldrebenarten, winden ihre Blattstiele um dünne Gegenstände. Sprossranker, wie Echter Wein, winden sich hingegen mit tastenden Fortsätzen um Dinge (siehe Pflanzliste S. 32).
Korrekt ausgebildete Kletterhilfen geben der Kletterpflanze den optimalen Halt und sichern einen ausreichenden Schutzabstand zur Wand (siehe S. 21). Gerüstkletterpflanzen eignen sich zur Begrünung von Pergolen und Pavillons. Die Kletterhilfe muss auf die Pflanzeneigenschaften abgestimmt sein, um das gewünschte Begrünungsziel zu erreichen.
Begrünungen in Wandbefestigungen
Als wandgebundene Begrünung erhalten neue Begrünungsweisen ohne Boden- und Bodenwasseranschluss eine zunehmende Bedeutung in der Stadt. Diese Begrünungen werden auch Vertikale Gärten genannt. Die begrünten Systeme hängen dabei an der Gebäudewand oder stehen vor der Fassade. Häufig sind sie in die architektonische Wandgestaltung integriert. Die Begrünung ist mit einer vielfältigen Mischung aus Gräsern, Blühstauden, Kräutern und Sträuchern möglich. Durch unterschiedliche Wuchsformen und Blühzeiten lassen sich eindrucksvolle Pflanzenbilder gestalten.
Wandgebundene Begrünungen erhalten Wasser und Dünger durch ein automatisches System. Oft handelt es sich um komplexe Systeme, für die eine Entwicklung in Zusammenarbeit mit systemherstellenden Firmen und Fachplanungsbüros ratsam ist. Die Systeme, die es in drei gängigen Bauweisen gibt, sind oft deutlich teurer als eine bodengebundene Begrünung.
Begrünung im Wandregal
Ein lineares Regalsystem besteht aus horizontalen Rinnen oder Einzelgefäßen, die Substrate für die Pflanzung enthalten. Substrate sind häufig, ähnlich wie bei Dachbegrünungen, Schüttstoffe aus z. B. Ziegelsplitt und Harttorf und sollten der Pflanzenwahl entsprechen. Die Pflanzgefäße sind an einer tragenden, an der Wand befestigten Konstruktion so angeordnet, dass die Pflanzen genügend Licht und Wuchsraum nach oben erhalten. Am Gebäude lassen sich mit dem System punktuell und linear Akzente setzen.
Begrünung im textilen Wandbehang
Ein flächiges System ist geeignet, eine Fassade flächendeckend zu begrünen, und heißt deshalb auch Living Wall. Das System besteht aus einer Unterkonstruktion, auf der verschiedene gefaltete Taschen aus einem Vlies befestigt sind. Die Vliestaschen werden mit Substrat gefüllt und mit Moosen, Stauden und Gehölzen bepflanzt.
Die Konstruktion ist verhältnismäßig leicht und kann vor einer tragenden Wand hängen, so dass zwischen Wand und System Luft zirkulieren kann. Die Wand muss natürlich dafür statisch ausgelegt sein, wobei das Gewicht des Begrünungssystems im bewachsenen und bewässerten Zustand einbezogen sein muss. Die kleine Substratmenge in den Vliestaschen begrenzt die gestalterischen Möglichkeiten.
Grünes Kastensystem vor/an der Wand
Um eine Gebäudewand vollflächig zu begrünen, bietet sich auch ein modulares System beispielsweise aus Gitterkörben oder Kassetten an. Vor der Wand aufgestapelt, bilden diese mit Substrat gefüllten Module eine eigenständige Fassade, die vertikal mit nach vorne wachsenden Pflanzen begrünt ist. Der Wandaufbau der Fassade ist oft zweitrangig, sofern die rahmengebenden Stahlprofile in eigenen Fundamenten verankert sind und das System so frei stehen oder sich an die vorhandene Fassade anlehnen kann. Durch die verhältnismäßig große Substratmenge ist eine üppige Begrünung mit größeren Gehölzen möglich. Üblich ist eine Kombination von Stauden, Gräsern und Kleingehölzen.
Mischformen
Eine Kombination aus bodengebundener und wandgebundener Begrünung ermöglicht es, die Vorteile beider Begrünungsformen zu nutzen.
Werden Kletterpflanzen sowohl im Erdreich als auch in wandgebundenen Gefäßen gepflanzt, kann beispielsweise das Begrünungsziel schneller erreicht werden. Auch aus Kostengründen kann eine Mischform sinnvoll sein. Reicht das Budget nicht für eine vollflächige Living Wall, kann eine kleinere wandgebundene Begrünung mit günstigeren Kletterpflanzen kombiniert werden.