Begonnen hat die Exkursion mit einer Einführung in die Hamburger Gründachstrategie sowie dem Besuch des extensiven Gründachs der Umweltbehörde in Hamburg-Wilhelmsburg. Dr. Hanna Bornholdt aus der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) betonte die Bedeutung einer vielschichtigen Strategie, die mehrere Handlungsschwerpunkte - Fördern, Dialog und Fordern - einschließt. Beispielweise beinhaltet der Handlungsschwerpunkt Fordern Festsetzungen in der Bauleitplanung, Ergänzungen für das Hamburger Landschaftsprogramm sowie Mustertexte für städtische Ausschreibungen und Wettbewerbsauslobungen. Des Weiteren ist eine ämter- und behördenübergreifende Zusammenarbeit wichtig. Aus diesem Grund begleiteten Fachkundige aus den Umwelt- und Stadtentwicklungsbehörden, der Hamburgischen Investitions- und Förderbank, dem städtischen Wasserunternehmen Hamburg Wasser und der HafenCity Universität die Exkursion.
Sven Baumung aus der Naturschutzabteilung berichtete über die wild lebenden Vogelarten, die auf Hamburgs Dächern nisten und ihre Jungen großziehen. Auf dem Behördendach leben vor allem Sturm- und Silbermöwen, aber auch andere Arten, wie der Austernfischer oder die Bachstelze kommen vor. Die Vegetation und den Aufbau einer Dachbegrünung erklärte der Sachverständige Dr. Michael Marret-Fossen, Geschäftsführer des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg auf seinem Dach des Hauses des Landschaftsbaus: Schnittlauch, verschiedene Mauerpfeffer- und Grasarten sowie Kräuter prägen die niedrige Vegetation auf einem extensiven Gründach.
Konkrete Beispiele von intensiver Dachbegrünung mit unterschiedlichsten Dachnutzungen im Wohnungsbau mit höchster Qualität lieferte die Besichtigung der Dächer in dem neuen Stadtteil HafenCity.
Der Dachgarten des Ökumenischen Forums verdeutlichte die Diversität der Begrünungsansätze: auch mit Pflanzen in Töpfen und Trögen können Dächer begrünt werden. Dazu konnten die Teilnehmenden die von Hamburger Gründachstrategie unterstützte Kombination von Gründach und Freiraumnutzung sowie die Kombination mit Photovoltaik bzw. Solarthermie kennenlernen. Mit einem städtischen Förderprogramm über 3 Millionen Euro unterstützt die Stadt den Bau von Gründächern und diesen Kombinationen. Die Fragen zur Hamburger Gründachförderung und die Kombination mit anderen Förderprogrammen hat Frau Anja Bartsch (IFB) geantwortet.
Neben dem Lebensraum für Flora, Fauna und Menschen, haben Gründächer eine hohe Bedeutung für die Klimaanpassung in der Regenwasserbewirtschaftung, für die in Hamburg eine RISA-Strategie (RegenInfraStrukturAnpassung) entwickelt wurde. Der Wissenschaftler Michael Richter der HafenCity Universität erklärte die Vorteile von Retentionsdächern anhand eines Forschungsprojektes am Standort der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SAGA „Am Weißenberge“, in dem aktuelle Werte der Regenwasserrückhaltung und Verdunstung auf mehreren Dächern gemessen werden. Die Schule Wegenkamp und das Wohngebiet Sodenkamp dienten als Beispiel für andere RISA-Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung: oberflächliche Regenwasserführung, Versickerungsmulden und unterirdische Rigolen, unversiegelte Flächen zur Versickerung, Kombination von Regenwassermulden mit Baumstandorten sowie Fassadenbegrünungen.
Durch die gelungene Exkursion mit intensiven Diskussionen und Gesprächen erwarben die Teilnehmenden beider Länder neue Einblicke in städtische Strategien der Klimaanpassung und des Klimaschutzes, in interdisziplinäre Planungszusammenhänge sowie die Herausforderungen der Umsetzung.