Bezug zum Klimawandel
Der Anstieg der Lufttemperaturen führt auch zu einer Erwärmung der Alster und damit zu einer Veränderung der chemischen und biologischen Prozesse im Gewässer. In warmem Wasser wird unter anderem das Wachstum hygienisch problematischer Cyanobakterien gefördert. Gleichzeitig zieht es die Hamburger*innen vor allem an heißen Tagen ans Wasser der Alster. Binnen- und Außenalster sind zwar aus Sicherheitsgründen nicht als offizielles Badegewässer ausgewiesen, vor allem Sportbegeisterte nutzen die Wasserfläche aber zu sportlichen Betätigungen, bei denen Kontakte mit Wasser nicht ausgeschlossen sind. Zudem halten sich Menschen in den Uferbereichen auf und können mit Wasser in Kontakt kommen. Ist es mit Cyanobakterien und deren Toxinen belastet, können allergische Reaktionen, Reizungen, Entzündungen oder auch schwerwiegende Erkrankungen der Atemwege auftreten.
Überwachungsstufen des Umweltbundesamts
Diese Risiken sind der Grund, dass an mehreren Messstellen der Binnen- und Außenalster zwischen Mai und September regelmäßige Untersuchungen zur Cyanobakterienbelastung durchgeführt werden. Im Gegensatz zu den Badeseen, in denen vor allem in der Vergangenheit nur eine visuelle Begutachtung vorgenommen wurde (s. Indikator Cyanobakterien in Badegewässern), fanden und finden in der Alster stets Messungen statt. Die erhobenen Konzentrationsdaten lassen Überwachungsstufen zuordnen, die das Umweltbundesamt (UBA) in seinen Empfehlungen zum Schutz von Badenden vor Cyanobakterien-Toxinen definiert. Die aktuellen UBA-Überwachungsstufen von Oktober 2024 werden für die gesamte Zeitreihe zugrunde gelegt. Bei Werten in der Stufe „erhöhte Aufmerksamkeit“ wird empfohlen, die Überwachungshäufigkeit zu erhöhen, bei Erreichen der „1. Warnstufe“ sollten entsprechende Warnhinweise an Wassersportler*innen ausgegeben werden. Die „2. Warnstufe“ greift bei akuter gesundheitlicher Gefährdung. In diesem Falle wird von amtlicher Seite unter anderem über die Presse empfohlen, dem Ufer fern zu bleiben.
Beschreibung und Interpretation
Die Messergebnisse zur Erfassung von Cyanobakterien-Chlorophyll an der Alster geben klare Hinweise auf einen Zusammenhang mit den klimawandelbedingt steigenden Luft- und Wassertemperaturen (s. Indikator Wassertemperatur der Alster). Vor allem in den heißen Sommern der Jahre 2018 und 2019 waren die Anteile positiver Befunde an den Messungen hoch. Sowohl an der Binnen- als auch der Außenalster wurde 2018 bei mehr als 17 % aller Messungen die 2. Warnstufe erreicht. Mit Blick auf die nur geringen Anteile auffälliger Messungen im sehr warmen Jahr 2022 wird aber auch deutlich, dass die nur 14-tägig durchgeführten Kontrollmessungen an ihre Grenzen stoßen. So waren die Ergebnisse unauffällig, denn die ausgeprägte Blüte Ende August / Anfang September fiel genau zwischen zwei Messungen. Die ebenfalls im Indikator berücksichtigten kontinuierlichen Messungen an der Station Lombardsbrücke erfassten ebenfalls keine hohen Werte, da sich der Algenteppich in den Uferbereichen angesammelt hatte. Auch in den Jahren danach blieben die Messungen unauffällig. Die Zeitreihen zeigen bisher nur für die Überwachungsstufe „erhöhte Aufmerksamkeit“ einen fallenden Trend nach Trendumkehr. Dies ist auf die geringen Befunde in den zurückliegenden Jahren zurückzuführen.