Mischwassersielüberläufe

Infolge von Starkregenereignissen oder flächendeckendem Dauerregen kann es zu Belastungsspitzen in der Kanalisation kommen, die eine kontrollierte Entlastung von Sielen an Überlaufschwellen erfordern. Schadstoffe, die mit dem ungereinigten Mischwasser in angrenzende Gewässer gelangen, können die Wasserqualität beeinträchtigen. Um Überlaufmengen zu reduzieren, wird das Sielsystem an die wachsenden Kapazitätsansprüche angepasst.

  • Umwelt, Klima, Energie, Agrarwirtschaft

Das Mischsystem der Hamburger Kanalisation

Mit einer Gesamtlänge von mehr als 5.800 km verfügt die Stadt Hamburg über eine weit verzweigte, leistungsfähige Kanalisation. Sie ist in Teilen als Mischsystem konzipiert, dessen Kanäle Regen- sowie Abwasser transportieren. Vor allem in diesem mischbesielten Bereich können große Wassermengen stellenweise zu einer Überschreitung der Sielkapazitäten führen. Wo beispielsweise aufgrund von Platzmangel keine ausreichend dimensionierten Speicher- und Sammelbecken bestehen, dienen Überlaufschwellen der Entlastung. Sie verhindern Überflutungen des öffentlichen Straßenraums oder von Gebäuden mit kommunalem Abwasser. Überläufe gelangen als unbehandeltes Mischwasser direkt in angrenzende Gewässer. Als Folge können Schadstoffe wie Antibiotika oder sauerstoffzehrende Stoffe Wasserqualität und Gewässerökosysteme beeinträchtigen.

Bezug zum Klimawandel

Die Überlaufmengen sind abhängig von Niederschlagsmenge und -intensität. In der Regel kommt es in regenreicheren Jahren zu größeren Überlaufmengen als in Jahren mit geringen Niederschlägen. Im hydrologischen Sommerhalbjahr liegen die Überlaufmengen der Mischkanalisation zudem rund dreimal höher als im hydrologischen Winterhalbjahr. Dies liegt zum einen daran, dass in Hamburg im Sommer mehr Niederschlag fällt als im Winter. Zum anderen treten im Sommerhalbjahr häufiger intensive Starkregenereignisse auf, bei denen dem Sielsystem innerhalb kurzer Zeit große Regenmengen zufließen. Es wird davon ausgegangen, dass infolge des Klimawandels die Anzahl und Intensität von Starkregenereignissen zunehmen werden. 

Beschreibung und Interpretation

Der Indikator stellt pro Jahr die Überlaufmenge und die Niederschlagsmenge jeweils für den hydrologischen Sommer (Mai bis Oktober) dar.  In Jahren mit wenig sommerlichem Niederschlag wie 2018, 2020 oder 2022 traten Überlastungssituationen des Mischsystems seltener auf.  Zu besonders hohen Überlaufmengen kam es in den beiden zurückliegenden Jahren 2023 und 2024, als es nicht nur insgesamt in Hamburg sehr nass war, sondern auch heftige und langanhaltende Starkregenereignisse zu Mischwasserentlastungen führten (s. Indikator Starkregen). Im Jahr 2023 brachten unter anderem die Tiefs „Lambert“ und „Ventur“ im Juni und Juli viel Regen. Am 27. Juni 2024 regnete es innerhalb von nur 45 Minuten so viel wie durchschnittlich im gesamten Monat Mai. Ein statistisch signifikanter Trend zur Entwicklung der Überlaufmengen liegt nicht vor. 

Aktiv zur Anpassung an Klimawandelfolgen

Das Sielsystem wird im Rahmen der finanziellen und bautechnischen Möglichkeiten weiter ausgebaut. So sollen künftig die ohnehin in Hamburg vergleichsweise niedrigen Überlaufmengen weiter reduziert werden. Diese Maßnahmen dienen zum einen der vorbeugenden Anpassung an die zu erwartenden häufigeren Belastungsspitzen infolge von zunehmenden Starkregenereignissen. Gleichzeitig soll verhindert werden, dass bei einer Erhöhung der Auslastung durch den Anschluss weiterer Flächen und Haushalte sowie durch den steigenden Wasserverbrauch der Hamburger Bevölkerung zusätzliche Mischwassersielüberläufe entstehen.

Download

Mischwassersielüberläufe_Hamburg_Indikator-Kennblatt

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