Wo es knirscht, bewegt sich was - Hamburg nachhaltig weiterdenken

Rückblick auf das Sustainability Week Action Lab 2025

  • Umwelt, Klima, Energie, Agrarwirtschaft
Menschen auf einer Konferenz
Hamburg Sustainability Week - Bennet Rietdorf

Unter dem Motto „Wo es knirscht, bewegt sich was – Hamburg nachhaltig weiterdenken“ fand am 28. November 2025 das Sustainability Week Action Lab statt. Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) lud gemeinsam mit der Universität Hamburg und der Hamburg Sustainability Week Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung ein. Ziel war es, zentrale Zielkonflikte der nachhaltigen Entwicklung unserer Stadt sichtbar zu machen und gemeinsam konkrete Lösungsansätze zu entwickeln.

Die Veranstaltung markierte den Auftakt für zwei wichtige Prozesse: die Erarbeitung der ersten Hamburger Nachhaltigkeitsstrategie sowie die ersten Schritte zur inhaltlichen Ausgestaltung der Hamburg Sustainability Week 2026. Senatorin Katharina Fegebank und Universitätspräsident Hauke Heekeren eröffneten die Veranstaltung. Als Grundlage für die weiteren Diskussionen des Tages führte Prof. Laura Marie Edinger-Schons, Chief Sustainability Officer der Universität Hamburg, im Rahmen eines wissenschaftlichen Impulses zur aktuellen Forschung und zentralen Theorien u.a. zur Donut-Ökonomie und planetarer Grenzen ein.

Zentrale Zukunftsfragen 

Im Rahmen des Action Labs wurden Fragen wie Wohnraum und Klimaanpassung, Migration und Fachkräftesicherung sowie Wirtschaftswachstum und planetare Grenzen gemeinsam betrachtet. Dieser integrative Ansatz schuf einen offenen Raum für Dialog, Austausch und kreative Lösungsansätze. Im Fokus standen drei thematische Workshops, die sich jeweils mit zentralen Zukunftsfragen der Stadt befassten.

1. Schwammstadt: Zwischen urbaner Verdichtung und Klimafolgenanpassung

Der Workshop zum Thema „Schwammstadt“, initiiert und moderiert von der Sprinkenhof GmbH, beschäftigte sich mit der Frage, wie die Stadt auf die Folgen des Klimawandels reagieren und einer wachsenden Stadtbevölkerung gerecht werden kann. Neben der Sprinkenhof und der Universität Hamburg waren auch Expert:innen aus dem Amt für Wasser, Abwasser und Geologie der BUKEA am Workshop beteiligt. 

Dr. Franziska Hanf, Senior Researcher am Exzellenzcluster CLICCS der Universität Hamburg, eröffnete den Workshop mit einem Impulsvortrag zum Zukunftsszenario 2050. Für die Stadt Hamburg wird erwartet, dass einerseits Trockenphasen zunehmen und andererseits Starkregenereignisse sowie Hochwasser und Sturmfluten häufiger auftreten. Dr. Hanf skizzierte drei Strategien, um auf diese veränderten klimatischen Bedingungen und Extremwetterereignisse zu reagieren: die wasserdefensive, die wasserresiliente und die wasserbewusste Stadt. Die wasserbewusste Stadt ist die Empfehlung der Wissenschaft. Diese Strategie beinhaltet eine umfassende, transformative Anpassung, der sich alle betroffenen Akteure gemeinsam widmen müssen. 

Im anschließenden Worldcafé zu konkreten Fragen der Umsetzung einer Schwammstadt wurde deutlich, dass viele Akteure – von Forschung über Verwaltung bis zu Projektentwicklern – vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Um die Schwammstadt und eine wasserbewusste Stadt Realität werden zu lassen, braucht es den politischen Willen, weitere Finanzierungsmöglichkeiten und beschleunigte Genehmigungsprozesse. So kann die Schwammstadt als Antwort auf die Herausforderungen zwischen Klimawandel und urbaner Verdichtung fungieren.  

2. Internationale Fachkräfte im Fokus: Integration und Herausforderungen im Spannungsfeld von Klimaschutz und Arbeitsmarkt in Hamburg

Die Handwerkskammer und das IQ Netzwerk öffneten mit ihrem Workshop den Diskussionsraum rund um Fragen der beruflichen Integration. Vertreter*innen der Handwerkskammer und des Fachbereichs Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen der Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation führten in das Thema ein und beleuchteten die zentralen Herausforderungen. Im Anschluss arbeiteten die Teilnehmenden an vier Thementischen mit Personen, die selbst als Fachkräfte nach Hamburg gekommen sind oder internationale Fachkräfte dabei unterstützen, hier Fuß zu fassen. Die Teilnehmenden diskutierten Fragen der Qualifizierung, Bedarf an Spezialisierung, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz sowie die Sozialverträglichkeit von Klimaschutzmaßnahmen.  

Zum Abschluss des Workshops erfolgte eine wissenschaftliche Einordnung der Diskussion. Prof. Silke Boenigk, Universität Hamburg, und Jun.-Prof. Laura Hesse, Universität Weimar, betonten die Notwendigkeit gemeinsamer Anstrengungen von Unternehmen, Non-profit-Organisationen und Behörden zur Integration internationaler Fachkräfte in Hamburg und forderten, die häufig positive Gesamtbewertung der Fachkräfteeinwanderung kritisch zu differenzieren – insbesondere Personen mit Fluchthintergrund benötigen im Durchschnitt rund acht Jahre bis zur Arbeitsmarktintegration. Diese lange Dauer müsse durch vereinfachte Prozesse, bessere Koordination der Akteure sowie den Ausbau bewährter niedrigschwelliger Angebote wie Welcome-Center deutlich verkürzt werden. Positive Beispiele auf Hamburger Unternehmen zeigen, dass branchenspezifische Netzwerke und ein proaktives Handeln seitens der Unternehmen entscheidende Erfolgsfaktoren sind. Die aktuelle Forschung der Professorinnen Boenigk und Hesse weist zudem auf eine deutliche Benachteiligung von Frauen mit Fluchthintergrund hin. Hier wird deutlich, dass Arbeitsmarktintegration ganzheitlich und auch aus Familiensicht betrachtet werden muss. 

Menschen auf einer Konferenz
Hamburg Sustainability Week - Bennet Rietdorf

3. Nachhaltiges Wirtschaftswachstum – Realität oder Illusion?

Im Workshop „Nachhaltiges Wirtschaftswachstum“ des Nachhaltigkeitsforums Hamburg stand die Frage im Mittelpunkt, ob und wie Wirtschaftswachstum innerhalb unserer planetaren Grenzen möglich ist. Einerseits sind Produktivität und Wachstum zentrale Elemente unseres Wirtschaftssystems, andererseits stehen sie immer häufiger im Konflikt mit dem Schutz und Erhalt von Umwelt und Artenvielfalt. Im Workshop wurde dieses Spannungsfeld tiefergehend diskutiert. 

Prof. Frank Adloff, Universität Hamburg, eröffnete die Diskussion mit einem Impulsvortrag. Prof. Adloff skizzierte eine Welt in der Polykrise, in der Klimawandel, Artensterben und eine wachsende sozio-ökonomische Ungleichheit unseren Alltag prägen. Versuche, dieser Krise mit Maßnahmen der ökologischen Modernisierung und einem grünen Wachstum zu begegnen seien bislang gescheitert. Sein Fazit: Wirtschaftswachstum ist nicht nachhaltig. Vielmehr brauche es einen demokratischen Übergang in Richtung einer Postwachstumsgesellschaft, in der Wohlstand neu definiert wird. 

Menschen beim Netzwerken auf der Veranstaltung
Hamburg Sustainability Week - Bennet Rietdorf

Ausgehend von diesem Impuls haben die Teilnehmenden die Interessen von Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft mit Blick auf Hamburg diskutiert. Hier standen Fragen wie die gerechte Verteilung von Transformationskosten, die Regulierung durch Politik und Verwaltung sowie die Auswirkungen klimapolitischer Maßnahmen im Fokus. Neben zivilgesellschaftlichen Akteur:innen und Vertreter:innen des Nachhaltigkeitsforums diskutierten hier auch der Fachbereich Umwelt und Wirtschaft der BUKEA sowie Hamburger Start Ups und Konzerne.  

Hamburg auf dem Weg zur Nachhaltigkeitsstadt

Das Sustainability Week Action Lab hat gezeigt: Nachhaltigkeit öffnet Räume. Nachhaltigkeit betrachtet die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Themen, deckt Synergien und Konflikte auf und bringt die richtigen Akteur:innen an einen Tisch. Diesen Weg setzt die Stadt Hamburg nun mit der Erarbeitung der ersten Nachhaltigkeitsstrategie und der nächsten Hamburg Sustainability Week fort. 

Menschen beim Netzwerken
Hamburg Sustainability Week - Bennet Rietdorf

Zum Weiterlesen

Menschen picknicken auf einer Wiese
Christian Brandes, Mediaserver Hamburg

Zwischenbericht zum Umsetzungsstand der SDGs in Einfacher Sprache

1. Einführung Sie lesen einen Text in Einfacher Sprache. Der Text ist eine Zusammenfassung von einem Bericht aus Hamburg. In dem Bericht geht es um einen Plan für mehr Nachhaltigkeit in Hamburg. Im Kapitel 3. Ausblick sind die wichtigsten Punkte von dem Bericht zusammengefasst. Nachhaltigkeit...

Ein Foto der Personen der Stabsstelle Nachhaltigkeit
BUKEA

Aktuelles aus der Stabsstelle Nachhaltigkeit

Mai 2026 - Der Programmkalender der Hamburg Sustainability Week wurde veröffentlicht. Eine Anmeldung für die Sessions der Nachhaltigkeits-Werkstatt am 1. Juli sowie für die Public Events im Rahmen der Hamburg Sustainability Week ist jetzt möglich. Unter den 11 Werkstatt-Sessions und über...

Vier Personen stehen auf einer Brücke und fotografieren den Hafen
Mediaserver Hamburg - Christian Brandes
Aktueller Prozess:

Hamburgs Weg zu einer Nachhaltigkeitsstrategie

Die Stabsstelle Nachhaltigkeit in der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) steuert den Gesamtprozess und koordiniert die behördenübergreifende Zusammenarbeit. Hamburg arbeitet an einer gesamtstädtische Nachhaltigkeitsstrategie, die sich an den 17...