Vom 14. Juni bis 14. Juli 2024 war Hamburg eine der zehn Ausrichterstädte der Fußballeuropameisterschaft der Männer, der UEFA EURO 2024. Das Volksparkstadion war Schauplatz von fünf Partien, die Fan Zone auf dem Heiligengeistfeld lud dazu ein, die Spiele gemeinsam zu verfolgen und auch über Stadion und Fan Zone hinaus wurde die EURO 2024 durch ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm begleitet. Seit Beginn der Planungen stand die EURO 2024 im Zeichen der Nachhaltigkeit. Es war der Anspruch der Freien und Hansestadt Hamburg, mit der EURO Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit zu setzen und sie zur Referenz für künftige Großveranstaltungen in der Stadt zu machen.
Diese Website zeigt eine Auswahl an Highlightmaßnahmen, die zur EURO 2024 umgesetzt wurden. Einen detaillierten Einblick in die umgesetzten Maßnahmen bietet der Nachhaltigkeitsbericht zur EURO 2024 in Hamburg. Dieser und viele weitere nützliche Dokumente stehen im Downloadbereich ganz unten auf dieser Website zur Verfügung.
Soziales
Ideenwettbewerb
Im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Hamburg, Deine EURO“ hat die Stadt die Menschen in Hamburg aufgerufen, Projektideen zur Förderung von Vielfalt, Toleranz und gesellschaftlichem Zusammenhalt einzureichen. Eine Jury hat aus rund 80 Einsendungen 15 Projekte ausgewählt, die mit insgesamt 500.000 € durch die Stadt und die Alexander Otto Sportstiftung gefördert wurden. Darunter unter anderem die Homeless EURO 2024, bei der Teams bestehend aus wohnungslosen Menschen aus ganz Europa gegeneinander angetreten sind – mit Finale auf der Fan Zone – bis hin zu einer Aktion der Blindenfußballsparte des FC St. Pauli, die es Hamburger Schüler:innen ermöglicht hat, zu erfahren, wie es ist, blind Fußball zu spielen. Die Liste der Gewinnerprojekte kann hier eingesehen werden.
Barrierefreiheit und Inklusion
Um möglichst allen Menschen unabhängig von ihren Fähigkeiten die Teilhabe an der UEFA EURO 2024 in Hamburg zu ermöglichen, wurde eine Reihe an Barrierefreiheitsmaßnahmen umgesetzt. Am Stadion standen barrierefreie Parkplätze und Shuttles für mobilitätseingeschränkte Personen zur Verfügung. Am Infopoint auf der Fan Zone konnten sich Menschen mit Sehbeeinträchtigung anhand eines taktilen Lageplans einen Überblick über die Veranstaltungsfläche verschaffen. Ein Podest mit Platz für 54 Rollstühle bot im Public Viewing freie Sicht auf die Spielübertragung. Am Rollstuhlpodest befand sich auch eine Ladestation für elektrische Rollstühle. Auf der Fan Zone standen barrierefreie Toiletten zur Verfügung und an mehreren Stellen wurden abgesenkte Tresen eingerichtet. Die Barrierefreiheitsmaßnahmen sowie verbleibende Hürden wurden online (auch in einfacher Sprache) dargestellt, sodass sich Besuchende schon vorab über die Gegebenheiten informieren konnten.
Kostenloses Trinkwasser und kostenlose Sonnencreme
Auf der Fan Zone wurden Trinkwasser und Sonnencreme kostenlos angeboten. Dies hat einen Beitrag zur Gesundheit der Besuchenden geleistet (Hitze- und UV-Schutz) und dabei geholfen, Plastikflaschen zu vermeiden.
Awarenesskonzept
Auf der Fan Zone wurde ein Awarenesskonzept umgesetzt, das einen Beitrag dazu geleistet hat, dass sich die Besuchenden willkommen und sicher fühlen konnten und im Bedarfsfall Unterstützung erhielten. Auf der Fläche waren Awarenessteams unterwegs, die durch lilafarbene Westen erkennbar waren. Zudem waren auf der Veranstaltungsfläche über 270 Plakate mit QR-Codes verteilt, über die Kontakt zum Awarenessteam aufgenommen werden konnte. Ein physischer Schutzraum – ein sogenannter „Safer Space“ – hat als Rückzugsort gedient. Bei Bedarf wurden die Betroffenen durch das Awarenessteam dorthin gebracht und professionell unterstützt.
Ehrenamt auch nach der EURO
In Hamburg waren zur EURO 2024 rund 1.600 Freiwillige im Einsatz. Der Stadt Hamburg war es ein Anliegen, die große Begeisterung für ein Ehrenamt während der EURO 2024 nach Möglichkeit in eine große Begeisterung für ein Ehrenamt auch nach der EURO 2024 zu übertragen. Den Freiwilligen standen kostenlose Weiterbildungsangebote wie Erste-Hilfe-Kurse, Schiedsrichter:innenlehrgänge, Kindertrainer:innenlizenzen offen. Die Maßnahmen waren ein Erfolg: Allein beim Hamburger Fußballverband gibt es dank Fortbildungen im Rahmen der EURO nun 17 neue Kindertrainer:innen, 33 neue DFB-Basis-Coaches und 24 neue Schiedsrichter:innen. Insgesamt haben rund 70 Freiwillige, die sich während der EURO 2024 engagiert haben, ein langfristiges Ehrenamt in Hamburg übernommen.
Ökologie
Mobilität
Das zur EURO 2024 entwickelte Mobilitätskonzept hatte zum Ziel, die Besucher:innen in Hamburg möglichst schnell, bequem und nachhaltig von A nach B zu bringen. Dabei hat das Konzept eine überwiegende Anreise mit dem Umweltverbund – also dem Zusammenspiel aus ÖPNV, Rad- und Fußverkehr – vorgesehen. Inhaber:innen eines Stadiontickets konnten von einem im Stadionticket inkludierten und für 36 Stunden im Gesamtnetz des Hamburger Verkehrsverbundes (hvv) gültigen ÖPNV-Ticket Gebrauch machen. Für die Anreise zum Stadion wurde die Taktung des S-Bahn-Verkehrs erhöht und es kamen Shuttle-Busse zum Einsatz. Sowohl am Stadion als auch an der Fan Zone standen Abstellflächen für private Fahrräder, StadtRAD und E-Scooter zur Verfügung. Für die An- und Abreise zum Stadion nutzten rund 80 Prozent der Fans den ÖPNV. Zur Fan Zone sind rund 86 Prozent mit dem Umweltverbund angereist, davon 60 Prozent mit dem ÖPNV, 15 Prozent zu Fuß und 11 Prozent mit dem Rad oder Scooter. Die Umsetzung des Verkehrskonzepts verlief sehr erfolgreich und hat gezeigt, dass der Hamburger Umweltverbund in der Lage ist, für Veranstaltungen in der Größenordnung der EURO 2024 nachhaltige Mobilitätsangebote zu bieten.
Abfallmanagement: reduce, reuse, recycle
Die europäische Abfallhierarchie nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz und die Vorgaben des Hamburgischen Abfallwirtschaftsgesetzes waren Leitlinie für die EURO 2024: Abfälle galt es weitestgehend zu vermeiden, nicht vermeidbare Abfälle getrennt zu sammeln und umweltfreundlich zu verwerten. Wo immer möglich, sollten Mehrwegkonzepte zum Einsatz kommen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Entwicklung eines Abfallmanagementkonzepts für die Fan Zone.
Im Sinne der Kreislaufwirtschaft wurde das Abfallaufkommen auf der Fan Zone so weit wie möglich reduziert. Besuchende hatten die Möglichkeit, dennoch anfallenden Abfall getrennt zu entsorgen, sodass er anschließend recycelt werden konnte. Getränke und Speisen wurden ausschließlich in Mehrweggeschirr angeboten. So kamen Plastikflaschen und Einweggeschirr gar nicht erst zum Einsatz und konnten später nicht zu Abfall werden. Ausnahmen galten für Speisen, die ohne Teller auskamen und die direkt mit einer Serviette auf die Hand oder in unbeschichtetem Papier ausgegeben werden können (z.B. Pommestüten).
Eine wichtige Voraussetzung für die Durchsetzung des Abfallmanagementkonzepts waren die im Vorfeld entwickelten Nachhaltigkeitskriterien, die für alle, die auf der Fläche aktiv waren (wie Gastronom:innen und Sponsor:innen) Verbindlichkeit hatten. Mit Verweis auf diese Kriterien konnte zum Beispiel erreicht werden, dass ein Sponsor im Softdrinkbereich seine Getränke nicht wie zunächst geplant in 0,5l-Einweg-PET-, sondern in Mehrwegflaschen angeliefert hat. So konnten mehr als 60.000 Einweg-PET-Flaschen eingespart werden.
Alle, die auf der Fläche als Dienstleistende und Beteiligte eingebunden waren, waren angehalten, digitale Kommunikationskanäle zu nutzen und auf Flyer und Broschüren zu verzichten. Give-Aways und Geschenke durften nur nach vorheriger Anmeldung beim Veranstalter ausgegeben werden. Durch einen konsequenten Fokus auf Abfallvermeidung und den Einsatz von Mehrwegsystemen konnte das Abfallaufkommen der Fan Zone stark reduziert werden. Pro Person sind lediglich rund 76 g Abfall angefallen. Zudem ist es gelungen, 32 Prozent des dennoch anfallenden Abfalls nach Fraktionen getrennt zu sammeln, die wieder in Kreisläufe zurückgeführt werden konnten. Lediglich 68 Prozent sind als Restmüll angefallen.
Green Volunteers
Speziell geschulte Green Volunteers haben die Besuchenden auf der Fan Zone bei der Abfalltrennung und bei der Nutzung des Mehrwegsystems unterstützt und Taschenaschenbecher verteilt. Die freiwilligen Helfer:innen haben zudem bei der Durchführung von Umfragen zur klimafreundlichen Anreise und zur Nutzung des Mehrwegkonzepts unterstützt und waren Augen und Ohren, um im Veranstaltungsverlauf Verbesserungspotentiale in Sachen Nachhaltigkeit zu entdecken.
Versorgung mit Lebensmitteln
Auf der Fan Zone stand ein vielfältiges Speiseangebot zur Verfügung. Dabei waren mehr als 50 Prozent der angebotenen Speisen vegan oder vegetarisch, um eine gesunde Ernährung und einen klimafreundlichen Lebensstil zu fördern. Orangen, Bananen, Avocados, Schokolade, Kaffee und Tee durften nur mit einem Fair-Trade-Siegel angeboten werden.
Good Governance
Green Events Siegel „Premium“
Um extern überprüfen zu lassen, wie erfolgreich die Umsetzung der Nachhaltigkeitsmaßnahmen auf der Fan Zone war, hat die Veranstalterin der Fan Zone, die bergmanngruppe, den Zertifizierungsprozess für das Green-Events-Siegel durchlaufen. Dabei hat Green Events die Umsetzung der Fan Zone durch eine Inspektion auf der Veranstaltungsfläche und durch die Prüfung von Dokumenten anhand von 119 Nachhaltigkeitskriterien ausgewertet. Die bergmanngruppe hat dabei 129 von 161 möglichen Punkten erhalten und wurde mit dem Green-Events-Siegel in der höchstmöglichen Stufe „Premium“ ausgezeichnet.