Artenschutz

Amphibien in Hamburg – Schutz, Wanderungen und Artenvielfalt

Wenn im Frühjahr die Temperaturen steigen und die Nächte feucht werden, beginnt in Hamburg ein faszinierendes Naturschauspiel: die Amphibienwanderung. Tausende Kröten, Frösche und Molche machen sich dann auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Dabei sind sie auf unsere Rücksicht und Unterstützung angewiesen.

  • Umwelt, Klima, Energie, Agrarwirtschaft
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Grasfrosch (Rana temporaria)
Grasfrosch (Rana temporaria) Axel Becker

Amphibien – wichtige Bewohner unserer Stadt

Amphibien gehören zu den ältesten Wirbeltieren der Erde. Sie leben sowohl an Land als auch im Wasser und sind ein wichtiger Bestandteil unserer Ökosysteme. Als Insektenfresser helfen sie, das ökologische Gleichgewicht zu erhalten, und dienen gleichzeitig anderen Tieren als Nahrung. Da Amphibien sehr empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren, gelten sie als wichtige „Frühwarnsysteme“ für den Zustand der Natur.

Kreuzkröte (Epidalea calamita)
Kreuzkröte (Epidalea calamita) Axel Becker

Gleichzeitig zählen Amphibien zu den am stärksten gefährdeten Tiergruppen. Viele Arten sind in ihren Beständen rückläufig oder bereits verschwunden. Ursachen sind vor allem der Verlust und die Zerschneidung geeigneter Lebensräume, etwa durch Bebauung und Straßenbau, der Straßenverkehr während der Wanderzeiten, Umweltverschmutzung sowie die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels. Auch die Entwässerung von Feuchtgebieten und eine intensive Flächennutzung erschweren das Überleben vieler Arten. Schutzmaßnahmen wie Amphibienschutzzäune, der Erhalt und die Entwicklung naturnaher Gewässer sowie eine rücksichtsvolle Nutzung von Grünflächen tragen dazu bei, bestehende Populationen zu sichern.

Amphibienvielfalt in Hamburg

Insgesamt wurden in Hamburg 17 Amphibienarten nachgewiesen (Rote Liste und Verbreitungsatlas der Amphibien Hamburgs). Sie zeigen, wie vielfältig die Stadtnatur trotz dichter Bebauung noch ist. Gleichzeitig macht ihr Zustand deutlich, wie verletzlich diese Tiergruppe ist.
Einige Arten gelten in Hamburg bereits als verschollen oder ausgestorben. Dazu zählen der Feuersalamander, die Rotbauchunke und die Wechselkröte. Sie konnten seit längerer Zeit nicht mehr sicher nachgewiesen werden.
Weitere Arten stehen kurz vor dem Verschwinden. Die Knoblauchkröte und die Kreuzkröte gelten als vom Aussterben bedroht. Sie sind auf ganz bestimmte Lebensräume angewiesen, die immer seltener werden.
Erfreulicherweise gibt es auch Arten, die derzeit noch als nicht gefährdet eingestuft werden. Dazu gehören die Erdkröte, der Grasfrosch und der Teichmolch. Gerade diese drei Arten begegnen uns während der Amphibienwanderung noch häufiger und stehen stellvertretend für viele Schutzmaßnahmen in Hamburg.

Erdkröte (Bufo bufo)

Die Erdkröte ist die bekannteste und häufigste Amphibienart in Hamburg. Sie ist gut an verschiedene Lebensräume angepasst und fällt durch ihren gedrungenen Körper und die warzige Haut auf. Erdkröten legen auf ihrer Wanderung oft mehrere Kilometer zurück und überqueren dabei auch stark befahrene Straßen.

Erdkröte (Bufo bufo)
Erdkröte (Bufo bufo) Adobe Stock / Karin Jähne

Verbreitungskarte

Grasfrosch (Rana temporaria)

Der Grasfrosch ist etwas schlanker als die Erdkröte und deutlich sprungfreudiger. Seine Haut ist meist glatt und variiert in der Farbe von braun bis grünlich. Grasfrösche sind oft früh im Jahr unterwegs und bevorzugen Teiche, Tümpel und langsam fließende Gewässer. Ihr lauter Laichruf ist im Frühjahr vielerorts gut zu hören.

Grasfrosch (Rana temporaria)
Grasfrosch (Rana temporaria) Adobe Stock / Dora Zett

Verbreitungskarte

Teichmolch (Lissotriton vulgaris)

Der Teichmolch ist kleiner und unauffälliger als Kröten und Frösche. Während der Laichzeit entwickeln die Männchen einen auffälligen Rückenkamm. Teichmolche sind vor allem nachts aktiv und halten sich bevorzugt in naturnahen Gewässern auf. Da sie sich langsam fortbewegen, sind sie bei Straßenquerungen besonders gefährdet.

Teichmolch (Lissotriton vulgaris)
Teichmolch (Lissotriton vulgaris) Adobe Stock / MF Photo

Verbreitungskarte

Die Amphibienwanderung – ein jährlicher Lebenszyklus

Auf dem Weg zum Laichgewässer

Die sogenannte Amphibienwanderung findet meist zwischen Februar und April statt. Sobald die Temperaturen nachts über etwa fünf Grad liegen und es regnet, machen sich Amphibien auf den Weg von ihren Winterquartieren zu den Gewässern, in denen sie selbst geschlüpft sind. Dort paaren sie sich und legen ihre Eier ab.
Viele dieser Wanderwege werden heute von Straßen, Radwegen oder Siedlungen gekreuzt. Besonders in den Abend- und Nachtstunden besteht daher eine große Gefahr für die Tiere. Ohne Schutzmaßnahmen kommen jedes Jahr zahlreiche Amphibien im Straßenverkehr ums Leben.

Zur Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit steht ein Flugblatt zur Amphibienwanderung zum Download zur Verfügung, das von Bürgerinnen und Bürgern genutzt und verbreitet werden kann.

Achtung Amphibienwanderung
Achtung Amphibienwanderung Adobe Stock / wewi-creative

Gefahren und Schutz während der Wanderung

Während der Amphibienwanderung ist besondere Rücksicht gefragt. Temporäre Warnschilder und Straßensperrungen weisen auf bekannte Wanderstrecken hin. Autofahrende werden gebeten, in diesen Bereichen langsam und aufmerksam zu fahren. Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann ebenfalls helfen, indem Tiere vorsichtig von der Straße in Wanderrichtung gesetzt werden – am besten mit Handschuhen oder feuchten Händen.
In Hamburg engagieren sich zudem viele ehrenamtlich Tätige, die Schutzzäune betreuen und Amphibien sicher über Straßen tragen. Dieses Engagement ist ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz.

Moorfrosch (Rana arvalis)
Moorfrosch (Rana arvalis) Axel Becker
Nach dem Laichen – Rückwanderung und Landlebensräume

Nach der Eiablage verbleiben die erwachsenen Tiere noch einige Zeit im Gewässer. Anschließend beginnt die Rückwanderung in ihre Sommerlebensräume. Diese liegen häufig in Wäldern, Heckenstrukturen, Parks, Gärten oder naturnahen Grünflächen.
Amphibien benötigen strukturreiche Landlebensräume mit Versteckmöglichkeiten wie Totholz, Laubhaufen, Steinen oder dichtem Bewuchs. Dort finden sie Nahrung und Schutz vor Austrocknung und Fressfeinden.
Mit sinkenden Temperaturen im Herbst suchen sie frostfreie Überwinterungsplätze auf. Geeignet sind beispielsweise Erdhöhlen, Wurzelbereiche, Kompost- oder Laubhaufen sowie andere geschützte Hohlräume im Boden. In dieser Winterruhe reduzieren die Tiere ihren Stoffwechsel stark und überdauern so die kalte Jahreszeit bis zum nächsten Frühjahr – wenn der Kreislauf der Wanderung erneut beginnt.

Grasfrosch (Rana temporaria) mit Laich
Grasfrosch (Rana temporaria) mit Laich Axel Becker

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Hamburg setzt sich aktiv für den Schutz seiner Amphibien ein – doch langfristig gelingt dies nur mit Unterstützung der gesamten Stadtgesellschaft. Ob im eigenen Garten, im Straßenverkehr, bei der Pflege von Gewässern (Leitfaden Regenrückhaltebecken) oder durch ehrenamtliches Engagement: Jede und jeder kann einen Beitrag leisten. Amphibien sind ein wertvoller Teil der Hamburger Stadtnatur – und verdienen unsere Aufmerksamkeit und unseren Schutz.

  • Garten naturnah gestalten
    Strukturreiche Gärten mit heimischen Pflanzen, Laubhaufen, Totholz oder kleinen Wasserstellen bieten Amphibien wichtige Rückzugsräume. Auf chemische Pflanzenschutzmittel sollte möglichst verzichtet werden. Rasen- und Wiesenflächen sollten nicht vollständig und nicht zu häufig gemäht werden; Randstreifen oder Teilbereiche als Rückzugsräume stehen bleiben. Bei feuchter Witterung ist besondere Vorsicht geboten, da Amphibien dann vermehrt aktiv sind und sich im Gras aufhalten können.
  • Vorsichtig fahren und aufmerksam sein
    In bekannten Wandergebieten hilft eine angepasste Geschwindigkeit, Tiere auf der Fahrbahn rechtzeitig zu erkennen und zu schützen. Hinweisschilder sollten besonders beachtet und befolgt werden.
  • Beobachtungen melden
    Sichtungen können die Naturbeobachtungsplattform Observation.org bzw. die App ObsIdentify gemeldet werden (Artenkataster Hamburg). Solche Meldungen liefern wichtige Daten für den Arten- und Biotopschutz.
  • Lokale Projekte und Verbände unterstützen
    Viele Schutzmaßnahmen, etwa das Aufstellen und Betreuen von Amphibienschutzzäunen, werden von ehrenamtlich Tätigen getragen. Unterstützung vor Ort stärkt den praktischen Naturschutz (siehe Links unten).
  • Lebensräume erhalten
    Laub- und Reisighaufen sollten möglichst über den Winter liegen bleiben. Sie dienen Amphibien als Unterschlupf und Überwinterungsplatz.
  • Haustiere im Blick behalten
    Freilaufende Hunde und Katzen können Amphibien gefährden. In sensiblen Bereichen ist besondere Rücksicht wichtig.
  • Gefahrenquellen im Wohnumfeld vermeiden
    Auch scheinbar harmlose Einrichtungen können zur Falle werden. In den Boden eingelassene Trampoline, Lichtschächte, Kellertreppenabgänge oder offene Schächte sind für Amphibien oft nicht selbstständig zu verlassen. Abdeckungen, engmaschige Gitter oder einfache Ausstiegshilfen wie schräge Bretter können hier Abhilfe schaffen.
  • Osterfeuer und Gartenfeuer beachten
    Holz- und Reisighaufen können Amphibien als Versteck oder Unterschlupf dienen. Werden diese für Oster- oder Gartenfeuer genutzt, sollten sie möglichst erst kurz vor dem Anzünden aufgeschichtet oder vorher noch einmal umgesetzt werden. So können sich darin versteckte Tiere rechtzeitig entfernen.
Naturnah angelegter Teich im neuen Schaugarten des NaturGarten e.V. in Hamburg-Ohlsdorf
Naturnah angelegter Teich im neuen Schaugarten des NaturGarten e.V. in Hamburg-Ohlsdorf Christine Stecker / Loki Schmidt Stiftung

Weitere Informationen

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Amphibien unterwegs - Bitte Rücksicht nehmen

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Unterhaltung von naturnahen Rückhaltebecken

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Amphibien und Reptilien

Amt für Naturschutz und Grünplanung

Atlas der Amphibien und Reptilien Hamburgs 2018

Artenbestand, Verbreitung, Gefährdung, Schutz (Dezember 2018)

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