Vernetzung von Lebensräumen

Biotopverbund

In einer wachsenden Großstadt wie Hamburg stellen Bauvorhaben und Versiegelung Tiere und Pflanzen vor große Herausforderungen: Sie verlieren Lebensraum, können sich nicht mehr ausbreiten oder durch räumliches Ausweichen auf den Klimawandel reagieren. Der Biotopverbund, der im Bundesnaturschutzgesetz verankert ist, soll die Lebensräume sichern, wieder verbinden und aufwerten. Nur so kann die Biodiversität vor dem Hintergrund der aktuellen Klimaveränderungen erhalten werden.

  • Umwelt, Klima, Energie, Agrarwirtschaft
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Darstellung des Biotopverbunds der Gewässer-, Feucht,- Wald- und Trockenlebensräume in Hamburg aus der Fachgrundlage Biotopverbund.
Darstellung des Biotopverbunds der Gewässer-, Feucht,- Wald- und Trockenlebensräume in Hamburg aus der Fachgrundlage Biotopverbund. Naturschutzbehörde

Ausgangspunkt für die Planung des Hamburger Biotopverbunds ist die Überlegung, welche Lebensräume oder Arten miteinander verbunden werden sollen. Die hierfür geeigneten Flächen wurden über den naturschutzfachlichen Wert von Biotopen, das Vorhandensein von Zielartenvorkommen und aus der Lage der Flächen im räumlichen Zusammenhang festgelegt. Aus dem Biotopkataster wurden die für die Feucht-, Trocken-, Wald- und Gewässerlebensräume charakteristischen Biotoptypen ausgewählt und als Kernflächen dem Biotopverbund zugeordnet, sofern sie im Rahmen der Biotopkartierung mindestens als wertvoll bewertet wurden. Daneben wurden auf der Grundlage von Gutachten zu den Artengruppen Pflanzen, Vögel, Säugetiere, Libellen, Heuschrecken und Tagfalter sowie der Amphibien und Reptilien Zielarten ausgewählt, um weitere geeignete Kernflächen für den Biotopverbund zu ermitteln. Verbindungsflächen und -elemente als räumliche Ergänzung der Kernflächen wurden mithilfe der für geografische Informationssysteme entwickelten Anwendung HABITAT-NET ermittelt, die auch den bundesweiten Überlegungen für den länderübergreifenden Biotopverbund zugrunde gelegt wurde.  

Die Flächen des Biotopverbundsder Karte Arten- und Biotopschutz des Landschaftsprogramms sowie die Flächen der Fachgrundlage Biotopverbund können im Geoportal Hamburg aufgerufen werden. Die flächen- und maßnahmenbezogenen Inhalte zum Biotopverbund wurden in einer nicht abgestimmten fachlichen Grundlage für den Biotopverbund zusammengefasst, auf deren Grundlage die Integration des Biotopverbunds in die Karte Arten- und Biotopschutz des Landschaftsprogramms erfolgte. Die Karte Arten- und Biotopschutz mit ihrem dazugehörigen Erläuterungsbericht ist ein wesentlicher, verbindlicher Bestandteil des Landschaftsprogramms und wird von der Hamburgischen Bürgerschaft beschlossen. 

Hamburg hat rund 23 % seiner Landesfläche als Biotopverbund rechtlich gesichert. Aber der Biotopverbund muss auch die Landesgrenzen überwinden, um Tieren und Pflanzen eine effektive Ausbreitung und den überlebenswichtigen genetischen Austausch zu ermöglichen. Für die Metropolregion Hamburg wurde im Rahmen des Leitprojektes „Biotopverbund in der Metropolregion“ daher eine Übersichtskarte für den Biotopverbund in der gesamten Metropolregion Hamburg entwickelt sowie die aktuellen Planungsstände in der Metropolregion Hamburg zusammengeführt. 

Biotopverbundflächen
Darstellung der rechtlich gesicherten Biotopverbundflächen (blau gepunktete Flächen) sowie des linearen Biotopverbunds (blaue Pfeile); abrufbar im Geoportal Hamburg. Naturschutzbehörde

Umsetzung des Biotopverbunds

Der Biotopverbund ist im Naturschutzgesetz verankert (§§ 9, 20 und 21 BNatSchG sowie § 9 HmbBNatSchAG). Daher müssen die Flächen des Biotopverbunds sowie der lineare Biotopverbund im Rahmen der Stadtentwicklung und Bauleitplanung beachtet und erhalten werden.

Um die ökologische Durchgängigkeit zu erhalten, müssen Verkehrsinfrastrukturvorhaben so geplant und umgesetzt werden, dass die Barrierewirkung und das Tötungsrisiko für geschützte Arten minimiert werden. Auch bestehende Verkehrswege können umgestaltet werden. Eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit und das Aufstellen von Wildwarnschildern können Unfallschwerpunkte entschärfen und Mensch und Tier schützen. Faunatunnel, abgesenkte Bordsteine, Amphibienausstiegshilfen und -leitanlagen helfen Amphibien und anderen (Klein-)Tieren beim Queren von Straßen oder Gleisen. Das „Merkblatt zur Anlage von Querungshilfen für Tiere und zur Vernetzung von Lebensräumen an Straßen“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen bietet hier erprobte Lösungen für die straßenbauliche Praxis.

Durch Naturschutzmaßnahmen, etwa in Naturschutzgebieten, wird der Biotopverbund gestärkt. So werden beispielsweise feuchte Lebensräume wie Moore, die unter den immer häufiger auftretenden Trockenperioden leiden, wieder vernässt und neue Gewässerlebensräume angelegt. Dadurch finden die für diese Biotope typischen Tiere und Pflanzen wieder einen Lebensraum. Außerdem binden intakte Moore enorme Mengen Kohlenstoffdioxid.

Anlage von Kleingewässern
Die Anlage von Kleingewässern schafft neue Lebensräume und Trittsteine für Amphibien und viele weitere Tier- und Pflanzenarten. Jan-Philipp Kappner

In Hamburg kommt auch dem Stadtgrün eine wichtige ökologische Bedeutung zu. Durch eine naturnahe Gestaltung und Unterhaltung können Park- und Grünflächen nicht nur dem Menschen, sondern auch Tieren und Pflanzen als Lebensraum und Wanderkorridore dienen. Das Naturschutzgroßprojekt „Natürlich Hamburg!“ zeigt, wie das funktionieren kann.

Als bedeutsame Hafenstadt verfügt Hamburg noch heute über ein dichtes Netz an Fleeten und Gewässern. Viele sind von dichter Bebauung geprägt und in einem naturfernen Zustand. Um die Hamburger Gewässer fit für die Zukunft zu machen, setzt das Naturschutzgroßprojekt „Hamburg, deine Flussnatur“ nach einer intensiven Planungsphase Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung und damit zur Sicherung und Entwicklung des Biotopverbunds um.

Schwimmende Inseln in der Außenalster
Schwimmende Inseln, hier in der Außenalster durch das Projekt „Lebendige Alster“ installiert, bieten Brut- und Rückzugsmöglichkeiten für Vögel und andere Tiere. Daneben schützen sie die Uferbereiche und die dortige Vegetation vor Wellenschlag und unerlaubtem Betreten. Christian Kemnade

Aber auch auf kleinen privaten oder öffentlichen Flächen können Maßnahmen für den Biotopverbund umgesetzt werden. Das Projekt „Moin StadtNatur“ bietet eine kostenlose Beratung für die naturnahe Gestaltung von Gärten, Balkonen und Freiflächen an. Daneben hat Hamburg einen Wettbewerb zum „Abpflastern“ gestartet, um Flächen zu Entsiegeln. Auch hier bieten sich Möglichkeiten, den Biotopverbund, besonders in stark verbauten Innenstadtbereichen, kleinteilig zu stärken.

Weiterführende Links:

Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Bundesamt für Naturschutz

Kontakt

Christian Kemnade

Management Hamburger Naturschutzgebiete

Freie und Hansestadt Hamburg
Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft