Belastung an Bord

Wie können Seeleute konkret unterstützt werden

Die aktuelle Seeblockade in der Straße von Hormuz zeigt erneut, wie stark Seeleute unter Stress, Unsicherheit und Isolation geraten können. Genau dafür entwickelt das Team aus Wissenschaftler:innen, Reedereien und IT-Spezialist:innen im Projekt AI-healthy ship die App „SeaWell“ zur digitalen Unterstützung: Crewmitglieder erhalten konkrete, personalisierte Empfehlungen für Gesundheit, Erholung und Wohlbefinden an Bord. Die Basis dafür bieten Daten von Wearables, wie Fitnessuhren, und Umweltsensoren sowie persönliche Informationen und Anforderungen.

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Schiff am Kai mit Ladekran
BWAI

Wochenlang an Bord. Kaum Rückzug. Wenig Bewegungsspielraum. Hohe Verantwortung im Schichtsystem. Die darüber hinaus aktuell bestehenden militärischen Spannungen insbesondere in der Straße von Hormuz belasten die psychische Gesundheit tausender Seeleute massiv, da ständige Bedrohungen durch Beschuss und Festsetzungen ein Klima permanenter Angst erzeugen. Die wochenlange Ungewissheit während des Wartens auf Reede führt bei den Besatzungen zu einem Gefühl der Hilflosigkeit und extremer emotionaler Erschöpfung. Erschwert wird diese Situation durch die unfreiwillig verlängerte Trennung von ihren Familien, was die psychosoziale Resilienz der Betroffenen bis an die Belastungsgrenze strapaziert. Ohne eine Deeskalation droht eine langfristige Schädigung der mentalen Gesundheit derer, die die globale Versorgung aufrechterhalten.

Genau hier setzt AI-healthy ship an. Das Projekt entwickelt mit SeaWell eine digitale Unterstützung für Seeleute, die direkt im Bordalltag helfen soll: niedrigschwellig, individuell und möglichst passgenau.

Mit Unterstützung einer App werden Gesundheitsfaktoren gebündelt, ausgewertet und individuelle Empfehlungen gegeben
Mit Unterstützung einer App werden Gesundheitsfaktoren gebündelt, ausgewertet und individuelle Empfehlungen gegeben BWAI

Das Prinzip dahinter ist bewusst einfach gehalten. Ein Crewmitglied gibt an, wie es ihm geht– zum Beispiel, ob Müdigkeit, Stress, Erschöpfung oder mangelnde Erholung gerade eine Rolle spielen. Ergänzt werden diese Angaben durch weitere Informationen, etwa aus Fragebögen, von Smartwatches oder aus Messungen an Bord, zum Beispiel zu Umgebungseinflüssen oder Belastungen im maritimen Alltag.

Wissenschaftliche Untersuchung und Begleitung für das Projekt AI Healthy Ship
Wissenschaftliche Untersuchung und Begleitung für das Projekt AI Healthy Ship BWAI

Aus diesen Informationen soll SeaWell zunehmend besser ableiten, welche Unterstützung in einer konkreten Situation sinnvoll sein kann. Das Ergebnis sind keine abstrakten KI-Auswertungen, sondern praktische Empfehlungen. Diese Interventionen können je nach Lage sehr unterschiedlich sein: von kurzen Impulsen für Regeneration, Bewegung oder Entspannung über Tipps zu Schlaf, Erholung und Selbstmanagement bis hin zu alltagstauglichen Maßnahmen, die auch unter Bordbedingungen realistisch umsetzbar bleiben. Je nach Ausgestaltung können darunter auch motivierende oder spirituelle Impulse sein, wenn diese im Nutzungskontext gewünscht und passend sind.

Das Projektteam ist für die Borduntersuchung mit auf See, um Daten und App unter Realbedingungen zu testen (laufende Borduntersuchung mit SeaWell vom 14.–21.04.2026)
Das Projektteam ist für die Borduntersuchung mit auf See, um Daten und App unter Realbedingungen zu testen (laufende Borduntersuchung mit SeaWell vom 14.–21.04.2026) BWAI

Gerade das macht den Ansatz so relevant: Nicht jede Maßnahme hilft jeder Person zu jedem Zeitpunkt. Was für ein erschöpftes Crewmitglied in einer ruhigen Phase sinnvoll ist, kann in einer angespannten Schicht- oder Belastungssituation unpassend sein. SeaWell soll deshalb nicht einfach allgemeine Gesundheitstipps ausspielen, sondern passgenaue Empfehlungen für unterschiedliche Personen und Situationen an Bord ermöglichen.

Das Projekt will eine Lücke schließen: Seeleute haben während ihrer oft langen Aufenthalte an Bord in der Regel keinen direkten Zugang zu Gesundheits- oder Fitnesspersonal. Genau dort kann eine digitale, persönliche Anleitung zur Erhaltung und Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden einen praktischen Unterschied machen.

Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung von: Prof. Dr. Marcus Oldenburg (Justizbehörde Hamburg) / Julia Baumert (Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM)) / Projektteam AI Healthy Ship

Pressehinweis: Text und Fotos dürfen nur redaktionell unter Nennung der o.g. Quelle frei verwendet werden. Bitte senden Sie ein Belegexemplar an efre@bwai.hamburg.de

AI-healthy ship ist ein Verbundprojekt unter Beteiligung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf sowie weiterer Hamburger Partner aus Entwicklung (Software Firma Lionizers) und maritimer Praxis (Peter Döhle Schifffahrts-KG und Reederei NORD). Gefördert wird das Vorhaben durch die Europäische Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie durch die Freie und Hansestadt Hamburg. Die Projektpartner bringen zudem Eigenmittel ein.

Projektwebseite: Start > AI Healthy Ship

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