Fachtag 2025

Gemeinsam für eine inklusive Gesundheits-Versorgung – Fachtag

Am 22. Januar 2025 fand in Hamburg eine Fachveranstaltung zur Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderungen statt. Eingeladen hatten die Senatskoordinatorin für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen und die Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V.

  • Senatskoordinatorin für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen
Die Referentinnen des Fachtages, der Moderator und die Teilnehmerinnen der Fish Bowl stehen in einer von links nach rechts. Im Hintergrund ein heller, moderner Flur.
Die Referentinnen und Fishbbowl Teilnehmerinnen der Fachveranstaltung 2025 SkbM
Vreni Steinack spricht in ein Mikrophon. Im Hintergrund ein Aufsteller der Senatskoordinatorin
Vreni Steinack SkbM

Ziel war es, zentrale Herausforderungen in der medizinischen Versorgung von Menschen mit Behinderungen zu identifizieren und Lösungsansätze für eine inklusivere Gesundheitsversorgung zu diskutieren.

Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der gynäkologischen Versorgung für Frauen mit Mobilitätseinschränkungen. In diesem Zusammenhang stellte die Münchner Fachreferentin für Frauen- und Gesundheitspolitik Vreni Steinack das Modell einer spezialisierten gynäkologischen Sprechstunde vor, die seit 2021 in der bayerischen Landeshauptstadt angeboten wird. Die Evaluation der Sprechstunde zeigt eine hohe Zufriedenheit der Patientinnen, da sie dort auf gut geschultes Personal und eine barrierefreie Ausstattung treffen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es Herausforderungen gibt – etwa lange Wartezeiten, begrenzte finanzielle Mittel und fehlende Möglichkeiten für eine fortlaufende Betreuung. Dennoch gilt das Modell als wertvoller Impuls für andere Städte und könnte als Vorbild für ähnliche Angebote dienen.

 Aus wissenschaftlicher Perspektive beleuchtete die Bremer Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Monika Urban die Ergebnisse einer aktuellen Studie zur barrierefreien gynäkologischen Versorgung. Sie zeigte auf, dass trotz der seit Jahren bestehenden Verpflichtung zur gleichwertigen medizinischen Versorgung gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland erhebliche Defizite bestehen. Ihre Untersuchung ergab, dass nur 24 Prozent der gynäkologischen Praxen vollständig barrierefrei sind und lediglich 16 Prozent über höhenverstellbare Untersuchungsstühle verfügen. Viele Patientinnen berichteten zudem von unangemessenen oder respektlosen Erfahrungen in den Praxen, die nicht selten dazu führten, dass sie gynäkologische Untersuchungen ganz vermieden. Gleichzeitig wiesen die befragten Ärzt*innen darauf hin, dass sie sich oft nicht ausreichend auf diese Patientinnengruppe vorbereitet fühlen und der zusätzliche Zeitaufwand kaum finanziell abgedeckt wird. Urbans Fazit war daher eindeutig: Es braucht gezielte finanzielle und strukturelle Maßnahmen, um die gynäkologische Versorgung inklusiver zu gestalten und bestehende Barrieren konsequent abzubauen.

Silke Koppermann spricht in ein Mikrofon. Im Hintergrund der Aufsteller der Senatskoordinatorin
Silke Koppermann SkbM

Auf die praktische Ebene brachte das Thema die Hamburger Frauenärztin und Psychotherapeutin Silke Koppermann, die aus eigener Erfahrung über die Realität in gynäkologischen Praxen berichtete. Sie machte deutlich, dass viele Barrieren nicht nur baulicher Natur sind, sondern auch durch fehlendes Wissen und mangelnde Vorbereitung im Praxisalltag entstehen. Ärztinnen und medizinische Fachkräfte seien oft unsicher im Umgang mit Patientinnen mit Behinderungen, weil entsprechende Schulungen fehlen und das Thema in der Ausbildung kaum behandelt wird. Gleichzeitig betonte sie, dass bereits mit einfachen Maßnahmen, wie einer besseren Terminplanung oder niedrigschwelligen Schulungsangeboten, viel erreicht werden könnte. Allerdings, so Koppermann, sei es nicht damit getan, auf freiwilliges Engagement einzelner Ärztinnen zu setzen – es brauche klare gesetzliche Vorgaben und finanzielle Anreize, um eine umfassende Veränderung zu bewirken.

In den anschließenden Workshops wurde die Thematik weiter vertieft. Anhand eines Fallbeispiels einer Rollstuhlfahrerin, die aufgrund ihrer Behinderung eine notwendige Operation verweigert bekam, wurden zentrale Problembereiche identifiziert. Die Teilnehmenden diskutierten Lösungen zur Verbesserung der Barrierefreiheit in Arztpraxen, zur besseren Schulung von medizinischem Personal und zur Stärkung der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen. Es wurde deutlich, dass strukturelle Veränderungen notwendig sind, um eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen. Dazu gehören nicht nur gesetzliche Vorgaben für barrierefreie Arztpraxen, sondern auch eine angemessene Honorierung des Mehraufwands für Ärzt*innen sowie der Ausbau von Beratungs- und Unterstützungsangeboten.

Notizen in grüner Handschrift auf gelben Moderationskarten. Eine rotbraune Brille liegt aufgeklappt auf den Notizen
SkbM

Die Veranstaltung machte deutlich, dass es bereits gute Ansätze gibt, die Versorgung von Frauen mit Behinderungen zu verbessern. Doch um eine umfassende und flächendeckende Inklusion im Gesundheitswesen zu erreichen, sind weitergehende Anstrengungen notwendig. Die Erkenntnisse aus der Veranstaltung werden nun von der Senatskoordination für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen aufgegriffen, um gemeinsam mit relevanten Akteur*innen konkrete Maßnahmen für Hamburg zu initiieren.

Die Teilnehmerinnen der Fish Bowl Diskussion sitzen kreisförmig angeordnet. Der Moderator steht
Die Teilnehmerinnen der Fishbowl Diskussion SkbM
Die Teilnehmenden von Workshop I an Tischen
Workshop I SkbM
Die Teilnehmenden des Workhops II sitzen in einer Runde zusammen
Workshop II SkbM


Download

Studie zur barrierefreien gynäkologischen Versorgung im Land Bremen

PDF herunterladen [PDF, 935,9 KB]

Anforderung und Realitäten in der gynäkologischen Praxis

PPTX herunterladen [PPTX, 78,9 KB]

Zum Weiterlesen

Text im Vordergrund: Mit uns! Inklusion gestalten. Im Hintergrund: Mehrere bunte Hände sind in die Luft gestreckt.
Sozialbehörde Hamburg

Die neue Internetseite des Hamburger Landesaktionsplans

Mit der neuen Website www.hamburg-gestaltet-inklusion.de wird die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Hamburg noch transparenter und greifbarer.

Blick aus dem Publikum nach vorn: Rednerin am Pult mit Mikrofon, Präsentation im Hintergrund.
SkbM

Fachveranstaltung am 29.06.2026 Bevölkerungsschutz für alle Menschen: Wie kann Krisenvorsorge für vulnerable Gruppen außerhalb institutioneller Versorgungen gelingen?

Krisenvorsorge für besonders schutzbedürftige Menschen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Lesen Sie, wie sich Hamburg dem wichtigen Thema eines inklusiven Bevölkerungsschutzes widmet – damit im Krisenfall niemand zurückgelassen wird!

IRMA Logo (stilisierte Person im Rollstuhl), Schriftzug (blau auf weißem Hintergrund), inkl. Datums- und Ortsangabe
Karlsruher Messe- und Kongress GmbH

IRMA 2026: Gemeinsam Zukunft gestalten – Schirmherrschaft der Senatskoordinatorin

Erleben Sie Innovation, Inklusion und Inspiration auf der Internationalen Reha- und Mobilitätsmesse in Hamburg – erstmals mit Schirmherrschaft. Jetzt mehr erfahren!