Hamburg zeigt Flagge
Mit dem traditionellen Hissen der Pride Flag am Hamburger Rathaus eröffnete Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal gemeinsam mit Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit, Justizsenatorin Anna Gallina, Vertreter*innen von Hamburg Pride und der queeren Community am 24. Juli die Pride Week feierlich.
Erstmals wehte in diesem Jahr die Intersex Inclusive Progress Pride Flag am Hamburger Rathaus. Sie erweitert die Regenbogenflagge um Symbole für trans* und nicht-binäre Menschen, intergeschlechtliche Menschen, rassifizierte queere Menschen sowie die Erinnerung an die Auswirkungen der HIV- und AIDS-Krise.
Mit der erstmaligen Beflaggung unterstrich Hamburg sein klares Bekenntnis zu einer offenen, solidarischen und diskriminierungsfreien Stadtgesellschaft.
„Wir gehen gemeinsam weiter und niemals rückwärts! Die Intersex Inclusive Progress Pride Flag steht für eine Gesellschaft, in der alle Menschen dazugehören und sichtbar sind. Mit ihrer erstmaligen Beflaggung am Hamburger Rathaus machen wir deutlich: Vielfalt ist ein fester Bestandteil unserer Stadt und verdient Schutz, Anerkennung und Respekt. Gerade in Zeiten, in denen Hass und Anfeindungen gegenüber queeren Menschen zunehmen, sind solche sichtbaren Zeichen wichtiger denn je.“
Maryam Blumenthal,
Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung
Gemeinsam in die Pride Week
Auf den symbolischen Auftakt am Rathaus folgten zahlreiche Veranstaltungen, die die Pride Week inhaltlich und kulturell prägten.
Mit dem Pride Empfang im Hamburger Rathaus unter dem Motto „Liebe mit Recht – 25 Jahre Lebenspartnerschaftsgesetz“ begann das Eröffnungswochenende. Gemeinsam mit Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit sowie den queerpolitischen Sprecher*innen der Bürgerschaftsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen, Indira Chudra und Miriam Block, würdigte Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal die Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes als wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu rechtlicher Gleichstellung.
Mit der Pride Night im Curio-Haus startete dann Hamburg Pride offiziell in die Pride Week. Musik, Performances, Gespräche und die Verleihung der Pride Awards an Maren Kroymann und den QueerHistoryMonth Hamburg machten den Abend zu einem emotionalen Auftakt, der die Vielfalt und den Zusammenhalt der queeren Community in den Mittelpunkt stellte.
In ihrem Grußwort betonte Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal die besondere Bedeutung der Pride Week in einer Zeit, in der queerfeindliche Anfeindungen zunehmen. Sichtbarkeit, Solidarität und der Schutz von Minderheiten seien zentrale Voraussetzungen für eine starke Demokratie. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass Hamburg seinen Weg für Gleichstellung und gesellschaftliche Vielfalt konsequent fortsetzen werden.
Ein Moment des Innehaltens
Die Pride Week 2026 in Hamburg wurde von einem schweren Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin überschattet. Am Abend der Pride Night, dem 25. Juli 2026, fuhr ein Mann mit einem Transporter am Rande der Abschlusskundgebung in Berlin in eine Menschenmenge. Anschließend griff er weitere Menschen mit einer Hieb- beziehungsweise Stichwaffe an. Eine Frau wurde getötet, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. Der Angriff erschütterte die queere Community in ganz Deutschland sowie weltweit und zeigte auf bedrückende Weise, dass Hass gegen LSBTIQ+-Menschen nicht bei Worten endet, sondern in Gewalt umschlagen kann. Er machte deutlich, dass die steigende Zahl queerfeindlicher Straftaten keine abstrakte Statistik ist, sondern das Leben und Sicherheitsgefühl vieler queerer Menschen unmittelbar beeinflusst.
Am Sonntag fand deshalb eine Gedenkveranstaltung an der Lombardsbrücke/Ecke Neuer Jungfernstieg – dem künftigen Denk-Ort für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt – statt. Unter den 800 Teilnehmenden waren neben Maryam Blumenthal auch Justizsenatorin Anna Gallina, Bürgerschaftsabgeordnete, der Polizeipräsident und der Vorstand von Hamburg Pride. Gemeinsam gedachten Sie der Opfer, legten Blumen nieder und setzten ein sichtbares Zeichen gegen Hass und Gewalt. Die Gedenkveranstaltung machte deutlich: Die Antwort auf Einschüchterung ist nicht Rückzug, sondern Zusammenhalt.
„Der Anschlag in Berlin betrifft uns alle. Die gesellschaftliche Akzeptanz für queere Rechte sinkt und queerfeindliche Straftaten nehmen zu. Wir stehen fest an der Seite der queeren Community. Niemand sollte Angst haben müssen, einfach weil sie lieben, wen sie lieben, weil sie sind, wer sie sind. Wir stehen zusammen für eine Zukunft ohne Angst. Jetzt erst recht.“
Maryam Blumenthal, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung
Im Dialog für Vielfalt und Demokratie
Die Pride Week lebt nicht nur von Demonstrationen und sichtbaren Zeichen der Solidarität. Sie ist auch ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der gesellschaftspolitischen Debatte. Zahlreiche Veranstaltungen boten Raum, aktuelle Herausforderungen zu diskutieren, Perspektiven zu teilen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Einen Beitrag dazu leistete auch die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung mit der Diskussionsveranstaltung „Antifeminismus und Queerfeindlichkeit – Das Feindbild als Methode“ im Pride House.
Gemeinsam mit Maryam Blumenthal diskutierten die Autorin und Publizistin Veronika Kracher, Sabine Herberth von der Amadeu Antonio Stiftung sowie Saskia Tsitsigias vom Projekt Selbstbewusst Trans* darüber, wie antifeministische und queerfeindliche Narrative unsere Gesellschaft beeinflussen und welche Strategien ihnen entgegenwirken können. Im Mittelpunkt standen dabei die enge Verbindung beider Phänomene, ihre Bedeutung für demokratiefeindliche Entwicklungen sowie die Frage, wie Politik, Zivilgesellschaft und jede*r Einzelne Haltung zeigen und solidarische Bündnisse stärken können.
Auch aktuelle gleichstellungspolitische Vorhaben fanden Raum im Austausch während der Pride Week. So beteiligte sich Maryam Blumenthal an einer Podiumsdiskussion zum geplanten Hamburger Landesantidiskriminierungsgesetz. Im Mittelpunkt standen die Ziele des Gesetzes und die Frage, wie der Schutz vor Diskriminierung im Verwaltungshandeln künftig weiter gestärkt werden kann.
Gemeinsam für Vielfalt auf die Straße
Den Abschluss der Pride Week bildete das Demonstrationswochenende. Bereits am Freitagabend setzte der Dyke March ein kraftvolles Zeichen für lesbische Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und Solidarität. Zahlreiche Teilnehmende zogen gemeinsam durch die Hamburger Innenstadt und machten auf die Lebensrealitäten und Anliegen von Lesben sowie weiteren FLINTA*-Personen aufmerksam.
Unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“ gingen am Samstag rund 300.000 Menschen beim Christopher Street Day auf die Straße. Nur eine Woche nach dem Anschlag auf den Berliner CSD wurde die Demonstration zu einem eindrucksvollen Zeichen des Zusammenhalts. Trotz erhöhter Sicherheitsvorkehrungen prägten Zuversicht, Solidarität und eine friedliche Atmosphäre den Tag.