Der Themenbereich Bildung, Ausbildung und wissenschaftliche Qualifizierung gibt Aufschluss über die Teilhabe von Frauen und Männern im Qualifikationsprozess, also Chancengleichheit in Schule, Ausbildung und Studium, wie sie im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm des Hamburger Senats gefordert wird. Zu diesem Zweck werden Indikatoren zu schulischer, beruflicher und akademischer Bildung und der Ausbildungsförderung dargestellt.
Bildung spielt eine wichtige Rolle für die Teilhabe am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben, da sie eng mit Integration in den Arbeitsmarkt, Einkommenshöhe und politischem Engagement verbunden ist. Aus individueller Sicht ist Bildung daher ein wichtiger Baustein für ein selbstbestimmtes Leben und die Vermeidung von Altersarmut – ein Ziel, das auch im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm festgeschrieben ist. Zugleich ist bekannt, dass sich geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten bereits im Kindes- und Jugendalter herausbilden und Geschlechterstereotype wie auch geschlechtsspezifische Zuschreibungen dabei eine wichtige Rolle spielen. Diese beeinflussen nachhaltig die Wahl von Berufen und Studienfächern und führen zu Segregationsprozessen, die Mädchen und Frauen auf dem Arbeitsmarkt benachteiligen können. Zusätzlich können Zugangsbarrieren die Geschlechtersegregation begünstigen.
Auch wenn Bildung im weitesten Sinne formell und informell erworbenes Wissen umfasst, wird sie in offiziellen Statistiken in der Regel über die schulischen, betrieblichen und akademischen Abschlüsse erfasst. Insgesamt erzielen Frauen in Hamburg durchschnittlich häufiger als Männer den höchsten schulischen Bildungsabschluss, die allgemeine Hochschulreife.
Im Bereich der beruflichen Bildung ist insbesondere die inhaltliche Ausrichtung der Ausbildung vor dem Hintergrund von Arbeitsmarktchancen, Verdienstunterschieden und Fachkräftemangel interessant. So sind Berufe im technischen Bereich oft mit höheren Einkommen verbunden als Berufe im sozialen Sektor. Insbesondere die von Frauen häufiger gewählten Ausbildungen im Care- und Sozial-Bereich sind oftmals vollschulisch anstatt dual organisiert, was mit Lohneinbußen während der Ausbildung und einer geringeren Praxiserfahrung zum Berufseinstieg verknüpft ist. Weiterhin sind Mädchen nach wie vor in MINT-Ausbildungen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) unterrepräsentiert, ebenso bei den Auszubildenden im Handwerk sowie in Industrie und Handel. Die Förderung von Mädchen im MINT-Bereich ist daher ein explizites Ziel des Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms. Ebenso engagiert sich der Senat für mehr Frauen im Handwerk.
Die Gesellen- und Meisterprüfungen sind wichtige Aufstiegsmöglichkeiten im Handwerk, die unter anderem die Ausbildereignung umfasst. Die zugehörigen Indikatoren geben daher wertvolle Hinweise auf horizontale und vertikale geschlechtsspezifische Segregation, also die unterschiedliche Verteilung von Frauen und Männern über Berufe und Hierarchiestufen (siehe dazu auch Themenbereich Arbeit, Einkommen und Vermögen).
Auch im akademischen Bereich zeigen sich unter Studierenden große Geschlechterunterschiede in der Fächerwahl, was sich später auch im Arbeitsleben auswirkt. Auffällig ist das Phänomen der „Leaky Pipeline“: Je höher die Hierarchiestufe, desto geringer der Frauenanteil – dies gilt in Hamburg (trotz positiver Entwicklungen) insbesondere mit Blick auf Professuren. Der Mangel von Frauen in höheren (Führungs-)Positionen ist dabei sowohl in der beruflichen als auch akademischen Bildung von großer Relevanz. Er verdeutlicht zum einen die hohen Hürden, denen sich Frauen noch immer beim Aufstieg gegenübersehen. Zum anderen führt er zu einem Mangel an Identifikationsfiguren und Vorbildern für Mädchen und junge Frauen, was die eigene Karriereplanung beeinflussen kann. Um diesem Problem entgegenzuwirken, setzt die Freie und Hansestadt Hamburg weiterhin verschiedene Maßnahmen und Programme um, die darauf abzielen, den Anteil von Professorinnen zu erhöhen (siehe aktuelles Gleichstellungspolitisches Rahmenprogramm).