Liebe Hamburgerinnen und Hamburger,
die Mehrheit der Hamburger Bevölkerung ist weiblich – aber diese 51 Prozent sind noch immer nicht gleichgestellt. Wer das ändern will, braucht Klarheit statt Annahmen. Der Hamburger Gleichstellungsmonitor liefert dafür eine wichtige Datengrundlage. Er schafft einen fundierten Überblick über die Gleichstellung von Frauen und Männern in Hamburg und macht bestehende Unterschiede sichtbar. Anhand von 78 zentralen Indikatoren beleuchtet er Bereiche wie politische Teilhabe, Bildung und wissenschaftliche Qualifizierung, Arbeit, Einkommen und Vermögen, Sorgearbeit, Gesundheit und Mobilität.
Ein Blick auf die Ergebnisse zeigt: Wir haben bereits wichtige Fortschritte erzielt. Bei der Bürgerschaftswahl 2025 haben sich erstmals mehr Frauen als Männer beteiligt. Der Frauenanteil bei den Mandaten liegt bei einem bisherigen Höchststand von 49 Prozent. Und im Senat sind zum ersten Mal in der Geschichte mehr Frauen als Männer vertreten. Auch in Wissenschaft und Bildung gibt es deutliche Fortschritte: Der Frauenanteil der Hamburger Studierenden ist von 49 auf 54 Prozent gestiegen, auch bei Promovierenden (Anstieg auf 49 Prozent) und Professuren (Anstieg auf 34 Prozent) geht es voran. Das zeigt: Unsere Instrumente wirken.
Aber der Monitor macht auch deutlich: Wir sind nicht am Ziel. Denn auch in Hamburg ist die Realität vieler Frauen noch immer von Ungleichheit geprägt. Für das gleiche Jahreseinkommen arbeiten sie im Durchschnitt neun Wochen länger als Männer. Bei einem Erwerbsleben von 40 Jahren summiert sich das auf mehr als sieben Jahre unbezahlter Arbeit. Frauen tragen weiterhin den Großteil der Sorgearbeit, arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit, sind stärker von Altersarmut betroffen und in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert.
Wer Gleichstellung ernst nimmt, muss genau hinsehen – und Mehrfachdiskriminierung mitdenken. Mehr als ein Viertel der Frauen verfügen über kein oder maximal 1.000 Euro monatliches Nettoeinkommen, bei Frauen mit Migrationsgeschichte sind es mehr als die Hälfte. Das zeigt: „Die Frau" gibt es nicht. Hinter diesem Begriff stehen ganz unterschiedliche Lebensrealitäten: eine alleinerziehende Mutter, eine Teilzeitbeschäftigte, eine Migrantin, eine pflegende Angehörige, eine Frau mit Behinderung, eine ältere Frau oder eine Selbstständige mit unsicherem Einkommen. Und nicht selten kommen mehrere Aspekte zusammen. Wirksam handeln können wir nur, wenn wir diese Vielfalt sichtbar machen und erfassen.
Deshalb entwickeln wir unser Gender Monitoring konsequent weiter – intersektional, differenziert und nah an den realen Lebensbedingungen. So haben wir eine belastbare Grundlage, um Fortschritte zu messen und Handlungsbedarfe zu erkennen.
Ein wichtiger Schritt ist die Erweiterung um das Themenfeld Gesundheit. Auch hier zeigt sich: Frauen wurden lange nicht ausreichend mitgedacht. In Forschung, Diagnostik und Medikamentendosierung galt der männliche Körper als Maßstab. Dieser sogenannte Gender Health Gap hat konkrete Folgen. Dass wir nun erstmals systematisch geschlechterdifferenzierte Gesundheitsdaten abbilden, ist ein wichtiger Schritt.
Mein herzlicher Dank gilt Dr. Ines Schäfer und ihrem Team vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) für die Aufbereitung und Bereitstellung der Daten der Hamburg City Health Study (HCHS). Ich bedanke mich außerdem beim Statistikamt Nord für die professionelle Aufarbeitung und Beschreibung der Daten der amtlichen Statistik sowie die Programmierung aller Grafiken und Tabellen. Ein großer Dank geht ebenfalls an die hamburg.de GmbH für die technische Umsetzung.
Abschließend möchte ich mich herzlich bei den Hamburger Fachbehörden bedanken, die in dieser Fortschreibung Daten zugeliefert und uns bei deren Einordnung unterstützt haben und Dr. Janina Zeh sowie dem gesamten Team des Referats „Frauen und Gleichstellung“ in der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung.
Der Hamburger Gleichstellungsmonitor ist kein Bericht über die Vergangenheit. Er ist ein Instrument, das mit unseren Zielen wächst. Wir gestalten mit ihm die Zukunft unserer Gleichstellungspolitik.
Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre.
Ihre
Maryam Blumenthal
Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung