Im Themenbereich Lebenswelt werden Indikatoren zu Leben und Lebensformen, Kriminalität, Mobilität, Sport und Gesundheit dargestellt. Lebensweltliche Aspekte stehen in wechselseitigem Verhältnis mit den Themen der vorangegangenen Kapitel: Partizipation, Bildung, Vermögen und Erwerbs- und Sorgearbeit beeinflussen die persönlichen Lebensumstände und werden von diesen beeinflusst.
Im Unterkapitel Leben und Lebensformen liefern insbesondere Unterschiede in Lebenserwartung und Todesarten Hinweise auf geschlechtsspezifische Unterschiede in Gesundheitsverhalten und der Exposition gegenüber Risikofaktoren. Die sich dadurch ergebende höhere Lebenserwartung für Frauen führt dazu, dass Frauen im Alter häufiger alleinstehend sind und somit seltener durch Angehörige gepflegt werden können.
Sicherheit ist eine zentrale Voraussetzung dafür, das eigene Leben selbstbestimmt gestalten zu können. Die Indikatoren zu Kriminalität zeigen, dass Männer über alle Deliktgruppen hinweg durchschnittlich häufiger abgeurteilt, verurteilt und inhaftiert werden. Insbesondere der hohe Männeranteil unter Täter:innen bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung legt nahe, dass Frauen deutlich häufiger Opfer von sexueller Gewalt sind –eine Annahme, die in anderen Statistiken und Studien Bestätigung findet (siehe z. B. hier).
Ein neues Set von Indikatoren zu Mobilität liefert vertiefte geschlechterdifferenzierte Erkenntnisse zum Mobilitätsverhalten sowie der Verfügbarkeit von Pkw und Fahrrad. Die Daten zeigen, dass Frauen häufiger als Männer öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Dies hängt auch mit den Zwecken der Fortbewegung zusammen, was u. a. beeinflusst ist durch die Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit. So zeigt sich bei den Wegezwecken, dass Frauen mehr Wege für Erledigungen, Einkauf und Begleitwege zurücklegen als Männer. Männer hingegen legen deutlich mehr Wege im dienstlichen bzw. geschäftlichen Kontext zurück.
Sport spielt nicht nur eine wichtige Rolle für die Gesundheit, sondern auch für das gesellschaftliche Miteinander, den Aufbau von Netzwerken und sozialen Kontakten und hat im Profibereich wirtschaftliche Bedeutung. Dementsprechend hat sich der Hamburger Senat im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm dem Ziel verschrieben, die Gleichstellung von Frauen im Bereich des organisierten Sportes zu fördern. Aufschluss über die geschlechtsspezifische Teilhabe gibt der Indikator zu Geschlechteranteilen unter den Mitgliedern in Sportvereinen – hier zeigt sich bislang eine deutliche Unterrepräsentanz von Frauen. Gleiches gilt für Funktionen in Sportvereinen und -fachverbänden.
Geschlechtsspezifische Gesundheitsunterscheide sind für die Lebensrealität von Frauen und Männer von hoher Relevanz, zu diesem Thema sind im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm mehrere Maßnahmen hinterlegt. Ein neues Unterkapitel liefert nun mit Indikatoren zu gesundheitlichen Risikofaktoren, Gesundheitsförderung und dem subjektiven Gesundheitszustand vertiefte Erkenntnisse. Dabei zeigt sich, dass Frauen im Vergleich zu Männern seltener rauchen sowie Alkohol und Drogen konsumieren. Hingegen nehmen sie häufiger an Maßnahmen zur Gesundheitsförderung teil. Dies deutet auf Handlungserfordernisse beim Abbau von Barrieren zur Inanspruchnahme von Angeboten zur Sensibilisierung und zur Gesundheitsförderung bei Männern hin.