Wie gleichberechtigt Frauen und Männer an gesellschaftlichen Prozessen teilhaben können, hängt stark davon ab, wie Erwerbs- und Sorgearbeit organisiert und aufgeteilt sind – was wiederum von politischen Entscheidungen, rechtlichen Regelungen und gesellschaftlichen Normen geprägt ist. Der überwiegende Teil der bezahlten und unbezahlten Sorgearbeit wird nach wie vor von Frauen geleistet. Die Verpflichtungen im Haushalt können jedoch einem höheren Erwerbsumfang oder der Erwerbstätigkeit insgesamt im Wege stehen. Im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm des Hamburger Senats wird daher das Ziel verfolgt, bessere Bedingungen für eine gleichberechtigte Erwerbs- und Sorgearbeit zu schaffen. Wie weitgehend dieses Ziel schon erreicht ist, wird durch Indikatoren in den zwei Unterkapiteln „Kinder“ (hier unter anderem die Themen Alleinerziehende, Kinderbetreuung, Zeitverwendung) sowie „Pflege“ dargestellt.
Kinder erhöhen die anfallende Sorgearbeit in einem Haushalt enorm. Die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit ist dabei für Alleinerziehende besonders schwierig. Der Frauenanteil bei Alleinerziehenden in Hamburg lag im Jahr 2024 bei 87 %. Frauen sind also deutlich häufiger als Männer mit der Herausforderung konfrontiert, Beruf, Familie und freie Zeit allein zu vereinbaren.
Die Inanspruchnahme einer Kinderbetreuung ist für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zentral. Im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm wird die Nähe zu und Qualität von Betreuungsangeboten betont, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen. Der Anteil der Kinder zwischen 0 und 3 Jahren, die in einer Kinderbetreuungseinrichtung betreut werden, ist in den letzten 10 Jahren von rund 40 % auf 50 % gestiegen. Dies deutet darauf hin, dass die Dauer der sorgebedingten Erwerbsunterbrechungen zurückgegangen ist. Entscheidend für die tatsächliche Vereinbarkeit der Erwerbs- und Sorgearbeit ist jedoch auch der Betreuungsumfang. In Hamburg ist der Anteil der in einer Ganztagesbetreuung betreuten Kinder im Alter von 0 bis unter 14 Jahre in den letzten 10 Jahren auf über 57 % gestiegen.
Die Erwerbstätigkeit von Müttern und Vätern unterscheidet sich dennoch stark. Insbesondere wenn kleine Kinder im Haushalt leben, gibt es große geschlechtsspezifische Unterschiede, die zeigen, dass Rollenstereotype nach wie vor wirken und primär Frauen die Verantwortung für Sorgearbeit übernehmen. Die Beteiligung von Vätern am Erwerbsleben bleibt von Kindern weitestgehend unbeeinflusst. Darauf geben folgende neu hinzugefügte Daten einen Hinweis: Väter mit Kindern unter 3 Jahren arbeiten wöchentlich im Durchschnitt über 20 Stunden mehr als Mütter mit Kindern unter 3 Jahren.
Die ungleiche Verteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern spiegelt sich zudem im neu hinzugekommenen Indikator zu Elterngeld wider. Während die grundsätzliche Beteiligung von Vätern am Elterngeld erst einmal positiv stimmt (deutlicher Anstieg in den letzten Jahren), bleibt die Differenz bei den durchschnittlichen Elterngeldbezugsmonate hoch: 2024 nahmen Mütter 13,7 und Väter 4,4 Monate Elternzeit.
Neben der kindbezogenen Sorgearbeit zeigen sich Geschlechterunterschiede auch im Bereich der Pflege, sowohl bei den Pflegenden als auch bei den Pflegebedürftigen. Frauen sind beispielsweise häufiger auf stationäre Pflege angewiesen als Männer. Im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm des Hamburger Senats wird auch deshalb eine Bedürfnisorientierung und Geschlechtersensibilität in der Gesundheitsfürsorge thematisiert.
Auch im bezahlten Care-Sektor zeigen sich enorme Geschlechterunterschiede: Der Frauenanteil an Beschäftigten in der Kinderbetreuung sowie der Alten- und Krankenpflege liegt weit über dem der Männer – im Zeitverlauf zeigen sich lediglich leichte Annäherungen. Diese geschlechtsspezifische Segregation wird durch traditionelle Rollenbilder gefördert und kann in finanziellen Nachteilen für Frauen münden, wenn Tätigkeiten im Care-Sektor niedriger vergütet sind. In Anbetracht dieser Herausforderung sind im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm des Senats verschiedene Maßnahmen verankert, um der Routine einer geschlechterstereotypen Berufswahl entgegenzuwirken.