Tempelruine in der Poolstraße

Erste Ergebnisse der Bodenuntersuchungen liegen vor – Weitere Maßnahmen folgen

29. Januar 2026 Pressemitteilung

Um die Tempelruine an der Poolstraße zu retten, hat der zur Finanzbehörde gehörende Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) 2020 das Grundstück mit den Überresten des Neuen Israelitischen Tempels in der Poolstraße erworben und bereitet – neben der Sicherung der Reste des ehemaligen Tempels – in einem breiten Beteiligungsverfahren ein Nutzungskonzept vor.

  • Finanzen und Bezirke

Im vergangenen Jahr wurde das Gelände nun umfangreich untersucht. Zum Einsatz kamen ein Georadar und ein Laserscan im Rahmen einer Städtekooperation durch das Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster der Stadt Essen. Die Untersuchungen sind nun Grundlage für weitere Maßnahmen, in deren Zuge beispielsweise restauratorische und bauhistorische Analysen geplant sind. Zunächst findet eine Entschuttung der erhaltenen Apsis statt. Das beinhaltet die fachgerechte Räumung von Schuttmaterial mit daran anschließenden bauhistorischen Untersuchungen und Sicherungsmaßnahmen. Im Weiteren werden ausgewählte Bereiche auf dem Gelände der Tempelruine entsiegelt und archäologische Schürfungen durchgeführt. Mit den genannten Maßnahmen ist die Arbeitsgemeinschaft „Projekt: Tempel“ um Gunda Drephal, Christiane Maier und Danah Weßling sowie das Berliner Architekturbüro Anderhalten betraut.

Finanzsenator Dr. Andreas Dressel: „Die Tempelruine in der Poolstraße ist ein einzigartiges Zeugnis jüdischen Lebens und liberal jüdischer Religionsgeschichte in Hamburg. Mit der Fortsetzung der Untersuchungen und Sicherungsmaßnahmen übernehmen wir Verantwortung für dieses bedeutende kulturelle Erbe. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, die baulichen Überreste zu sichern, ihre Geschichte weiter aufzuarbeiten und sie für kommende Generationen sichtbar zu erhalten. Ich danke der Stadt Essen ausdrücklich für die Unterstützung mit Georadar und Laserscan. Die Erkenntnisse liefern uns erste wertvolle Hinweise auf Bereiche der Anlage, die wir uns nun noch genauer anschauen werden. Ab Ende 2027 werden wir final wissen, welche archäologischen und historischen Rahmenbedingungen uns die Tempelruine gibt und welche weiteren Nutzungen konkret möglich sind.“

Leiterin des Denkmalschutzamtes Dr. Anna Joss: „Die Überreste des Neuen Israelitischen Tempels sind ein einzigartiges Zeugnis jüdischen Lebens in Hamburg. Durch die anstehenden bauhistorischen und archäologischen Untersuchungen können wir diesen besonderen Ort nicht nur wissenschaftlich besser verstehen, sondern auch baulich sichern und sichtbar machen. Durch das Abräumen und Untersuchen des Schutts in der Apsis und das Freilegen der ursprünglichen Baustruktur gewinnen wir neue Erkenntnisse zur Baugeschichte und früheren Nutzung des Neuen Israelitischen Tempels – eines Ortes von herausragender religiöser und historischer Bedeutung.“

Im Mai 2024 leistete die Stadt Essen wertvolle fachliche Hilfe und untersuchte das Gelände des Israelitischen Tempels in der Poolstraße mittels Georadar und Laserscanner. Die Erkenntnisse lieferten Hinweise, an welchen Stellen archäologische Ausgrabungen stattfinden sollten. Es konnten durch das Georadar unter anderem Verdachtsbereiche auf Fundamentreste im Untergrund ausfindig gemacht werden, u. a. eine Treppenstruktur vor der Apsis. Die Laserscanaufnahmen offenbarten Bereiche hinter Wänden und unter Böden, in denen bauzeitliche Putze und Bodenbeläge vorhanden sein könnten. Es konnte zudem festgestellt werden, dass die Säulenreihen der Haupthalle nicht parallel zu einander standen und sich unter dem vorhandenen Schutt einige ungewöhnlich dimensionierte Bauteile befinden, die nun im Folgenden weiter untersucht werden.

In Absprache mit dem Denkmalschutzamt wurden bereits zahlreiche restauratorische Maßnahmen zur Sicherung der noch bestehenden Gebäudeteile durchgeführt. Um die Sichtbarkeit der Tempelruine im Stadtgefüge weiter zu erhöhen, werden in diesem Jahr verschiedene Veranstaltungen vor Ort stattfinden, insbesondere im Rahmen des Hamburger Architektur Sommers. Organisiert und durchgeführt werden diese Veranstaltungen und Begehungen durch die steg Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH, die den Entwicklungsprozess des Ortes seit dem Jahr 2021 begleitet.

Hintergrund
Den Überresten des ehemaligen Neuen Israelitischen Tempels kommt eine besondere religionsgeschichtliche Bedeutung zu. 1844 wurde in der heutigen Poolstraße 12 der erste Tempel einer eigenständigen jüdischen Gemeinde des damals noch jungen liberalen Judentums in Deutschland überhaupt eingeweiht, der bis 1931 für Gottesdienste genutzt wurde und 1937 unter Wert verkauft werden musste. Das Tempelgebäude wurde im 2. Weltkrieg durch eine Fliegerbombe weitgehend zerstört und von der Stadt 2003 unter Denkmalschutz gestellt.

Im Jahr 2020 erwarb der zur Finanzbehörde gehörende Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen ein Teilgrundstück mit den Überresten des Neuen Israelitischen Tempels in der Poolstraße. Ziel des Ankaufes war es, dieses einzigartige Kulturdenkmal dauerhaft zu sichern und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hierfür ist ein breit aufgestelltes Stakeholder-Beteiligungsverfahren gestartet worden, um die adäquate Nutzung für alle Interessensgruppen zu ermöglichen. Die unter Denkmalschutz stehenden baulichen Reste sollen mit einer Zukunftsperspektive entwickelt werden und als jüdisches Kulturdenkmal und Erinnerungsort erhalten bleiben.

Rückfragen der Medien
Behörde für Finanzen und Bezirke
Pressestelle
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