Mit dem Motto „Gemeinsam einzigartig“ macht der diesjährige Weltkrebstag darauf aufmerksam, dass Patientinnen und Patienten durch eine Krebsdiagnose verbunden sind und zugleich jede Erkrankung eine eigene Geschichte hat. Der Weltkrebstag findet jährlich am 4. Februar statt.
Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal: „Die Diagnose Krebs ließ früher für die Betroffenen eine Welt zusammenbrechen. Heute ist das oftmals anders – dank der Fortschritte in der Krebsforschung. Die Entwicklungen in Hamburg sind hierfür beispielhaft: Am UKE stehen mit der immunologischen Krebsbehandlung wie der CAR-T-Zelltherapie neue Behandlungsmöglichkeiten für die Betroffenen zur Verfügung, die früher als austherapiert galten. Und die Daten des Hamburgischen Krebsregisters zeigen, wie sich zudem die Chancen, erst gar nicht an Krebs zu erkranken oder diesen früh genug zu erkennen, durch regelmäßige Vorsorge verbessern lassen. Mein Appell an alle Hamburgerinnen und Hamburger: Nutzen Sie die Angebote der Krebsfrüherkennung und lassen Sie sich beraten!“
Dr. Alice Nennecke, Leiterin Hamburgisches Krebsregister: „Eine frühe Diagnose erhöht häufig die Überlebenschancen – unabhängig von der Krebsart. Darmkrebs ist ein besonders gutes Beispiel dafür, wie Vorsorge helfen kann. Dazu gehören Ernährung und Bewegung ebenso wie regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen. So lassen sich Tumoren vermeiden und Heilungschancen verbessern.“
Prof. Dr. Carsten Bokemeyer, Direktor des Universitären Cancer Centers (UCC Hamburg) des UKE: „Die derzeit verfügbaren Immuntherapien setzen an verschiedenen Stellen des Immunsystems an. Mit den modernen Antikörper-Therapien, den sogenannten Checkpoint-Inhibitoren, können wir viele verschiedene Krebsarten besser behandeln . Mit einer weiteren Methode, der CAR-T-Zelltherapie, erschaffen wir ein langanhaltend wirksames Medikament, das aus dem Körper der zu behandelnde Person selbst hergestellt werden kann. Dies steht aktuell vor allem bei der Behandlung von Krebserkrankungen des Blutes wie dem Lymphom und dem Myelom im Fokus. Trotz der Erfolge der Krebstherapie ist es aber noch besser, den Krebs durch eine geeignete Krebsvorsorge erst gar nicht entstehen zu lassen bzw. im Frühstadium zu beseitigen“
Zahlen des Hamburgischen Krebsregisters
Darmkrebs ist mit jährlich rund 57.000 Neuerkrankungen eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland. Allein in Hamburg erkrankten 2024 mehr als 1.100 Menschen daran – das entspricht 9,5 Prozent der Krebsneuerkrankungen bei Männern und 10 Prozent bei Frauen. Das Risiko steigt mit dem Alter: Mehr als die Hälfte der Betroffenen ist bei der Diagnose über 70 Jahre alt (Männer: 70 Jahre, Frauen 75 Jahre).
Doch es gibt eine gute Nachricht: Die Sterblichkeit an Darmkrebs nimmt dank verbesserter Vorsorge und innovativer Therapien kontinuierlich ab. So starben 2003 in Hamburg 568 Menschen an Darmkrebs, 2024 hingegen nur noch 388. Besonders Früherkennungsmaßnahmen wie der immunologische Stuhltest (iFOBT) und die Darmspiegelung retten Leben, indem sie Krebs oder seine Vorstufen rechtzeitig erkennen lassen. Ab 50 Jahren haben alle Versicherten Anspruch auf eine Darmspiegelung – Frauen und Männer. Diese Untersuchung hilft sogar, Krebs zu vermeiden, weil kleine Polypen direkt dabei entfernt werden können. Wer keine Darmspiegelung vornehmen möchte, kann ab 50 Jahren alle zwei Jahre einen Stuhltest auf unsichtbares Blut durchführen lassen.
Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten liegen bei 69,4 Prozent für Frauen und 64,5 Prozent für Männer. Besonders deutlich wird der Erfolg der Früherkennung bei frühen Tumorstadien: Hier überleben 86,3 Prozent der Betroffenen länger als fünf Jahre.
Das Hamburgisches Krebsregister dankt den behandelnden Ärztinnen und Ärzten für ihre regelmäßigen Meldungen von Krebserkrankungen. Nur durch vollständige Daten können verlässliche Aussagen zur Entwicklung der Krebserkrankungen getroffen und die Versorgung weiter verbessert werden.
Über das Hamburgische Krebsregister
Das Hamburgische Krebsregister (HKR) gilt mit ersten Erkrankungsstatistiken seit 1927 als ältestes Krebsregister der Welt. Seit 2014 ist es klinisch-epidemiologisches Krebsregister für den Wohn- und Behandlungsort Hamburg. Das HKR hat den Auftrag, kontinuierlich und flächendeckend Angaben zu Diagnose, Therapie und Verlauf von allen in Hamburg behandelten Krebspatientinnen und -patienten zu erfassen, zu verarbeiten und für die wissenschaftliche Forschung zur Verfügung zu stellen.
Ziel ist es, die Qualität der onkologischen Versorgung zu verbessern, indem eine neutrale Datengrundlage zum Krebsgeschehen bereitgestellt und durch Auswertungen und Veröffentlichungen zur Transparenz beigetragen wird. Aktuell werden jährlich circa 136.000 Meldungen erfasst und Daten zu etwa 20.000 neu erkrankten und in Hamburg behandelten Krebspatientinnen und -patienten dokumentiert. Seit 1985 hat das HKR über 800.000 Erkrankungsfälle zu mehr als 780.000 Personen erfasst.
Weitere Informationen
Vielfältige Auswertungen zu Krebs in Hamburg bieten die interaktiven Online-Berichte unter: www.hamburg.de/krebsregister
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