SCHULBUS-Studie

Jugendliche konsumieren immer weniger substanzgebundene Drogen, Anstieg beim Medienkonsum

22. Juli 2025 Pressemitteilung

Der Konsum psychoaktiver Substanzen ist bei Jugendlichen in Hamburg weiter rückläufig. Dabei steigt der Anteil der Jugendlichen, die noch nie Drogen konsumiert haben, an. Demgegenüber verschärfen sich allerdings die Probleme im Kontext der freizeitorientierten Internetnutzung. Das zeigen die repräsentativ unter 14- bis 17-jährigen Jugendlichen erhobenen Daten der neuesten SCHULBUS-Studie. Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer, Studienleiter Theo Baumgärtner von der Fachstelle Sucht.Hamburg sowie Andrea Rodiek, Leiterin des SuchtPräventionsZentrums des Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung, stellten die Studienergebnisse für Hamburg heute bei der Landespressekonferenz vor.

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Die Verbreitung des jugendlichen Umgangs mit Alkohol, Tabak und Cannabisprodukten ist insgesamt erneut rückläufig. Die Attraktivität von Alkohol hat für junge Menschen spürbar abgenommen. Das gilt sowohl für das Probieren von alkoholischen Getränken wie auch für den aktuellen Konsum. 69 Prozent der Jugendlichen gaben an, noch nie betrunken gewesen zu sein. Auch das sogenannte Binge-Trinken, das 2012 noch von fast einem Drittel der Jugendlichen mindestens einmal pro Monat praktiziert wurde, lässt sich 2024 nur noch bei rund 12 Prozent der in Hamburg befragten 14- bis 17-Jährigen ausmachen. Beim Tabak gaben 76 Prozent der Jugendlichen an, noch nie geraucht zu haben. Demgegenüber haben 24 Prozent schon einmal in ihrem Leben geraucht – Mitte der 2000er-Jahre waren es noch 70 Prozent. Galten seinerzeit etwa 40 Prozent der Befragten als aktuelle Raucher, gaben nun 15 Prozent an, in den letzten 30 Tagen geraucht zu haben. Auf 20 Prozent angestiegen ist hingegen der Anteil der Jugendlichen, die aktuell E-Zigaretten oder E-Shishas konsumieren. Der Anteil derer, die einen täglichen Konsum von E-Produkten angeben, ist von sechs Prozent in 2018 auf zehn Prozent im Jahr 2024 angestiegen.

Beim Cannabis hält der seit 2012 zu beobachtende rückläufige Trend der Konsumraten ungebrochen an. Dabei hat sich nicht nur die Zahl der aktuell Konsumierenden reduziert. Die Zahl der Jugendlichen, die Haschisch und/oder Marihuana in problematischer Weise konsumieren, hat sich in diesem Zeitraum mehr als halbiert. Immerhin 86 Prozent der Jugendlichen gaben an, noch nie gekifft zu haben. 95 Prozent der befragten Jugendlichen sagen, dass sie noch nie eine unter das Betäubungsmittelgesetz fallende illegale Droge ausprobiert haben.

Beim digitalen Nutzungsverhalten erhebt die SCHULBUS-Studie Daten zu Computerspielen und zur Internetnutzung, der freizeitorientierten Online-Zeit, getrennt. Der Anteil der Jugendlichen, die täglich Computerspiele spielen, liegt seit 2009 relativ konstant bei einem Viertel der Befragten. Der Anteil der Jugendlichen, für die eine problematische Nutzung von Computerspielen festgestellt wurde, stieg von vier Prozent in 2009 auf sieben Prozent in 2024. Betrug die für Jugendliche in 2012 ermittelte freizeitorientierte Online-Zeit noch durchschnittlich 3,2 Stunden pro Tag, so verbringen sie inzwischen fünf Stunden täglich aktiv im Internet. Gemäß der Compulsive Internet Use Scale (CIUS) kann das Nutzungsverhalten von einem Viertel aller Jugendlichen 2024 als problematisch eingestuft werden. Das bedeutet gegenüber dem Jahr 2021 (acht Prozent) eine Verdreifachung.

Beim Konsumverhalten insgesamt spielt eine Rolle, dass sich Freundschaften nachgewiesenermaßen immer mehr vom analogen in den digitalen Raum verlagern. Insgesamt gehen gruppenorientierte Konsumanlässe und -gelegenheiten zurück, was damit auch ein Grund für den allgemein rückläufigen Trend des Gebrauchs von psychoaktiven Substanzen sein kann. Aber auch Angebote zur Suchtprävention im Hinblick auf die gesundheitsförderliche Veränderung von Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen tragen nach den Erkenntnissen der Verantwortlichen der Studie zum Rückgang des Drogenkonsums bei. Dabei habe sich die Kombination aus verschiedenen verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen und die Vielfalt der Angebote universeller und selektiver Suchtprävention in Hamburg eindeutig ausgezahlt.

Abgefragt wurden für die SCHULBUS-Studie auch ausgewählte Aspekte einer selbstkritischen Körperwahrnehmung, um zumindest Hinweise auf Herausforderungen und mögliche Veränderungen in diesem Problembereich zu bekommen. Demnach leiden bis zu zwei Fünftel (42 Prozent) der Jugendlichen mindestens manchmal bis täglich aufgrund ihres Körpergewichts unter Stimmungsschwankungen. Ein Drittel hat mindestens eine Diät in den vergangenen zwölf Monaten gemacht. Zum Thema Selbstwahrnehmung gaben immerhin 39 Prozent der befragten Jugendlichen an, dass sie sich für übergewichtig halten. Bei einem Drittel der Befragten gibt es erste Verdachtsmomente für das Vorliegen einer möglichen Essstörung.

Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer: „Seit mehr als 20 Jahren befragen wir im Rahmen der SCHULBUS-Studie gezielt 14- bis 17-Jährige zu ihrem Konsumverhalten. Die Studie liefert uns dabei kontinuierlich wertvolle Einblicke in aktuelle Trends sowie in positive und negative Entwicklungen beim Suchtverhalten Jugendlicher. Die neuesten Ergebnisse zeigen deutlich: Der Konsum von Alkohol, Tabak, Cannabis und illegalen Drogen bei Hamburgs Jugendlichen geht zurück. Gleichzeitig steigt jedoch der sogenannte problematische Online-Konsum spürbar an. Dieses Signal nehmen wir als Auftrag, unsere Präventionsmaßnahmen genau an dieser Stelle zu verstärken. So dient uns die Studie als verlässlicher Kompass, der uns hilft, unsere Präventionsarbeit beständig weiterzuentwickeln und bei Bedarf neu auszurichten. In Hamburg setzen wir dabei auf die Kooperation von Schule, Jugendhilfe und gesundheitlichen Präventionsangeboten, um etwa die Medienkompetenz zu stärken und auf die Gefahren des Suchtmittelkonsums aufmerksam zu machen. Zudem nehmen wir die psychische Gesundheit in den Blick, denn wir wissen, dass besonders Jugendliche mit emotionalen Belastungen besonders gefährdet für ein problematisches Konsumverhalten sind.“

Theo Baumgärtner Fachstelle Sucht.Hamburg: „Erfolgreiche Suchtprävention ist Marathon, keine Kurzstrecke. Aber die Ausdauer zahlt sich aus: Der kontinuierliche Rückgang des Suchtmittelkonsums bei Jugendlichen ist ein deutliches Zeichen für die Wirksamkeit einer sachlichen, ideologiefreien Präventionsarbeit. Entscheidend ist eine Aufklärung, die auf glaubwürdige, fundierte Informationen setzt – gerade weil junge Menschen besonders sensibel auf Widersprüche reagieren und nachvollziehbare Argumente erwarten. Glaubwürdigkeit entsteht dann, wenn Botschaften nicht nur vermittelt, sondern auch durch klare gesellschaftliche Rahmenbedingungen gestützt werden. Dazu zählen unter anderem Maßnahmen wie die Einschränkung der Verfügbarkeit von Suchtmitteln, spürbare Preisanpassungen, ein erweitertes Werbeverbot sowie der Ausbau von Konsumbeschränkungen im öffentlichen Raum. Diese Kombination aus Aufklärung und strukturellen Maßnahmen hat sich als wirksam erwiesen und sollte auch zukünftig Grundlage der Präventionspolitik bleiben.“

Andrea Rodiek, Leiterin des SuchtPräventionsZentrums: „Die Daten der Schulbus- Untersuchung unterstützen uns in der suchtpräventiven Arbeit mit den Hamburger Schulen. Über die gewonnenen Daten erhalten wir einen aktuellen Einblick in die Lebenswelt Hamburger Jugendlicher in ihrem Umgang mit Suchtmitteln, ihrem Medienverhalten und weiteren Alltagsherausforderungen. Dieses Wissen ist hilfreich für einen sachlichen Umgang in der Schule, um Kinder und Jugendliche mit altersangemessenen Präventionsangeboten zu unterstützen und diese immer wieder an aktuelle Entwicklungen anzupassen oder zu ergänzen.“

Präventionsangebote

Das SuchtPräventionsZentrum (SPZ) des LI unterstützt Hamburger Schulen dabei, nachhaltig ihre schulischen Angebote zur universellen Prävention wie zum Beispiel zur Prävention exzessiven Medienkonsums frühzeitig umzusetzen und insbesondere noch stärker jüngere Altersgruppen zu erreichen. Im Bereich der Frühintervention mit Angeboten wie „Hinschauen und Handeln“ wird das schulische Personal zum möglichen problematischen Umgang mit digitalen Medien von Kindern und Jugendlichen weiter verstärkt sensibilisiert und zur Frühintervention beraten. Dabei sollen die bestehenden schulischen und außerschulischen Angebote zur Prävention noch systematischer verknüpft werden.

Wichtig für die Fragen der Prävention und frühen Hilfestellungen sind auch Informations- und Gesprächsangebote für Eltern oder Sorgeberechtigte. Die Bildungsbehörde stellt hierzu über das SuchtPräventionsZentrum, das Zentrum für Schul- und Jugendinformation (ZSJ) und Kooperationspartner kostenlose Angebote zur Information und Beratung zur Verfügung.

Beispielhafte Angebote sind: „Mediencoach“ (Medienkompetenz und psychische Gesundheit), „MedienScouts Hamburg“ (Ausbildung von Schülern als Multiplikatoren), Podcast „15 funkt“ (mit medienpädagogischen Themen), „Hamburger Medienpass“ (verantwortlicher Umgang mit digitalen Medien), Präventionsangebote „Smart Kit“ (Jg. 4–6) und „Digitale Medien: Chancen und Risiken“ (Jg. 7–10) sowie eine Vielzahl an Fortbildungs- und Beratungsangebote für Lehrkräfte und Eltern.

Die Schüler:innen- und Lehrkräftebefragung zum Umgang mit Suchtmitteln (SCHULBUS) wurde bereits zum neunten Mal im Auftrag der Stadt Hamburg durchgeführt. Die Erhebung wird seit 2004 turnusmäßig im Abstand von drei Jahren vorgenommen und lässt daher auch Vergleiche im Zeitverlauf zu. Die nun vorliegenden Ergebnisse gehen auf die Erhebung in 2024/25 zurück.

Für die SCHULBUS-Regionalstudie 2024 wurden in Hamburg nicht nur rund 1.700 Schülerinnen und Schüler, sondern auch mehr als 230 Lehrkräfte und 170 Eltern von Kindern im Alter von 14 bis 17 Jahren befragt. Die Studie wurde zugleich auch für das Bundesland Bremen durchgeführt. Die für diesen Erhebungsbereich ermittelten Erkenntnisse decken sich mit den Erkenntnissen für Hamburg.

Der Tabellenbericht der von der Sozialbehörde und der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung finanzierten SCHULBUS-Studie ist hier abrufbar: https://sucht-hamburg.de/information/publikationen

Rückfragen der Medien 
Sozialbehörde
Wolfgang Arnhold | Pressesprecher
Telefon: 040 42863 2889
E-Mail: pressestelle@soziales.hamburg.de
Internet: www.hamburg.de/go/sozialbehoerde

Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung
Peter Albrecht | Pressesprecher
Telefon: 040 42863 2003
E-Mail: pressestelle@bsb.hamburg.de
Internet: Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung - hamburg.de

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