Seit 2020 fördert die Sozialbehörde in sozio-ökonomisch benachteiligten Stadtteilen LGZ (Billstedt, Bergedorf/Lohbrügge, Harburg, Osdorf/Lurup, Stellingen/Eidelstedt/Lokstedt und Veddel) als integrierte Versorgungszentren. Im Mittelpunkt steht die enge Zusammenarbeit zwischen mindestens einer hausärztlichen Praxis, einer Community Health Nurse – also einer akademisch qualifizierten Pflegefachperson – sowie Angeboten der sozialen und psychosozialen Beratung. Es bestehen Kooperationen mit Pflegediensten und weiteren gesundheitlichen und sozialen Angeboten wie z. B. Suchtberatung, psychotherapeutischer Versorgung und Migrationsarbeit. Mit der Verstetigung der Förderung bis zum 31. Dezember 2030 mit 200.000 Euro jährlich je LGZ sollen diese als feste Bausteine einer patientenorientierten und multiprofessionellen Primärversorgung weiterentwickelt werden. Die Ergebnisse einer im Auftrag des Bosch Health Campus (einer Einrichtung der Robert Bosch Stiftung) durchgeführten Evaluation fließen dabei in die Weiterentwicklung der LGZ ein.
Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer: „Eine gute Gesundheitsversorgung muss Menschen in allen Lebenslagen erreichen – unabhängig von sozialer Herkunft, Wohnort oder Sprache. Genau hier setzen die Lokalen Gesundheitszentren an: Sie helfen dabei, die richtige Unterstützung zu finden und schaffen Vertrauen. Zugleich tragen sie dazu bei, Hausarztpraxen und andere Akteure im Versorgungssystem zu entlasten. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass dieser niedrigschwellige Ansatz funktioniert.“
Im Beobachtungszeitraum von rund einem Jahr wurden 7.755 Beratungskontakte mit rund 2.700 Personen dokumentiert. Die LGZ übernehmen dabei eine wichtige Lotsen- und Koordinationsfunktion. Insgesamt wurden 2.463 Vermittlungen und 1.538 Zuweisungen dokumentiert. Die Zusammenarbeit mit den kooperierenden Hausarztpraxen wird als entlastend wahrgenommen, Ratsuchende können gezielter weitergeleitet und Versorgungsschnittstellen besser koordiniert werden.
Besonders deutlich fällt die hohe Zufriedenheit der Nutzenden aus. 96,8 Prozent der Befragten fühlten sich mit ihrem Anliegen verstanden, 98 Prozent würden das LGZ weiterempfehlen. Die Kombination aus offenen Sprechstunden, Terminangeboten und festen Ansprechpersonen unterstützt die Kontinuität der Beratung.
Die Evaluation zeigt zudem, dass gesundheitliche Probleme häufig eng mit sozialen Lebenslagen verbunden sind. Von 10.791 dokumentierten Beratungsanliegen lagen 59,6 Prozent außerhalb klassischer medizinischer Themen des SGB V und umfassten unter anderem soziale und finanzielle Sicherung, Pflege, Wohnen sowie Übersetzung und Navigation. Damit bestätigt die Evaluation die Bedeutung einer ganzheitlichen Beratung über die Grenzen einzelner Sozialleistungssysteme hinweg.
Aus den Ergebnissen wurden mehrere zentrale Entwicklungspotenziale abgeleitet:
- Ausbau der interprofessionellen Zusammenarbeit innerhalb der Zentren und zwischen den sechs Standorten,
- Erweiterung der sektorenübergreifenden Vernetzung, insbesondere mit Haus- und Facharztpraxen, Kliniken, Pflege, sozialen Diensten und Gesundheitsämtern,
- noch stärkere Berücksichtigung psychosozialer Bedarfe, etwa bei Einsamkeit, psychischen Belastungen, Wohnproblemen und prekären Lebenslagen,
- weitere Verbesserung von Erreichbarkeit und Zugang, beispielsweise durch flexiblere Angebote und Sprachmittlung,
- einheitlichere digitale Dokumentation und Kennzahlen, um Leistungen und Wirkungen vergleichbar zu machen.
Der Abschlussbericht der Begleitevaluation steht hier zum Download zur Verfügung.
Hintergrund
Die Idee der LGZ basiert auf dem Konzept PORT – Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung des Bosch Health Campus der Robert Bosch Stiftung. Der Bosch Health Campus als Kooperationspartner der Sozialbehörde beauftragte und finanzierte die Evaluation durch zwei gesundheitswissenschaftliche Forschungsinstitute. Die Evaluation wurde als wissenschaftliche Begleitevaluation durchgeführt. Zum Einsatz kam ein Mixed-Methods-Ansatz mit teilnehmenden Beobachtungen an allen Standorten, 45 qualitativen Interviews und eine Befragung von 541 Nutzenden.
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