Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer: „Mit der Psychiatrischen Schwerpunktambulanz/PIER 27 erreichen wir schwer psychisch erkrankte Menschen, die bislang oft nicht vom Hilfesystem erfasst werden. Wir stabilisieren sie und führen sie Schritt für Schritt zurück in Behandlung und Unterstützung. So durchbrechen wir wiederkehrende Krisen und schaffen verlässliche Perspektiven für die Betroffenen. Das entlastet zugleich die Stadtteile rund um den Hauptbahnhof. Hilfe und Stadtverträglichkeit gehen Hand in Hand – das ist unser Ziel. Dafür muss Unterstützung dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht wird: direkt im Umfeld des Bahnhofs.“
Annette Claßen, Chefärztin der Klinik für Forensische Psychiatrie der Asklepios Klinik Nord-Ochsenzoll: „Die Psychiatrische Schwerpunktambulanz/Pier27 soll eine Brücke zwischen schwer psychisch erkrankten Menschen und der regulären psychiatrischen Versorgung darstellen. Das bedeutet: Wir holen Menschen niedrigschwellig dort ab, wo sie aktuell stehen – oft in instabilen, brüchigen oder unterbrochenen Versorgungssituationen. Wir begleiten sie strukturiert und verlässlich auf dem Weg in eine tragfähige Behandlung. Erst wenn die Regelversorgung stabil und zuverlässig greift, ziehen wir uns schrittweise zurück. Unser Ziel ist es, Unterbringungen zu vermeiden.“
Christine Tügel, Vorständin des Jugendhilfe e. V.: „Mit dem Projekt Nox im selben Haus erreichen wir bereits heute Menschen, die neben ihrer Suchterkrankung weitere psychische Erkrankungen haben. Die nun mögliche hausinterne Kooperation mit der Psychiatrischen Schwerpunktambulanz/PIER 27 eröffnet uns die Chance, einen Teil unserer Klientel direkt vor Ort psychiatrisch zu versorgen – und damit nicht nur individuelle Lebenssituationen zu stabilisieren, sondern auch den Stadtteil zu entlasten. Die enge, niedrigschwellige Zusammenarbeit zwischen Psychiatrie und Suchthilfe ist der richtige Schritt – besonders für die Behandlung und Betreuung aktiv konsumierender drogenabhängiger Menschen. Damit wird eine Behandlungslücke geschlossen.“
Die Psychiatrische Schwerpunktambulanz/PIER 27 ist Teil des Hamburger Landespsychiatrieplans, der die Versorgung schwer psychisch erkrankter Menschen verbessern soll. Die Psychiatrische Schwerpunktambulanz/PIER 27 richtet sich insbesondere an Personen, die von der bestehenden Regelversorgung bislang nicht oder nur unzureichend erreicht werden konnten und sich in komplexen und instabilen Lebenslagen befinden.
Typische Fallkonstellationen sind:
- Menschen mit Psychose und gleichzeitiger Suchtproblematik, bei denen Substanzkonsum und psychische Erkrankung ineinandergreifen und stabile Behandlungsverläufe erschweren.
- Menschen, die aus dem Hilfesystem herausfallen, etwa nach Abbruch von Behandlungen, Verlust der Wohnung oder ungeklärten Leistungsansprüchen, die dadurch in einen Kreislauf aus Krisen und kurzfristigen Klinikaufenthalten geraten.
- Personen mit wiederkehrenden Krisen und instabilen Behandlungsverläufen, die mehrfach kurzfristig stabilisiert wurden, ohne dass bislang eine nachhaltige ambulante Weiterbehandlung gelang.
- Schwer erreichbare Betroffene ohne Krankheitseinsicht, die Hilfsangebote ablehnen oder nicht annehmen können.
Die Schwerpunktambulanz/Pier27 arbeitet niedrigschwellig und verfolgt das Ziel, die Lebenssituation der Betroffenen nachhaltig zu verbessern. Durch Frühintervention, risikoorientierte Diagnostik, sozialpsychiatrische Stabilisierung und gezielte Vermittlung sollen soziale und gesellschaftliche Folgen präventiv abgemildert und potenzielle Straftaten verhindert werden.
Vor Ort werden Fachärztinnen und -ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen sowie Pflegekräfte eng zusammenarbeiten. Ergänzt werden soll das Angebot zukünftig durch aufsuchende Betreuung in Kooperation mit dem Projekt SAFE des UKE.
Die Psychiatrische Schwerpunktambulanz/PIER27 versteht sich als Brücke zwischen hochbelasteten Patientinnen und Patienten und der regulären psychiatrischen Versorgung. Menschen in instabilen oder unterbrochenen Behandlungssituationen erhalten hier gezielte Unterstützung, bis eine dauerhafte Anbindung an die Regelversorgung gelingt. Auch danach bleibt die Psychiatrische Schwerpunktambulanz/PIER27 ansprechbar, falls erneute Krisen oder Lebensumbrüche auftreten.
So schließt die Ambulanz eine zentrale Lücke zwischen stationärer Behandlung und ambulanter Nachsorge. Ziel ist es, Stabilisierung langfristig zu sichern und Rückfälle zu reduzieren.
Die Repsoldstraße 27
Das städtische Sozialunternehmen F&W Fördern & Wohnen AöR hat das Gebäude Repsoldstraße 27 2024 im Auftrag der Sozialbehörde erworben. Ziel ist es, dort Angebote zu bündeln, die die Lebenssituation suchtkranker, obdachloser und psychisch erkrankter Menschen verbessern und gleichzeitig die Stadtteile rund um den Hauptbahnhof entlasten.
Bereits im September 2025 sind durch den Träger Jugendhilfe e. V. vor Ort 30 Übergangsplätze in Betrieb genommen worden. Sie ermöglichen suchtkranken und obdachlosen Menschen einen niedrigschwelligen Zugang zu Hilfe und stabilisieren sie so, dass sie weiterführende Unterstützungsangebote wahrnehmen können.
Weitere Informationen zur Immobilie Repsoldstraße 27 finden Sie hier.
Informationen zu weiteren Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen obdachloser und suchtkranker Menschen und zur Entlastung des direkten Umfelds des Hauptbahnhofs finden Sie hier.
Rückfragen der Medien
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