vdek: Frau Ebert, wieso haben Sie sich als Schulgesundheitsfachkraft beworben, woher kommt ihr Interesse an der Tätigkeit?
Nike Ebert: Ich habe schon während meines Studiums in Projekten zum Thema Gesundheitsförderung und Prävention an Hamburger Grundschulen gearbeitet und habe in diesem Kontext ein Unterrichtsmodul für Grundschüler entwickelt und evaluiert. In dieser Zeit habe ich mir oft gedacht: Es wäre so schön, wenn es dieses Berufsfeld speziell an Schulen als vollwertigen Beruf gäbe. Schulgesundheitsfachkräfte existierten damals in diesem Sinne noch nicht. Entsprechende Themen wurden als einzelne kleine Projekte an den Schulen umgesetzt und externe Fachkräfte dafür hinzugezogen. Letztes Jahr habe ich dann die Stellenausschreibung gesehen. Ich habe mich natürlich sehr gefreut und mich direkt beworben.
vdek: Warum sollte schon in der Grundschulzeit mit verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen begonnen werden?
Nike Ebert: Mit Gesundheitsförderung und Prävention sollte so früh wie möglich gestartet werden. Zu wissen, was der eigene Körper braucht und wie man sich verhalten kann, um die psychische Gesundheit zu stärken, das ist im späteren Leben ein großer Vorteil – sowohl für einen selbst als auch für das Gesundheitssystem. Jedes Kind hat das Recht gesund aufzuwachsen. Da geht es zum Beispiel um ausgewogene Ernährung und Ernährungspädagogik, um Stressbewältigung, psychosoziale Gesundheit und verantwortungsbewussten Medienkonsum. Manche Kinder haben aus vielfältigen Gründen nicht die Chance, diese Dinge zu erlernen aber kein Kind sollte unter dem Radar sein. Aufgrund der Schulpflicht hat man alle Kinder im Blick, unabhängig von ihrer sozialen Lage, man erreicht die Eltern und das Umfeld, kann Aufklärungsarbeit mit allen Beteiligten innerhalb dieses Settings gemeinsam leisten. Das macht die Grundschule zu einem perfekten Ort für Gesundheitsförderung und Prävention.
vdek: Wie sieht der Arbeitsalltag bei Ihnen aus, wo packen Sie an?
Nike Ebert: Das ist sehr abwechslungsreich. Ich gebe zum Beispiel Ernährungskurse in den Klassen, oder eine Lehrkraft kommt zu mir, und wir entwickeln gemeinsam eine Projektidee. Auch die Schülerinnen und Schüler kennen mich mittlerweile und wissen: „Die kann ich ansprechen, wenn ich Bauchschmerzen habe, wenn es mir nicht gut geht, oder ich traurig bin“. Anschließend schauen wir gemeinsam woran es liegen könnte, welche Unterstützung gibt es, treffen wir uns zu regelmäßigen Gesprächen? An zum Beispiel dieser Stelle kommt die Netzwerkarbeit ins Spiel. Ich gehe auf die betroffenen Eltern zu und zusammen besprechen wir, an welcher Stelle es Unterstützungsbedarf gibt, oder eben Dinge verändert werden sollten. Und ich vermittle ein Angebot, vielleicht eines sozialen Trägers, oder Sportverein, damit das Kind Kontakte knüpft und mehr Selbstbewusstsein entwickelt. Mittlerweile melden sich immer mehr Eltern auf eigenem Wunsch bei mir.
vdek: Was konnten Sie bis jetzt bewegen?
Nike Ebert: Ich gebe zum Beispiel gemeinsam mit den Lehrkräften Elternabende zu den Thema Medienkonsum/Medienmündigkeit, oder Ernährung. Unser Ziel ist es, die Eltern dabei zu unterstützen, ihren Kindern im Rahmen der Suchtprävention, einen gesunden Umgang mit Medien beizubringen. Wir haben dazu aufgeklärt, was passieren kann, wenn Kinder sich ungeschützt im Netz bewegen und Details von sich preisgeben. Es ist nicht jedem bewusst, dass das sehr gefährlich sein kann. Auch wenn es um das Serienschauen und ungeeignete Computerspiele geht, da können Kinder gerade im Grundschulalter oftmals reale und virtuelle Welt noch nicht gut trennen, entwickeln Ängste oder gar eine Mediensucht.
Wenn ein Kind auffällig ist, dann muss herausgefunden werden, was bei ihr oder ihm dahintersteckt. Ebenfalls sollte die entsprechenden Klasse in Augenschein genommen werden, um sich ein Bild davon zu machen, warum der Umgang miteinander gerade nicht passt. Mit den Klassenlehrkräften habe ich ein kleines soziales Training von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durchgeführt, um die Klassen zu stärken. Hierbei ging es darum, gemeinsam mit den Kindern Klassenregeln zu formulieren und zu besprechen was sich verbessern könnte. Diese Einheiten zum sozialen Miteinander werden regelhaft in unterschiedlichen Jahrgängen durchgeführt. Ich habe viele Rückmeldungen bekommen, dass der Umgang in den Klassen zum Teil positiver geworden ist.
vdek: Wenn Sie auf Ihr erstes Arbeitsjahr zurückblicken, woran denken Sie gerne?
Nike Ebert: Es ist schön, wenn man an eine Schule – die im Grunde genommen ein geschlossenes System ist – kommt, mit offenen Armen empfangen wird und gleich hört: „Wir haben so viele Ideen, können wir uns mit Dir zusammensetzen und das anpacken?“. Es macht mir großen Spaß, gemeinsam mit den Schulen Projekte zu etablieren, zum einen kommt viel Input und zum anderen wird das was ich mache bemerkt und wertgeschätzt.
Die Kinder kennen mich mittlerweile, begrüßen mich auf dem Schulhof und wollen wissen, wann ich wieder zu ihnen in die Klasse komme. Durch die Netzwerkarbeit haben sich viele Ansprechpartner gefunden, mit denen die Arbeit an gemeinsamen Zielen viel Spaß bereitet. Auch kann ich deutlich sehen, dass im Zusammenhang mit den Ernährungskursen die eine oder andere Brotdose bunter geworden ist und die Kinder ganz allgemein auch gerne zeigen was sie gelernt haben. Das freut mich natürlich!
Interview: Verband der Ersatzkassen e.V./ Isabella Tartamella