In Hamburg wächst die Gesundheitswirtschaft seit Jahren und bildet einen wichtigen Anteil an der Gesamtwirtschaftsleistung. Das zeigen die Ergebnisse der von der Sozialbehörde beauftragten Studie „Untersuchung der ökonomischen Bedeutung der Gesundheitswirtschaft in Hamburg 2014-2023“, die vom WifOR Institut durchgeführt wurde.
Die aktualisierte Analyse betrachtet die wirtschaftliche Gesamtentwicklung und legt einen Schwerpunkt auf die medizinische Versorgung sowie die dort beschäftigten Berufsgruppen. Sie untersucht strukturelle Trends und erstellt Prognosen bis in das Jahr 2040. Zentrale Fragen sind:
- Wie entwickeln sich Arbeitsangebot und -nachfrage in den Gesundheitsberufen der Hansestadt?
- Welche Berufsgruppen sind besonders von Engpässen betroffen und wie lassen sich diese adressieren?
- Welche Rolle spielen internationale Arbeitskräfte für die Versorgungssicherheit?
Die Auswertung für das Jahr 2023 zeigt, dass die Bruttowertschöpfung der Hamburger Gesundheitswirtschaft auf 14,5 Milliarden Euro gestiegen ist. Mit einem durchschnittlichen Wachstum von 5,2 % pro Jahr ist die Gesundheitswirtschaft in Hamburg stärker als die Hamburger Wirtschaft insgesamt (4,4 % p.a.) gewachsen. Auch die Zahl der Erwerbstätigen nimmt stetig zu. Im Jahr 2023 waren rund 193.600 direkte Erwerbstätige in Hamburgs Gesundheitswirtschaft beschäftigt. Seit 2014 ist die Zahl der Erwerbstätigen in der Hamburger Gesundheitswirtschaft um durchschnittlich 2,0 Prozent pro Jahr gewachsen - und damit schneller als die Gesundheitswirtschaft in Deutschland (1,8 % p.a.) und als die Gesamtwirtschaft in Hamburg (1,3 % p.a.).
Eine differenzierte Arbeitsmarktanalyse für die Gesundheitswirtschaft und der medizinischen Versorgung in der Freien und Hansestadt Hamburg zeigt zudem, wie breit gefächert die verschiedenen Berufe der Branche sind. Der geschätzte ungedeckte Arbeitskräftebedarf (die Differenz zwischen Nachfrage- und Angebotspotenzial) in der Hamburger Gesundheitswirtschaft lag im Jahr 2023 bei rund 12.500 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) bzw. 5,9 % der nachgefragten Stellen. Bis zum Jahr 2040 könnte dieser Wert kontinuierlich auf knapp 35.500 VZÄ bzw. 12,5 % ansteigen, sodass jede achte Stelle unbesetzt bliebe.
Die Prognosen zum regionalen Arbeitskräftebedarf fallen etwas geringer aus als noch in der Vorgängerstudie von 2021 angenommen. Das deutet darauf hin, dass verschiedene arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Fachkräftesicherung – etwa Qualifizierung oder Arbeitszeitflexibilisierung – erste Wirkung entfalten. Ein wesentlicher Grund für das gestiegene Arbeitskräftepotenzial ist die Zuwanderung internationaler Arbeitskräfte. Sie leisten bereits heute einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs und werden auch künftig eine Schlüsselrolle bei der Deckung des Fachkräftebedarfs einnehmen. Dennoch bleibt der Handlungsbedarf groß, genügend Fachkräfte – insbesondere in der medizinischen Versorgung – zu gewinnen und nimmt mit Blick auf den demografischen Wandel weiter zu.
Die Arbeitsmarktanalyse betrachtete insbesondere den Bereich der medizinischen Versorgung Hamburgs. Hier nimmt der ungedeckte Arbeitskräftebedarf in den kommenden Jahren kontinuierlich zu. Im Jahr 2023 fehlten rund 7.200 VZÄ; bis zum Jahr 2040 steigt dieser Wert und wird etwa 17.400 nicht besetzbare Stellen erreichen. Besonderen Fokus richtet die Analyse auf die Gruppe der internationalen Arbeitskräfte: Während Migration den Bedarf in der medizinischen Versorgung bis 2040 auf rund 10 % der Nachfrage beschränkt, würde ein Wegfall internationaler Fachkräfte den Bedarf auf 48.800 VZÄ bzw. über 28 % ansteigen lassen. Die Analyse unterstreicht, wie wichtig es ist, die Potenziale internationaler Fachkräfte auch künftig zu erschließen und zu fördern.
Die Studie bestätigt: Die Gesundheitswirtschaft gehört weiterhin zu den dynamischsten und beschäftigungsstärksten Bereichen der Gesamtwirtschaft Hamburgs und bleibt ein zentraler Wachstumsmotor für die Stadt.
Hinweise
Anmerkung zur Vergleichbarkeit mit früheren Auswertungen: Im Zuge der Generalrevision, der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen im Jahr 2024, basiert die aktuelle Analyse auf einer veränderten Datengrundlage. Zudem werden die Ergebnisse infolge methodischer Weiterentwicklungen erstmals durchgängig in Vollzeitäquivalenten (VZÄ) ausgewiesen. Direkte Vergleiche mit früheren Studien sind daher nur eingeschränkt möglich und sollten vor dem Hintergrund der neuen methodischen Grundlage interpretiert werden.
Weiterhin bitten wir Sie zu beachten, dass bei der Nutzung der Studieninhalte beziehungsweise deren Zitation als Quellenangabe die Sozialbehörde und das WifOR Institut zu nennen sind.