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Polioviren im Abwasser – Was bedeutet das?

12. November 2025

Poliomyelitis (Kinderlähmung) ist eine virale Erkrankung, die in Europa durch Impfprogramme als ausgerottet gilt.. Das Robert Koch-Institut (RKI) untersucht regelmäßig Abwasserproben auf Polioviren, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Nachgewiesen werden können entweder Polio-Impfviren, die vom Schluckimpstoff abgeleitet werden (vaccine-derived polio viruses - VDPV), oder sogenannte Wild-Polioviren (WPV), die durch Infektionen ins Abwasser gelangen. Im Herbst 2024 wurden unter anderem in München, Bonn, Köln und Hamburg Polioviren vom Typ 2 nachgewiesen, die vom Schluckimpfstoff abgeleitet sind. In Hamburg wurden im Oktober 2025 Wild-Polioviren im Abwasser nachgewiesen.

  • Sozialbehörde
Labor
Modell-Foto: colourbox.de

Wie gelangen Polio-Viren ins Abwasser?

Während in Deutschland seit 1998 ein Totimpfstoff ohne vermehrungsfähige Viren gegen Polio als Injektion verabreicht wird, nutzen andere Länder weiterhin einen oralen Lebend-Impfstoff. Die Schluckimpfung ist sehr effektiv, jedoch können die abgeschwächten Impfviren über den Stuhl wieder ausgeschieden werden und so ins Abwasser gelangen. Diese Impfviren können sich genetisch zu vom Schluckimpstoff abgeleiteten Polioviren (VDPV) verändern, die andere Menschen infizieren und in seltenen Fällen auch Erkrankungen hervorrufen können. 

Wild-Polioviren (WPV) können durch infizierte Reisende aus Ländern, die nicht frei von Polio sind, ins Abwasser gelangen. 

Sind die Viren im Abwasser gefährlich?

Menschen, die vollständig gegen Polio geimpft wurden, sind vor der Erkrankung geschützt. Der Impfstoff ist sicher und wirksam.
Für ungeimpfte Personen besteht bei anhaltender Zirkulation der Viren ein geringes Ansteckungsrisiko. Die Poliomyelitis betrifft vor allem Kinder unter 5 Jahren. Die Infektion verläuft meist ohne Symptome, weniger als ein Prozent der Infizierten entwickeln eine dauerhafte Lähmung. Aktuell sind dem RKI keine Verdachtsfälle oder Erkrankungen an Polio gemeldet worden.

Wie kann man sich gegen die Erkrankung schützen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Grundimmunisierung gegen Polio im Alter von 2 Monaten, 4 Monaten und 11 Monaten. Eine Auffrischungsimpfung soll zwischen 9 und 16 Jahren erfolgen. 

Für Reisende in Regionen mit Infektionsrisiko durch Wild-Polioviren oder VDPV wird ggf. eine Auffrischimpfung empfohlen. Ebenso wird einigen Berufsgruppen alle 10 Jahre eine Auffrischimpfung empfohlen. 

Bitte kontrollieren Sie Ihre Impfausweise und wenden sich bei fehlender oder unvollständiger Polio-Impfung an Ihre Arztpraxis oder die Impfstellen der Stadt.

Wie übertragen sich Polioviren?

Die Viren werden durch Schmierinfektionen (Stuhl-Hand-Mund) übertragen. Regelmäßiges und gründliche Händewaschen mit Wasser und Seife vermindert das Risiko einer Ansteckung – nicht nur mit Polioviren.

Wo finde ich weitere Informationen zu Poliomyelitis?

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