Was ist zu beachten?
- Hilfreich ist ein neutraler Raum, der nicht schon durch ein enges Rollenverständnis geprägt ist: z.B. ein Seminarraum, ein Raum in einer Kontakt- und Begegnungsstätte, einer Volkshochschule o.ä.
- Wichtig ist, dass Sie möglichst im Trialog einladen, also mindestens je ein Mensch mit beruflicher, persönlicher oder Angehörigen-Erfahrung beteiligt ist; das kann sich natürlich auch mischen. Auf jeden Fall ist es sehr viel einfacher, einer Einladung zu folgen, die die eigene Perspektive schon berücksichtigt.
- Manche Seminare starten mit einer klaren Zeitstruktur, z.B. 14 Tage oder monatlich oder immer am ersten Montag im Monat usw.; andere laden erst einmal zu einem Auftakt-Termin ein, um alles Weitere dort zu besprechen. Hinsichtlich der Dauer haben sich zwei Stunden oder zweimal 45 Minuten bewährt – in jedem Fall mit einer Pause in der Mitte. Bei oft sehr spannenden und persönlichen Themen wird die Aufmerksamkeitsspanne überschritten, wenn die Dauer länger als 45 Minuten beträgt.
- Wenn Themen vorher festgelegt oder im Seminar gewählt werden, sollte klar sein, dass Themen, die sich in alle Richtungen wenden lassen, besonders viel Charme haben: Bei „Angst und Psychose“ geht es nicht nur um die Angst des Psychose-Erfahrenen, sondern auch um die des Angehörigen und die des Profis, nicht nur um die „ver-rückte“, sondern auch die sehr reale Angst – z.B. um diese Welt.
Welche Ziele hat der Trialog?
Zunächst mal ist es wichtig,
- sich als (berufliche und persönliche) Expertinnen und Experten, also mit einem Maximum an Respekt zu begegnen
- sich wechselseitig auszutauschen, Perspektiven zu wechseln, voneinander lernen,
- subjektive Erfahrungen einzubringen, Geschichten zu erzählen, die Vielfalt von Psychosen und von Hilfen zu erahnen.
Dafür ist es entscheidend, vor allem Fragen zwischen den Gruppen zu fördern, bzw. Fragen zu stellen, die über die eigene Erfahrung hinaus gehen. Im Psychose-Seminar bzw. im Trialog-Forum können gerade fremde Erfahrene und Angehörige voneinander lernen. Profis können ihren Blick erweitern und gelassener bleiben, wenn sie nicht von der eigenen Verantwortung erdrückt werden. Das ergibt sich oft wie von selbst.
Wie wichtig ist Moderation?
Selbstverständlich gelten die Grundregeln jedes Gesprächs auf Augenhöhe:
- zuhören, ausreden lassen, den anderen Erfahrungen Platz lassen, andere nicht verurteilen und allgemeine Ratschläge und Vorschriften vermeiden (s.u.).
- Niemand hat das Recht, anderen vorzuschreiben, wie sie zu denken oder zu handeln haben. Das ist einer der wenigen Stellen, an denen die Moderation Position beziehen sollte – egal, von wem die „Allgemeinplätze“ oder „Vorschriften“ kommen, ob vom Oberarzt oder Chefärztin, der Erfahrenen oder dem besorgten Angehörigen.
- Die Erfahrung lehrt: Wenn Moderation den Trialog abbildet, ist sie am meisten authentisch und dadurch auch besonders wirkungsvoll.
Zielgruppen des Trialogs?
Es ist kein Zufall, dass der Trialog mit dem Schwerpunkt Psychosen begann. Nirgends sonst war der Missbrauch von Macht in der Psychiatrie so offensichtlich. Nirgends sonst war die Sprachlosigkeit so erschreckend, wie während der NS-Zeit, wenn am Schreibtisch über Leben und Tod von Menschen mit der Diagnose „Schizophrenie“ entschieden wurde. Vor diesem Hintergrund war es die Idee von Dorothea Buck, der Psychiatrie „das Sprechen beizubringen“ – nicht über andere, sondern mit anderen: Wenn wir wirklich reden und zuhören, uns als Person und Mensch wahrnehmen, kann sich diese Schreckenszeit nicht wiederholen.
Immer schon wurde „Psychose“ sehr offen und „phänomenologisch“ verstanden. Es geht um die Fähigkeit bzw. Not des Menschen, in existentiellen Krisen die Realität verändert wahrzunehmen. Der Übergang ist fließend, ab welcher Überlastung / Traumatisierung oder ab welcher Unterreizung / Isolation sich unsere Wahrnehmung verändern kann oder muss.
- Inzwischen gibt es weitere „spezifische“ Trialoge, z.B. den Borderline- oder Messie-Trialog; vielleicht gerade da, wo das Miteinander-reden nicht selbstverständlich oder auf bestimmte Weise erschwert ist.
- Vor allem aber gibt es inzwischen viele offene „Trialog-Foren“, die auf jede diagnostische Begrenzung verzichten. Immer geht es um existenzielle Krisen, um beschämende Erfahrungen, um Angst und Vorurteile. Das Ringen um Sensibilität und Toleranz einigt alle drei Gruppen.
Weitere Informationen
Das Hamburger Psychose-Seminar war 1989 das erste im deutschsprachigen Raum. „Irre menschlich Hamburg“ ist ca. zehn Jahre später daraus hervorgegangen, um nach dem Abbau wechselseitiger Vorbehalte gemeinsam gegen öffentliche Vorurteile zu kämpfen. Begegnungsprojekte in Schulen und Trialogische Fortbildungen folgten, Partizipation in der Forschung erst deutlich später.
Weitere allgemeine Informationen bietet: www.trialog-psychoseseminar.de
Autor: Thomas Bock