Gesprächstipps

Über psychische Gesundheit sprechen

Über psychische Probleme zu sprechen, kann herausfordernd sein. Aber Offenheit miteinander macht echte Begegnungen und gegenseitige Unterstützung überhaupt erst möglich. Nachfolgend finden Sie Tipps für Gespräche bei eigenem Kummer oder wenn Sie sich Sorgen um andere machen.

  • Sozialbehörde
Zwei junge Frauen gehen in enger Umarmung in einem Park
Colourbox.de / #81285

Ob man über eigene psychische Probleme sprechen möchte oder das Gefühl hat, dass jemand Hilfe benötigt -- für beides gilt: Beginnen Sie das Gespräch in einer ruhigen und vertrauten Umgebung, in der Sie ungestört sind, beispielsweise bei einem Spaziergang. Nehmen Sie sich genügend Zeit, um gut auf Ihr Gegenüber eingehen zu können. 

Wenn man sich Sorgen um sein Gegenüber macht

  • Ein möglicher Einstieg in ein Gespräch könnte z. B sein: „Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit nachdenklich wirkst – möchtest du darüber sprechen?
  • Hören Sie interessiert und aufmerksam zu, ohne zu unterbrechen oder vorschnell Ratschläge zu geben. 
  • Es ist nicht erforderlich, immer eine Lösung parat zu haben. Vielmehr steht das einfühlsame Zuhören im Vordergrund. 
  • Verhalten Sie sich unterstützend und nicht verurteilend. Vorwürfe, Bagatellisierungen oder vorschnelle Reaktionen, wie „So schlimm ist das doch gar nicht“, führen häufig dazu, dass das Gegenüber sich verschließt. Bestätigen Sie Ihrem Gegenüber, dass die Gefühle angemessen und berechtigt sind. 
  • Geben Sie Ihrem Gegenüber die Gewissheit, dass Sie alle Informationen vertraulich behandeln und, wenn überhaupt, nur mit dessen Einwilligung weitergeben.
  • Signalisieren Sie Ihre Bereitschaft, Ihrem Gegenüber beizustehen.
  • Sie können praktische Unterstützung anbieten, z. B. Unterstützung im Haushalt oder eine Recherche zu Beratungsstellen. Überlegen Sie, was Sie leisten können und wollen. 
  • Bei Gesprächen über psychische Probleme kann es vorkommen, dass Sie selbst an Ihre Grenzen stoßen. Es wichtig zu wissen, dass Sie die Belastung nicht allein tragen müssen. Zögern Sie nicht, auf professionelle Hilfe zu verweisen, wenn Sie das Gefühl haben, Sie oder Ihr Gegenüber sind mit der Situation überfordert. 
  • Akzeptieren Sie ein Nein und lassen Sie Ihr Gegenüber wissen, dass Sie auch zu einem späteren Zeitpunkt für ein Gespräch offen sind. Manchmal braucht es etwas Zeit, damit der /die Betroffene sich öffnet oder auf ein Hilfsangebot reagiert. Gegebenenfalls muss man immer wieder den Kontakt zu der betroffenen Person suchen.

Keine Geheimnisse, die Leben kosten können

Ein suizidales Geheimnis zu bewahren, kann für Angehörige und Freund:innen zur Überforderung werden – und im schlimmsten Fall gefährlich. Wenn Gefahr für Leib und Leben besteht, darf und muss dieses Vertrauen durch verantwortungsvolles Handeln gebrochen werden. Dabei ist es wichtig, nachvollziehbar zu machen, warum Hilfe geholt wird: Aus Sorge, nicht aus Verrat.

Zitat von Nina von Ohlen

Wenn man selbst über psychische Probleme reden möchte

  • Es empfiehlt sich, die betreffende Person zunächst zu fragen, ob sie Zeit für ein Gespräch hat.
  • Beginnen kann man ein Gespräch mit z. B. „Ich würde gerne mit dir über etwas sprechen, das mich beschäftigt“ oder „Mir geht es gerade nicht besonders gut. Kann ich mal mit dir darüber reden?“. 
  • Es ist wichtig, offen und ehrlich über seine Gefühle zu sprechen. Je mehr man von sich erzählt, desto leichter fällt es dem Gegenüber, Verständnis zu entwickeln.
  • Versuchen Sie zu benennen, was Ihnen helfen könnte, und sagen Sie, wenn möglich, was Sie sich von Ihrem Gegenüber wünschen.
  • In schwierigen Situationen fehlen einem manchmal die Worte. Manchmal kann es nötig sein, Pausen und Schweigen auszuhalten. Geben sie sich und Ihrem Gegenüber Zeit, das Gesagt zu verarbeiten. 
  • Zwingen Sie sich nicht, das Gespräch fortzuführen, wenn es Ihnen nicht guttut. Vielleicht ist es sinnvoll, das Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt weiterzuführen. Vielleicht merken Sie auch, dass Sie professionelle Hilfe benötigen.

Weitere Informationen

Mental Health Guide für Eltern
Der Mental Health Guide richtet sich an Eltern von Jugendlichen, die psychisch belastet sind oder psychische Erkrankungen zeigen. Er bietet Informationen darüber, wie psychische Auffälligkeiten erkannt werden können, welche Anzeichen auf Belastungen hinweisen und wie sensible Gespräche mit Jugendlichen gestaltet werden können.
Der Guide enthält außerdem Hinweise auf hilfreiche Anlaufstellen und Unterstützungsangebote für Eltern und Kinder. Ziel ist es, Orientierung zu geben und die Möglichkeiten zur Unterstützung und Begleitung in schwierigen Situationen aufzuzeigen.

Mental Health First Aid
Mental Health First Aid sind Erste-Hilfe-Kurse für die Unterstützung von Menschen mit psychischen Problemen. Neu gibt es auch Erste-Hilfe-Kurse für die Unterstützung von Jugendlichen bei psychischen Belastungen. 

Weitere Hilfsangebote finden Sie hierwww.hamburg.de/go/krisenhilfe

Zum Weiterlesen

Ausschnitt der digitalen Karte der Metropolregion Hamburg (MRH)
LGV

Übersicht Die Hamburger Trialogforen

Trialog-Foren dienen dem Austausch und der wechselseitigen Fortbildung von Krisen-Erfahrenen, Angehörigen und Profis. Ziel ist, eine gemeinsame Sprache zu finden und Dialogfähigkeit zu üben.

Hände halten Bild eines Kopfes mit Herz
Colourbox.de / #312624

Gut zu wissen Tipps für die Stärkung Ihrer psychischen Gesundheit

Manchmal ist einfach alles zu viel – Stress am Arbeitsplatz, Probleme zu Hause oder einfach dieses Gefühl, dass nichts so richtig passt. Solche Phasen kennt fast jeder. Wichtig ist: Es gibt Dinge, die Sie selbst tun können, um sich wieder stabiler und wohler zu fühlen.

Logos schwirren um ein Smartphone herum
colourbox.de / Nmedia

Wissen im Netz Verlässliche Informationen online finden

Jeder erlebt Gefühle anders. Oft ist es auf den ersten Blick schwierig zu erkennen, welche Online-Quellen verlässliche Informationen bieten. Hier finden Sie Hinweise, um online Inhalte richtig einzuschätzen und gesicherte Informationen zu psychischen Erkrankungen im Netz.